Eine Mutter vergibt Noten an die Schulen
Es gibt noch Defizite beim Homeschooling

Ein ganz normaler Schultag am Küchentisch (v.li.): Malik, Salim, Latif, Nikola und Ali Babi bei Homeschooling und Homeoffice
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sla. Neu Wulmstorf. Drei Söhne an drei verschiedenen Schulen - Nikola Babi hat einen direkten Vergleich, wie unterschiedlich digitaler Unterricht von Schule zu Schule laufen kann. Sohn Malik (17) geht in die 12. Klasse des Halepaghen-Gymnasiums in Buxtehude, Salim (13) ist in der 7. Klasse an der Oberschule Neu Wulmstorf und Latif (11) besucht die 5. Klasse am Gymnasium Neu Wulmstorf. Seit Beginn der Corona-Pandemie im März 2020 ist der Küchentisch der fünfköpfigen Familie in Neu Wulmstorf Arbeitsplatz und Klassenzimmer zugleich. Hier bereitet die 51-jährige Yoga-Lehrerin ihre Online-Kurse vor. Ehemann Ali (56) sitzt am PC, sucht einen neuen Job als Controller und schreibt Bewerbungen, da er nach 16-jähriger Tätigkeit bei Airbus zu den etlichen Leiharbeitnehmern gehörte, von denen sich das Unternehmen in der Krise als Erstes trennte. Und ihre drei Söhne brauchen beim Homeschooling mal mehr, mal weniger Unterstützung.

Besonders bei Salim sehen die Eltern große Defizite seitens der Oberschule Neu Wulmstorf. Schon bei der Nachfrage nach einem Leih-Laptop sei man anfangs wenig behilflich gewesen, schildert die Mutter. Nach etlichen Beschwerden gibt es jetzt erstmals einen Stundenplan. Beispiel für Dienstag, 16. Februar: 9.30 bis 9.50 Uhr Klassentreff, 10 bis 10.45 Uhr Französisch, ab 14.15 Uhr zur freiwilligen Teilnahme Schnackelraum (Gespräche über diverse Themen). Nur einmal die Woche Mathematik. Und kein Deutsch, kein Biologie oder Geschichte. Hierzu gibt es lediglich Aufgaben per E-Mail. "Wofür brauchen wir Fachlehrer, wenn die Schüler mit dem Lernstoff alleine klarkommen müssen?", fragt sich die Mutter.

Begründungen wie schlechtes WLAN und ungeeignete Räume kann die Mutter nach elf Monaten nicht mehr akzeptieren. Zumal sie durch ihre beiden anderen Söhne weiß, dass Homeschooling besser funktionieren kann.

Nikola Babi ist verwundert über den Stundenplan mit Fächern wie  Klassentreff und Schnackelraum, aber kein Deutsch und Geschichte
  • Nikola Babi ist verwundert über den Stundenplan mit Fächern wie Klassentreff und Schnackelraum, aber kein Deutsch und Geschichte
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Daher vergab sie jetzt Noten für die Schulen ihrer Söhne.
Die Oberschule Neu Wulmstorf erhielt von ihr ein Mangelhaft. "Die Fachlehrer müssen sich unbedingt mehr um die Schüler kümmern", sagt Babi. Das Gymnasium Neu Wulmstorf erhielt von der Mutter die Note Drei. Begründung: Mit dem Einsatz der Lehrer ist Babi zufrieden, diese würden sich zumindest Mühe geben und auch mal bei den Eltern nachfragen, wenn ein Schüler nicht am Videounterricht teilgenommen hat, der inzwischen für den 11-jährigen Latif drei- bis viermal die Woche für einige Stunden stattfindet. Doch der zeitliche Umfang sei noch zu wenig, und Latif muss häufig bei ihr nachfragen, wie etwas geht. Begrüßen würde die Mutter auch eine grundsätzliche Anwesenheitspflicht am Homeschooling wie sie einige Schulen praktizieren.

Die beste Note, eine Eins minus, erhielt das Halepaghen-Gymnasium in Buxtehude. Denn mit Aussetzung des Präsenzunterrichtes gab es sofort den Unterricht per Video für den 17-jährigen Malik, der sehr zufrieden damit ist. Das Minus ist lediglich für den nicht erteilten Sportunterricht, da gerade jetzt Bewegung für Schüler sehr wichtig sei, sagt Babi, die weiß, das andere Schulen entsprechende Angebote digital organisieren.
Auch ein Elternaccount auf IServ wie ihn etwa die IGS Buxtehude zur Kommunikation zwischen Lehrern und Eltern eingerichtet hat, sollte ihrer Meinung nach überall Schule machen.
"Corona kostet Familien mit Kindern viel Nerven, daher können wir jetzt jede erdenkliche Unterstützung der Schulen gebrauchen", sagt Babi.

Schule zuhause: Top oder Flop?
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Autor:

Susanne Laudien aus Buxtehude

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