Bitte klicken Sie zur Auswahl auf eines der folgenden vier Logos:

Grünendeich: Schon wieder gibt ein Pächter auf

Die Traditionsgaststätte "Zur schönen Fernsicht" war nur sechs Monate lang geöffnet

Altländer Traditionsgaststätte schließt nach nur sechs Monaten 

ab. Grünendeich.
Nach nur einem halben Jahr ist schon wieder Schluss: Das Traditionsgasthaus "Zur schönen Fernsicht" in Grünendeich im Alten Land hat zum 30. September zugemacht. Erst Ende März hatten - nach vielen Komplikationen in den vergangenen Jahren - zwei neue Pächter die Geschicke der gemeindeeigenen Gaststätte übernommen. Mit neuen Ideen und Angeboten wollten sie das Haus zum Dorfmittelpunkt machen, Vereinen einen Treffpunkt bieten, Künstler zu Auftritten in den Ort holen.
"Das Geld ist aufgebraucht", sagt Pächter Andreas Bach jetzt auf WOCHENBLATT-Nachfrage. "Es rechnet sich einfach nicht." Die ersten zwei Monate nach der Eröffnung seien gut gelaufen, trotz Problemen in der Küche und im Service. "Bis sich alles eingespielt hat, ist das nicht ungewöhnlich", so der erfahrene Gastronom.

Doch dann kamen weniger Gäste und Bach erhielt im Sommer einen weiteren Dämpfer. Nach Komplikationen mit seinem Geschäftspartner und einer öffentlich geführten Auseinandersetzung stieg dieser aus, Bach führte die Gaststätte alleine weiter. Optimistisch hatte er die Zukunft geplant, im Sommer gegenüber dem WOCHENBLATT gesagt, es dauere seine Zeit, bis ein so großer Betrieb richtig laufe.

Plötzlich aber stand Andreas Bach ohne Koch da, musste selbst in der Küche ran. Auch finanziell wurde es schwierig. Jetzt hat Bach einen Schlussstrich gezogen, betont aber dass die Gemeinde ihn sehr unterstützt habe. 

Für Bürgermeisterin Inge Massow-Oltermann ist dieser Entschluss eine böse Überraschung. "Der Betrieb ist komplett eingestellt worden, das hat uns sehr getroffen", sagte sie gegenüber dem WOCHENBLATT. "Wir hatten uns das anders vorgestellt."
Dabei war der Start vielversprechend, als die neuen Pächter Andreas Bach und Harry Jakupovic Ende März zur Neueröffnung einluden. Die beiden ehemaligen Arbeitskollegen und Freunde hatten große Pläne, wollten mit einem verbesserten Service, dem Wiederbeleben des Kegelbetriebs und gutem regionalem Essen der Gaststätte mit angeschlossenem Dorfgemeinschaftshaus neues Leben einhauchen.

Doch schon im Frühsommer zeichneten sich erste Probleme ab: Zwischen den beiden Gastronomen kam es zum Bruch. Jakupovic zog sich aus dem Gaststättenbetrieb komplett zurück, Bach wollte alleine weitermachen. Noch Ende Juli hatte er sich auf WOCHENBLATT-Nachfrage optimistisch zur Zukunft der "Schönen Fernsicht" geäußert und über seine Pläne mit Vereinen und Künstlern gesprochen. Und jetzt das Aus.
"Wir wissen noch nicht, wie es weitergeht", sagt Massow-Oltermann. Möglicherweise werde es wie früher einen Notbetrieb geben, sodass wenigstens das Dorfgemeinschaftshaus genutzt werden könne.

Seit gut vier Jahrzehnten befindet sich das Gebäude im Eigentum der Gemeinde und war erst vor wenigen Jahren mit rund einer Million Euro Steuergeld saniert worden. Martin Hollmichel, Ortsvorsitzender der FDP, sieht das Ganze kritisch. "Es ist wohl nicht so gelaufen", vermutet er. "Der Betrieb hat nicht die Umsätze gebracht, die erforderlich waren." Die Gemeinde habe viel Geld in das Gebäude gesteckt, das müsse aber wieder reingeholt werden.

Fraglich sei, ob eine Gemeinde überhaupt so ein finanzielles Risiko eingehen und ein wirtschaftliches Unternehmen in einer schwierigen Branche wie der Gastronomie führen sollte. Seiner Meinung nach müsse ein Investor her, der das steuern könne. "In die Gastronomie muss im Alten Land viel Zeit und Herzblut investiert werden. Für einen Seiteneinsteiger ist die Traditionsgaststätte eine Nummer zu groß."

Hollmichel ergänzt: "Ich habe ein Interesse daran, dass Betriebe hier gefördert werden." Seine Empfehlung: einen Berater zu konsultieren oder alles in private Hand zu geben.