Das WOCHENBLATT besucht Sinur Aziz, die neue Gleichstellungsbeauftragte der Gemeinde
Jork: "Ich bin neugierig und forsche nach"

Sie möchte andere Menschen unterstützen und sich mit ihrem Wissen einbringen: Sinur Aziz ist die neue Gleichstellungsbeauftragte in Jork
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ab. Jork. Sie will sich in der Gemeinde intensiv einbringen, Projekte anschieben und netzwerken - Sinur Aziz (40) ist seit Kurzem Jorks neue Gleichstellungsbeauftragte und ein echter Glücksgriff: Die Kurdin mit österreichischer Staatsbürgerschaft kommt aus einer Akademikerfamilie, hat in Österreich Jura studiert und spricht mehrere Sprachen. Über sich selbst sagt sie: "Ich bin sehr neugierig und gehe den Dingen auf den Grund. Vielleicht liegt das in den Genen."

Ihr Vater ist Physiker, ihre Mutter Mathematiklehrerin. Als der Golfkrieg im irakischen Abril, dem Heimatort der damals 10-jährigen Sinur Aziz, ankam und die Stadt bombardiert wurde, flohen ihre Eltern mit ihr und ihren drei jüngeren Brüdern. "Es war 1991 und der erste digitale Krieg", erinnert sie sich. Die Presse sei damals mit den Panzern mitgefahren. Sinur Aziz habe 24 Stunden sieben Tage die Woche Übertragungen der Kriegsschauplätze im Fernsehen miterleben können. Diese Berichterstattung habe sie damals überrascht, sagt sie.

In einem Camp in Österreich sei die Familie dann zufällig gelandet. Der Vater habe nach Kanada gehen wollen, dorthin hatte er Kontakte. "Er hat sich dann dafür entschieden, dass wir Kinder nicht noch einmal umziehen müssen. So sind wir geblieben."

Die Kurdin besuchte in Österreich die Schule und gab schon früh ihrem Interesse an Neuem nach. Vor allem an Sprachen: "Ich habe sehr schlechte Erfahrung damit gemacht, wie es ist, eine Sprache weder sprechen noch lesen zu können." Sie erzählt von einem Erlebnis an einer Bushaltestelle in Österreich. Mit mehreren Kindern war die damals 12-Jährige unterwegs, niemand sprach Deutsch. "Wir wussten nicht, wie wir wieder nach Hause kommen sollten, konnten den Plan nicht lesen und nicht fragen. Einige fingen schon an zu weinen." Zu ihrem Glück sei eine Frau vorbeigekommen, die im gleichen Dorf wohnte und half. Mit 14 Jahren ging Sinur Aziz zum ersten Mal nach Italien zum Schüleraustausch, es entstanden Freundschaften und sie lernte Italienisch. Nach dem Abitur studierte sie Jura, nahm an Jugendtreffs und Konferenzen teil, zum Beispiel als Stipendiatin im österreichischen Alpbach, wirkte 2003 an der irakischen Verfassung in London mit, engagiert sich in Vereinen und bei NGOs. Neben Deutsch und Kurdisch spricht sie Englisch fließend, dazu Italienisch und Französisch und auch etwas Spanisch.

2007 machte Sinur Aziz ihr Referendariat, heiratete - ihr Mann ist Österreicher und Physiker. 2010 ging das Paar für ein halbes Jahr nach New Jork, anschließend nach Baden-Württemberg, wo 2012 die erste Tochter zur Welt kam. Die zweite wurde 2016 geboren.

Seit Mai 2019 wohnt Sinur Aziz mit ihrer Familie in Jork, ihr Mann hat in Hamburg beim Deutschen Elektronen-Synchrotron DESY eine Stelle angenommen. Da ihre beiden Mädchen vormittags in Schule und Kindergarten sind, hat sie nun Zeit, die sie sinnvoll ausfüllen möchte. "Ich habe die Homepage der Gemeinde intensiv gelesen und bin dabei auf die Ausschreibung der ehrenamtlichen Stelle der Gleichstellungsbeauftragten gestoßen." Nach einem Anruf stand fest: Die Stelle ist für sie geeignet.
Zehn Stunden in der Woche - ihre Sprechzeiten sind montags von 9 bis 12 und nach Vereinbarung - wird die 40-Jährige jetzt für die Gemeinde tätig sein und sich in Projekten einbringen wie beispielsweise Sprachförderung von Migranten. Auch bei der großen Kampagne gegen häusliche Gewalt vom 25. November bis 10. Dezember, ist sie beteiligt.

Ob das Arbeitspensum von zehn Stunden für ihre neue Aufgabe ausreichen wird, kann Sinur Aziz jetzt noch nicht sagen. "Noch bin ich dabei, mir einen Überblick verschaffen. Erst danach kann ich sagen, ob zehn Stunden reichen."

• Wer Sinur Aziz kontaktieren möchte, erreicht sie per E-Mail an gleichstellung@jork.de.

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