Kakenstorf war schon vor 2.500 Jahren besiedelt
Archäologen entdecken altes Pflaster und ein Tieropfer

Gesche Heesemann, die ein Freiwilliges Soziales Jahr Denkmalpflege absolviert, und Ole Uecker, studentische Hilfskraft, sind an der Ausgrabung beteiligt
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  • Gesche Heesemann, die ein Freiwilliges Soziales Jahr Denkmalpflege absolviert, und Ole Uecker, studentische Hilfskraft, sind an der Ausgrabung beteiligt
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bim. Kakenstorf. Das hatte Marco Kröger nicht erwartet, als er sich dazu entschied, die Hofstelle 2 in Kakenstorf zu erwerben. Unter dem Haus entdeckten Kreisarchäologe Dr. Jochen Brandt und sein Team vom Archäologischen Museum Hamburg ein historisches Pflaster, einen alten Brunnen und ein Tieropfer sowie Hinweise, dass hier bereits vor ca. 2.500 Jahren Menschen gesiedelt haben. "Dank der guten Kooperation mit Herrn Kröger haben wir hier zu einem günstigen Zeitpunkt mit der Grabung begonnen. Für alle Beteiligten gab es viele Überraschungen. Es hat sich gelohnt", sagt Willi Müller, archäologischer Grabungstechniker, hochzufrieden.
Laut der Aufschrift auf einem großen Findling an der Einfahrt zur Hofstelle bestand der "Schrüüers Hoff" bereits im Jahr 1446, die letzte Bebauung aus dem Jahr 1762. Der selbstständige Zimmermann Marco Kröger wollte das alte Fachwerkhaus eigentlich erhalten. Doch ein Fachmann riet ab.
Als Marco Kröger das Haus abtrug und - wie bei Baugenehmigungen üblich - eine Bauvoranfrage beim Landkreis stellte, ging der Vorgang auch über den Tisch der Kreisarchäologen, die das Potential der Hofstelle 2 als historischem Siedlungsort erkannten.
Brunnen war mit
Sand zugeschüttet

Das "sorgfältig gepflegte Pflaster", das einen halben Meter unter der letzten Bebauung lag, stamme wahrscheinlich aus dem 17., vielleicht auch aus dem 16. Jahrhundert. Eventuell befand sich neben dem Pflaster auch ein altes Backhaus. Der noch wasserführende Brunnen unter dem Haus, der mit Sand zugeschüttet worden war, sei wohl jünger. "Wir sind noch mitten in der Untersuchung", betont Müller. Das Tier lag unter der Deele begraben. Die Vermutung ist, dass es sich um eine Kuh handelte, die als Bauopfer zum Schutz des Bauwerkes und seiner Bewohner vergraben wurde. Auch Keramik aus dem Frühmittelalter, eine Schuhschnalle - vermutlich aus der Barockzeit - sowie ein Medizinfläschchen und Tonpfeifen wurden gefunden. Die Auswertung der Funde werde noch eine Weile dauern, betont der Grabungstechniker, der davon ausgeht, dass es sich in Kakenstorf um eine jungbronzezeitliche Siedlung handelt.
Marco Kröger will
Siedlungsgeschichte fortsetzen

"Wir haben hier viele Erkenntnisse geschöpft", sagt Willi Müller. Marco Kröger habe die Grabung großartig unterstützt. Er versorgte das Team mal mit Kaffee und Kuchen oder wässerte bei Trockenheit die Fundstelle, damit die unterschiedlichen Bodenschichten wieder erkennbar wurden. "Es ist selten, dass Bauherren selbst an den Denkmalschutz und an nachfolgende Generationen denken und ein Bewusstsein für Regionalgeschichte haben", lobt Willi Müller.
Marco Kröger will auf der Fläche, sobald die Baugenehmigung vorliegt, ein neues Haus bauen, das sich vom Stil her in die Umgebung mit den älteren Höfen einfügt. Den alten Brunnen will er wieder herstellen und nutzen. "Ich habe ein tolles Gefühl dabei, die Siedlungsgeschichte hier mit meiner Familie fortzusetzen", sagt Marco Kröger.

Autor:

Bianca Marquardt aus Tostedt

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