Generationenkonflikt in Steinkirchen
Zwischen Diskriminierung und Vandalismus
- Immer wieder geraden Gruppen von Jugendlichen in Steinkirchen in den Verdacht der Bürgerinnen und Bürger – doch müssen diese wirklich selbst tätig werden?
- Foto: Adobe Stock/LuciJ
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Anfang März, früher Nachmittag – die Steinkirchener Feuerwehr rückt zum Sportplatz am Mühlenweg aus. Eine Hecke steht in Flammen. Anwohner berichten von Jugendlichen, die sich zuvor dort aufgehalten haben sollen (das WOCHENBLATT berichtete). Es ist einer von vielen Vandalismusfällen, die die Gemeinde in den vergangenen Monaten beschäftigt haben.
Beschmierte Parkbänke, beschädigte Toilettenanlagen, Brandstiftung – seit Monaten mehren sich in Steinkirchen die Vorfälle mutwilliger Zerstörung. Das Altländer Idyll steht unter Beobachtung – nicht nur durch die Polizei, sondern zunehmend auch durch sich selbst.
Stimmung kippt – Jugendliche unter Verdacht
Polizist Torben Kubik, der schon einige Jahre in der kleinen Gemeinde tätig ist, beobachtet seit rund einem halben Jahr einen deutlichen Anstieg von Sachbeschädigungen. Einige Anzeigen liegen vor, doch belastbare Beweise sind rar. Zwar deuten Hinweise darauf hin, dass zumeist Jugendliche für die Vorfälle verantwortlich sein könnten – die Polizei geht jedoch nicht von einer organisierten Gruppe aus.
Auch Bürgermeisterin Sonja Zinke (CDU) berichtet von Vorfällen, in denen Jugendliche Passanten auf der Straße nach Geld gefragt hätten. Die Stimmung ist angespannt. Auch nachdem die Polizei sogenannte Gefährdergespräche geführt hatte, wuchs das Misstrauen gegenüber Jugendlichen – viele fühlen sich zu Unrecht verdächtigt, andere sehen ihre Sicherheit bedroht.
Immer wieder berichten Eltern davon, dass ihre Kinder beim bloßen Herumstehen fotografiert oder heimlich gefilmt wurden – bloß, weil sie sich in der Nähe von Parkbänken oder Plätzen aufhielten, an denen es zuvor zu Vorfällen gekommen war. Kubik warnt davor, junge Menschen unter Generalverdacht zu stellen.
Jugendzentrum kritisiert öffentliche Stimmung
Während Kubik die Fotografie-Initiative als gut gemeinte, aber fehlgelenkte Hilfestellung interpretiert, nimmt Claudia Pigors, Leiterin des Jugendzentrums, die Situation anders wahr. Sie spricht von einer aufgeheizten Stimmung, in der junge Menschen „Diskriminierungen, offenem Rassismus und Herabwürdigungen“ ausgesetzt seien. So kursierte beispielsweise auf Social Media ein Post, in dem Jugendliche für das Fußballspielen am Karfreitag kritisiert wurden.
Auch das Jugendzentrum selbst gerät dabei in die Kritik: „Es heißt oft, wir würden zu wenig tun“, sagt Pigors. Dabei stehe man im ständigen Austausch mit den Jugendlichen und die wenigsten seien tatsächlich daran beteiligt.
Runder Tisch sucht gemeinsame Lösungen
Um die Situation nicht weiter eskalieren zu lassen, trafen sich Polizei, Jugendamt, Jugendzentrum, Eltern sowie Lehrerinnen und Lehrer zu einem runden Tisch. Dort wurden konkrete Ideen diskutiert.
Ein Beispiel: Beim Hochbeet-Projekt des Jugendzentrums bepflanzen Jugendliche Pflanzkästen im Freibad – ein gemeinnütziges Projekt, das Gemeinschaft stiften soll. Auch sportliche Angebote sollen künftig stärker eingebunden werden. Pigors nennt den Austausch am runden Tisch „sehr konstruktiv“.
Prävention und Vertrauen
Auch von Seiten der Stadt und der Polizei wurden die Gespräche positiv bewertet. Zinke setzt auf Prävention: Treffpunkte, Projektwochen, Einzelgespräche mit auffälligen Jugendlichen. Ziel sei es, Mitläufern frühzeitig Alternativen zu bieten. Sie zitiert einen engagierten Steinkirchener Lehrer, der sich in der Gemeinde schon lange für die Jugendlichen einsetzt: „Jugendarbeit ist Beziehungsarbeit.“ Diese Arbeit soll nun gemeinschaftlich angegangen werden.
Die Polizei verzeichnet seit dem Zusammentreffen eine positive Entwicklung: „Wir dachten, dass sich die Situation während der Osterferien zuspitzen würde, aber es ist ruhig geblieben“, berichtet Kubik. Und auch Bürgermeisterin Zinke blickt optimistisch in die Zukunft: „Wir befinden uns auf einem guten Weg. Momentan ist es ruhig und unsere Maßnahmen scheinen erfolgreich“, sagt Zinke. Das neue Konzept zeigt also erste Erfolge.
Das spricht für den gemeinschaftlichen Ansatz, der nicht nur Prävention Strafen vorzieht, sondern auch das Miteinander in der Gemeinde stärken soll. Ob die Maßnahmen langfristig ausreichen, um das Vertrauen im Ort auf beiden Seiten dauerhaft wiederherzustellen, wird sich zeigen – doch fürs Erste zieht Steinkirchen an einem Strang.
Redakteur:Pauline Bellmann aus Buxtehude |
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