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Jork: "Ohne die Schilder droht uns das Aus"

Klaus und Doris Ewe sollen die Schilder entfernen, die auf ihr Bistro aufmerksam machen. Sie befürchten, dass Laufkundschaft nicht mehr auf den etwas versteckt liegenden Imbiss aufmerksam wird

Bistro-Betreiber Klaus Ewe soll Hinweisschilder beseitigen

ab. Jork.
Als er das Schreiben vom Amt öffnete, traf Klaus Ewe fast der Schlag: Der Betreiber des Bistros "Bei Doris" soll umgehend seine Schilder entfernen. Die stehen am Straßenrand der K39 in Jork Neuenschleuse am Yachthafen, um auf die etwas abseits gelegene Imbissstube hinzuweisen. Doch da es sich bei dem Grünstreifen, auf dem die Schilder stehen, um Landkreisgrund handelt, sollen sie weg. Nach viereinhalb Jahren.
Für Klaus Ewe sind die Schilder die einzige Möglichkeit, auf das etwas versteckt liegende Bistro aufmerksam zu machen. "Wenn ich die abbauen muss, droht uns das Aus", sagt er
.
Vor zwei Tagen sei jemand von der Straßenmeisterei aus Bliederstorf vorbeigekommen, um ihm persönlich das Schreiben in die Hand zu drücken, erzählt der geschockte Gastronom, der sein Bistro gemeinsam mit seiner Frau Doris betreibt. Darin enthalten: eine DIN-A4-Seite, auf der die Fläche des Landkreises markiert ist. Eben jene Fläche mit Klaus Ewes Schildern. Ebenfalls beiliegend: die Aufforderung, die beiden Schilder umgehend zu beseitigen.

"Ich habe sofort beim Landkreis angerufen. Dort hieß es, ich hätte damals versäumt, eine Genehmigung einzuholen." Frustrierend für Klaus Ewe, denn als er vor viereinhalb Jahren das Bistro übernahm, hatte er von seinem Vermieter die Erlaubnis zum Aufstellen der Schilder erhalten. Dazu hatte Ewe bei der Gemeinde Jork nachgefragt und ebenfalls grünes Licht bekommen. "Dort wurde mir nur mitgeteilt, dass die Schilder nicht größer als ein Quadratmeter sein dürften. Und daran habe ich mich gehalten."

Dass diese Erlaubnis nicht ausreichte, weiß Klaus Ewe jetzt auch. Nach mehreren Telefonaten erhielt er nun von Landkreisseite aus eine zweite Information: Wenn er seine Schilder anmelde und einmalig 825 Euro pro Schild zahle, könne er sie stehen lassen.
Für Klaus Ewe und seine Frau Doris eine Zumutung. "Das Bistro ist klein und wirft keine großen Gewinne ab", sagt er. "Eben mal 1.250 Euro für das Aufstellen der Schilder zu bezahlen, können wir uns nicht leisten."

Was ihn außerdem verärgert: "Als es hier im Herbst 2016 Straßenbauarbeiten gab, war alles abgesperrt. Wir mussten große Einbußen hinnehmen, weil kaum noch Gäste kamen. Es wäre nur fair, wenn der Landkreis jetzt unsere Schilder stehen lassen würde, ohne uns zur Kasse zu bitten."

Werbeschilder müssten nach dem Niedersächsischen Straßengesetz genehmigt werden, sagt Landkreissprecher Christian Schmidt auf Nachfrage des WOCHENBLATT. "Die Schilder stehen auf Landkreisgrund, dort kann nicht jeder ohne Genehmigung etwas aufstellen." Ein Antrag auf Sondernutzung sei in diesem Fall erforderlich, für unbefristetes Aufstellen werde pro Schild ein Betrag von 750 Euro plus Bearbeitungsgebühr fällig. Auch eine jährliche Gebühr sei möglich. Bei Schildern ab einer Größe über einen Quadratmeter müsse dann eine Baugenehmigung beantragt werden. Außerdem müsse überprüft werden, ob die Schilder nicht die Verkehrssicherheit beeinträchtigten.
Bei Klaus Ewe handele es sich aber nicht um einen Einzelfall. Christian Schmidt: "Jeder, der ein Schild ohne Genehmigung aufgestellt hat, wird dieses Schreiben erhalten - auch wenn es schon vor Jahren aufgestellt wurde."


Individuelle Entscheidungen fällen
Auf eigenem Grund und Boden fremde Schilder ohne Genehmigung zu dulden - das machen wohl die wenigsten. Und wenn jeder sein Schild aufstellen würde, wo es ihm gefällt, würde das zu chaotischen Zuständen führen. Andererseits: Die kleine Fläche vor dem Bistro in Jork ist nicht im Privatbesitz, sondern gehört dem Landkreis. Sie ist kaum für andere Zwecke verwendbar. Auch wenn es für den Landkreis unbequem ist: In Fällen wie diesem müsste er meiner Meinung nach individuell entscheiden. Denn je mehr Kosten solche kleinen Läden, Geschäfte und Bistros haben, desto höher ist die Wahrscheinlichkeit, dass sie eines Tages schließen müssen. Und somit ist auch die Vielfalt, die einer Touristenregion wie Jork unbedingt erhalten bleiben muss, nicht mehr gegeben .
Alexandra Bisping