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"Kleine Jorker Bühne" spielt schwarze Komödie "Karol"

Sie bringen die schwarze Komödie "Karol" auf die Bühne: Erik Ahrens (v.l.), Ralph Werner-Dralle, Lucy Vollmer und Daniel Sturm
 
Eine bedrohliche Situation für den Augenarzt (Daniel Sturm): Er muss sich mit dem bewaffneten und "Karol"-suchenden Großvater (Ralph Werner-Dralle) und dessen gewaltbereitem Neffen (Erik Ahrens) auseinandersetzen

Humanistische Ideale gegen brutale Gewalt / WOCHENBLATT besucht Proben

ab. Jork.
Was passiert mit einem hochgebildeten Menschen, wenn er sich roher Gewalt ausgesetzt sieht? Wie weit geht er, um sein eigenes Leben zu retten? Diesen Fragen geht das Theaterstück "Karol" von Slawomir Mrozek nach. Die "Kleine Jorker Bühne" bringt die schwarze Komödie am 29. und 30. März auf die Bühne. Das WOCHENBLATT besuchte das Ensemble während der Proben. Es beginnt mit einer Vorszene, die im Buch nicht vorhanden ist: Die Haushälterin, gespielt von Lucy Vollmer, verabschiedet sich von einem Augenarzt. Der Mediziner, verkörpert durch Daniel Sturm, bleibt alleine in seiner Praxis zurück.

"Was anschließend geschieht, soll die Zuschauer überraschen und darum nicht erwähnt werden", bittet Regisseur Eckehard Kootz. Er hat das ca. 60-minütige Stück ausgewählt und erklärt, warum. "Wir können nur ein Stück in kleiner Besetzung spielen. Zwei große Stücke pro Jahr kann sich die ,Kleine Jorker Bühne' nicht leisten und es gibt ja jährlich eine große Aufführung zu Weihnachten."

Doch das ist nicht der einzige Grund: Die Vorstellung, was mit einem humanistisch ausgebildeten Menschen passiert, wenn er brutaler Gewalt ausgesetzt ist, sei aktuell, sagt Eckehard Kootz. "Erst pocht der Arzt im Stück noch auf Humanismus, aber er kommt mit der drohenden Gewalt nicht zurecht und verändert sich."

Und darum geht es: Ein Enkel (Erik Ahrens) kommt mit seinem bewaffneten Großvater (Ralph Werner-Dralle) in eine Augenarztpraxis. Gemeinsam sind sie auf der Suche nach einem gewissen "Karol", den nur der Großvater identifizieren kann. Aber dieser sieht schlecht und braucht dringend eine Brille. Während der Arzt sich bemüht, in der absurden Situation seinem Beruf nachzukommen und dem älteren Mann die richtige Brille zu verpassen, wird immer deutlicher, dass der Mediziner sich in einer bedrohlichen Lage befindet. Denn "Karol" könnte jeder sein, zumindest in den Augen der gewaltbereiten Besucher ...

"Besonders interessant ist, wie der hochgebildete und humanistisch geprägte Arzt auf die Situation reagiert", meint Regisseur Kootz und verweist auf die Geiselnahme in Stockholm im Jahr 1973: Angesichts des absoluten Kontrollverlustes redeten sich die Geiseln bei einem Banküberfall in Stockholm ein, die Absichten der Täter könnten mit ihren eigenen Vorstellungen zumindest teilweise übereinstimmen. Das plötzliche Sympathisieren mit Tätern wird darum als "Stockholm-Syndrom" bezeichnet. Interessant dabei: Das Stück "Karol" wurde 1961 uraufgeführt - zwölf Jahre vor dem Geiseldrama.

• Das rund einstündige Stück "Karol" wird am Freitag und Samstag, 29. und 30. März, jeweils um 20 Uhr aufgeführt. Ort: Aula der Grundschule am Westerminnerweg, Jork. Karten: 8 Euro, ermäßigt 6 Euro. Weitere Infos und Reservierung unter www.kleinejorkerbuehne.de.

Der AutorSlawomir Mrozek
Der polnische Schriftsteller und Dramatiker Slawomir Mrozek wurde 1930 in der Nähe von Krakau geboren. Er studierte Architektur, Kunstgeschichte und Orientalistik und war als Karikaturist tätig. Er schrieb satirische Texte und veröffentlichte 1957 sein erstes Buch. Mit seinem dramatischen Sketch "Die Polizei" gelang ihm 1958 der große Durchbruch. Nach der Niederschlagung des Prager Frühlings beantragte er 1968 Asyl in Frankreich. Slawomir Mrozek starb 2013 in Nizza.