In den Großstädten grassieren die Masern, besonders davon betroffen ist Berlin. Seit Oktober wurden dort knapp 600 Fälle registriert. Zur Diskussion steht derzeit die Einführung einer Impflicht. Die einen halten sie für einen Segen, andere meinen, dass das einen Eingriff in Persönlichkeitsrechte und Versehrtheit bedeuten würde. Sind Impfung wirklich so gefährlich, wie Gegner behaupten? Oder, andersherum gefragt, ist es nicht tatsächlich besser, Abwehrkräfte auf natürlichem Weg zu bekommen, indem der Körper die Krankheit einmal durchlebt?

"Als Kinderärztin wäre ich froh, wenn das Impfen gegen Masern zur Pflicht würde", sagt Petra Niedermeier aus Harsefeld. "Die Praxen sind nicht sicher, die Infektion hoch ansteckend." In den zwölf Jahren ihrer Tätigkeit habe sie bis heute keinen Masernfall gehabt, allerdings auch keine schweren Reaktionen auf eine Masernimpfung. "Es gab mal einen Fall, bei dem das Kind eine abgeschwächte Form der Krankheit hatte, allerdings mit sehr kurzem Verlauf." Petra Niedermeier schätzt, dass in ihrer Praxis der prozentuale Anteil der geimpften Kinder bei über 95 Prozent liegt. Nur wenige Eltern möchten ihren Nachwuchs nicht impfen lassen. Auch beim Impfen Erwachsener konnte Petra Niedermeier keine Nachwirkungen und Unverträglichkeiten feststellen.

"Im Internet gibt es eine breite Front von Impfgegnern", so die Kinderärztin. "Ich glaube, dass dort die tatsächlichen Komplikationen einer Masernerkrankung nicht gesehen wird." Gerade Säuglinge unter elf Monaten dürften noch nicht geimpft werden, eine Ansteckung könnte verheerende Folgen für sie haben.

Ein Mediziner, der Impfungen hinterfragt, ist Dr. Jost Deerberg, Facharzt für Kinderheilkunde und Jugendmedizin in Hamburg. Er plädiert für eine gute und umfassende Aufklärung der Eltern. "Impfungen haben Nebenwirkungen, das ist gar keine Frage", sagt der Mediziner. "Ich informiere Eltern ausreichend und lasse sie letztendlich selbst entscheiden, ob ihr Kind geimpft werden soll. Impfungen haben allerdings genauso selten gravierende Folgen wie eine Krankheit selbst. Ein Todesfall wie der des an Masern erkrankten Kindes in Berlin ist eine Seltenheit."

Deerberg spricht sich dafür aus, den Druck von den Eltern zu nehmen und nicht gegen jene, die sich gegen das Impfen entscheiden, zu hetzen. "Dass Kollegen sich inzwischen weigern, Patienten zu behandeln, die nicht geimpft sind, ist nicht in Ordnung", so der Hamburger Arzt.

Masern, eine Tröpfcheninfektion, gelten als eine der ansteckendsten Krankheitserreger. Schon der Nieser eines infizierten Nachbarn im Bus reicht aus, um als Ungeschützter die Krankheit zu bekommen. Die Zeit zwischen Infektion und Ausbruch, die sogenannte Inkubationszeit, kann zwischen acht und 14 Tagen betragen, in der der Infizierte bereits andere infizieren kann. Erste Symptome sind mit hohem Fieber, Husten und Schnupfen, bis die krankheitstypischen Koplik-Flecken auftreten, weiße Flecken mit rotem Rand.

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