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Sanierte Straße in Jork stellenweise tiefer

Bürgersteig mit leichtem Gefälle zur Straßenmitte: "Wer macht so was im Hochwassergebiet?", fragt Anwohner Gerd Lefers

Jorker Anwohner besorgt: Wird bei Hochwasser der Fluchtweg behindert?

ab. Jork.
Stark belastet sind die Anwohner an der Jorker Hauptverkehrsstraße Osterjork, die bis nach Königreich hineinführt: Eine Baustelle folgt der nächsten, ein normales Durchfahren ist kaum möglich - derzeit ist die Straße streckenweise nur einseitig befahrbar. Bislang haben die Bürger die Sanierung gelassen über sich ergehen lassen, schließlich kann das nur von Vorteil sein - oder?

Anwohner und Hof-Inhaber Gerd Lefers sieht das anders: "Die Straße wird 30 Zentimeter niedriger angelegt als zuvor. Was soll das?", fragt er verärgert. Vorher sei die Straße in der Mitte sozusagen rund gewesen, aus gutem Grund, wie Lefers erklärt: "Wir wohnen in einem Hochwassergebiet. Sollte es zu einem Deichbruch kommen, ist die Straße unser Fluchtweg." Darum sei sie nach dem Deichbruch im Jahr 1962 auch so angelegt worden, dass in der Mitte der höchste Punkt liegt und nach rechts und links leicht abfällt.

Doch mit der frisch sanierten Straße gibt es ein Problem, meint Lefers: "Dadurch, dass die Straße jetzt tiefer liegt, sammelt sich das Wasser auf der Straßenmitte." Abfließen nach rechts und links gehe nicht mehr, da auch die Bürgersteige ein leichtes Gefälle hätten. Alle Grundstücke lägen nun deutlich höher. "Damit entziehen wir den Leuten den Fluchtweg", sagt der Obstbauer, der seit 27 Jahren im Feuerschutzausschuss sitzt und dazu Deichrichter ist.
Er selbst habe deswegen bereits Kontakt zur Straßenbaubehörde aufgenommen. "Anscheinend wurde der Planung von einem zu hohen Punkt ausgegangen", vermutet Gerd Lefers. Sein Vorschlag: im nächsten Bauabschnitt die Straße wieder anzuheben. "Das müsste reichen", meint er. 

"Die Straße ist an der Nordseite an mancher Stelle 30 Zentimeter tiefer als zuvor, und das im Maximum. Manchmal ist sie nur fünf Zentimeter tiefer, manchmal sogar höher", sagt Falk Salomon von der Niedersächsischen Landesbehörde für Straßenbau und Verkehr in Stade. Früher habe die Straße ein sogenanntes Dachprofil gehabt, wobei der höchste Punkt die Straßenmitte gewesen sei. Grund für die veränderte Höhe sei unter anderem der neue Radweg auf der Nordseite, der sich zur südlichen Rinne neige. Nur so könne das Wasser abfließen und verhindern, dass der Weg bei starkem Regen überschwemmt werde.
"Außerdem wird auf Gemeindewunsch nur auf der nördlichen Seite ein Radweg angelegt, der südliche Randbereich wird nicht angefasst", erklärt Salomon.

Der Vorschlag von Gerd Lefers, die Straße während der laufenden Sanierung wieder anzuheben, sei allerdings nicht umsetzbar. "Technisch ist das nicht möglich. Da hätten wir andere Randbedingungen gebraucht", so Salomon. "Außerdem wären wir dann auf der südlichen Seite höher als einige Hofeinfahrten, das würde den Anwohnern erst recht nicht gefallen." Was ihn erstaunt: "Wir haben das Sanierungskonzept in einer öffentlichen Veranstaltung vorgestellt. Das Thema Hochwasser hat damals niemand angesprochen oder Bedenken geäußert."