Jeden dritten Tag wird eine Frau vom Partner ermordet
Interdisziplinäre Tagung zum Femizid am 26. November

as. Landkreis Harburg. Erst geht er mit einer Machete auf die 41-Jährige los, dann würgt er sie und steckt sie in Brand – aber die Frau hat Glück: Sie überlebt den Angriff ihres Ex-Mannes. Viele andere Frauen haben nicht so viel Glück. Etwa jeden dritten Tag gelingt in Deutschland ein Femizid – ein brutaler Mord, der dann oft fast entschuldigend als Familiendrama, Ehrenmord oder Verbrechen aus Leidenschaft bezeichnet wird. Täter ist meist der frühere oder jetzige Partner der Frau. „Aber auch ansonsten ist Gewalt gegen Frauen leider bitterer Alltag, in vielen Fällen in den eigenen vier Wänden“, sagt Andrea Schrag, Gleichstellungsbeauftragte des Landkreises Harburg. „Noch immer wird Gewalt gegen Frauen verharmlost, präventive Maßnahmen fehlen.“

Das Netzwerk gegen häusliche Gewalt lädt daher am Freitag, 26. November, zu einer interdisziplinären Tagung zum Thema Femizid ein. Sie findet von 9.30 bis 14 Uhr als sogenannte Hybridveranstaltung statt: Für Teilnehmerinnen und Teilnehmer vor Ort im Kreishaus B in Winsen (Schlossplatz 6, Raum B-013) stehen 20 Plätze zur Verfügung, es besteht ansonsten die Möglichkeit, online teilzunehmen.

Bei der Tagung wird das Thema aus unterschiedlichen Perspektiven beleuchtet: Auf Berichterstattung in den Medien geht Dr. Christine E. Meltzer (Uni Mainz) ein, die soziologische Blickrichtung „Gewalt und Geschlecht: Erkenntnis, Wissen, Intervention“ beleuchtet Ksenia Meshkova, Deutsches Institut für Menschenrechte (Berlin). Eine rechtliche Einordnung: Strafverfolgung, „angemessene Bestrafung“ und Sanktionierung will Lena Gumnior, Mitglied der Strafrechtskommission des Deutschen Juristinnenbundes, geben. Ihr Schwerpunkt ist Gewaltschutz, Femizide und die Istanbul-Konvention. Aber auch auf die Täter soll der Blick gerichtet werden. Dazu berichtet Roland Hertel von der Bundesarbeitsgemeinschaft Täterorientierung über die Arbeit mit Tätern.

Anmeldung bis zum 24. November bei derBeratungsstelle für gewaltbetroffene Mädchen und Frauen, Diakonisches Werk, E-Mailbmf@diakonie-hittfeld-winsen.de. Hintergrund: Die Zahl der Femizide in Deutschland ist erschreckend hoch, jeden dritten Tag wird eine Frau durch ihren Partner oder Ex-Partner umgebracht. Allein 2020 starben 139 Frauen durch die Hand ihrer Partner oder Ex-Partner. Pro Jahr kommen mehr als 120.000 Fälle an häuslicher Gewalt bundesweit zur Anzeige. Im Landkreis Harburg hatte die BISS 2020 zu 335 Betroffenen Kontakt. Dort findet eine Erstberatung statt, für weitergehende umfassende Unterstützung und als Ansprechpartnerin gibt es seit November 2019 eine Beratungsstelle für alle Mädchen und Frauen, unabhängig vom Zeitpunkt und der Art der erlebten Gewalt. Die Einrichtung verzeichnete im vergangenen Jahr 141 Fälle. Im Frauenhaus wurden 34 Frauen aufgenommen, die dorthin mit 41 Kindern vor ihrem gewalttätigen Partner geflüchtet sind.

Hilfe für betroffene Frauen und Mädchen

Beratungsstelle BISS, Tel. 04181 – 2197921,
Frauenhaus im Landkreis Harburg, Tel. 04181 – 217151,
Bundesweites Hilfetelefon bei Gewalt gegen Frauen, Tel. 08000 – 116016,
Beratungsstelle für gewaltbetroffene Mädchen und Frauen, Tel. 04171 – 6008850.

Die Krankenhäuser Buchholz und Winsen sind Netzwerkpartner im Projekt ProBeweis der Medizinischen Hochschule in Hannover. Das Hilfsangebot richtet sich an Opfer von häuslicher und/oder sexueller Gewalt, die noch keine Anzeige erstatten wollen. In den Krankenhäusern besteht die Möglichkeit, unmittelbar nach der Gewalterfahrung Verletzungen dokumentieren und Spuren professionell sichern zu lassen. Die Betroffenen können ohne Termin einfach in die Kliniken kommen.

Autor:

Anke Settekorn aus Jesteburg

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