Der Betreuungsbedarf wächst mit den Baugebieten
Kostenfaktor Kinderbetreuung

In der Kindertagespflege von Christiane Schulze sind 
aller Plätze mit fröhlichen Kindern belegt
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bim. Landkreis. In vielen Orten im Landkreis Harburg wird gebaut, was das Zeug hält. In jeder kleinen Lücke schießen Ein- und Mehrfamilienhäuser in die Höhe. Der Zuzug - auch von Familien mit Kindern - ist programmiert. Deswegen und weil die Kinderbetreuung für Mädchen und Jungen im Alter von drei bis sechs Jahren in Niedersachsen seit dem Jahr 2018 für bis zu acht Stunden kostenlos ist, wächst der Bedarf an Kinderbetreuungsplätzen und -zeiten. Was für Eltern eine großartige Entlastung und für die Vereinbarkeit von Familie und Beruf vielfach unerlässlich ist, stellt die Kommunen vor große Herausforderungen. Viele Kommunen kommen mit der Schaffung von Kindertagesstätten-Plätzen nicht hinterher. Gleiches gilt für die Krippenplätze, auf die Eltern seit 2013 einen Rechtsanspruch haben. Beide Beschlüsse wurden von Bund und Land gefasst. Die "Zeche" zahlen vor allem die Städte, Samtgemeinden und Gemeinden vor Ort. Und auch die Kindertagespflegepersonen kommen in die Bredouille, wenn sie aufgrund der großen Nachfrage Eltern eine Absage erteilen müssen.
Notwendige Infrastruktur wächst
nicht so schnell wie die Baugebiete

"Macht es ruhig wie Tostedt - bauen, bauen, bauen, aber bloß nicht daran denken, dass die Familien, die angelockt werden sollen, auch noch Kinder mitbringen und Betreuungsplätze brauchen. Hier fehlen aktuell 120 Betreuungsplätze. Eine Katastrophe für Familien! Und wenn die dann auch noch zur Schule gehen wollen! Unmöglich!", kommentierte Tagesmutter Christiane Schulze einen WOCHENBLATT-Artikel über das wachsende Buchholz. Denn vielerorts entstehen Neubaugebiete, aber die notwendige Infrastruktur wächst nicht in gleichem Maße - da das Bauen oft privatwirtschaftlich erfolgt und Kommunen politische und vergaberechtliche Hürden zu überwinden haben, die in Deutschland viel zu lange dauern.
Christiane Schulze ließ sich in der Elternzeit 2007 zur Kindertagespflegeperson ausbilden und eröffnete im Sommer 2009 eine Kindertagespflege in Tostedt. Seit 2015 ist ihr Mann Gernot in die Betreuung eingebunden. Die beiden haben drei eigene Kinder und betreuen in ihrem Heim und ihrem Garten, der ein echtes Kinderparadies ist, Mädchen und Jungen in der Regel im Alter von ein bis drei Jahren. "Wir können acht Kinder zeitgleich betreuen", erläutert Christiane Schulze. Derzeit nutzen zwölf Familien dank Platz-Sharings das Angebot.
Für eine gute Erziehungspartnerschaft
ist eine Vertrauensbasis wichtig

Aufgrund der großen Nachfrage hatte Christiane Schulze in einem Post darauf hingewiesen, dass sie im Sommer 2022 ausschließlich Geschwisterkinder aufnehmen und die nächsten freien Betreuungsplätze im Sommer 2023 anbieten könne. Geschwisterkinder vorzuziehen, sei nicht unfair - wie eine Mutter kritisierte. Im Gegenteil: "Es wäre ungerecht, Eltern abzuweisen, die schon ein Kind von uns betreuen lassen. In der Kindertagespflege und für eine gute Erziehungspartnerschaft ist eine Vertrauensbasis wichtig", sagt Christiane Schulze.
Plätze neu zu belegen, sei in der Regel im August, wenn die Tageskinder in eine Kindertagesstätte wechseln, und eigentlich nie zwischendurch möglich. Vorher könne auch keine Eingewöhnung der neu aufzunehmenden Kleinen erfolgen. Doch die Zeiten zwischen einer Kita-Platz-Zusage und dem Vertragsabschluss für neu aufzunehmende Kinder in der Tagespflege seien immer schwieriger zu planen. "Vorher hatten wir Ende Februar die Nachricht, dass wir Verträge machen können. Diesmal kam die letzte Kita-Platz-Zusage für eines unserer Tageskinder erst Ende Mai", erläutet Christiane Schulze.

Im Landkreis Harburg gibt es
143 Kindertagespflegepersonen

 Neben den Kindertagesstätten sind Kindertagespflegepersonen wichtig, um zu helfen, den Betreuungsbedarf zu decken. In Tostedt werden dadurch in den kommenden Monaten weitere Plätze geschaffen.
• Carolyn Wartemann (34) startet am 1. Juli in der Poststraße 50 mit ihrer Kinderbetreuung „ZwergeGarten“ für fünf Kinder von ein bis vier Jahren. Betreuungszeiten sind Montag bis Freitag von 7 Uhr bis 15 Uhr. „Wir erleben gemeinsam naturnahe Tage im ca. 3.000 m² großen Garten, füttern Hühner, suchen Eier, spielen im Weidentipi, gehen auf Ausflüge in die Natur oder machen gemeinsame Aktionstage mit anderen Tagesmüttern aus Tostedt“, sagt Carloyn Wartemann zum Tagesablauf. Sie setzt auf Naturpädagogik und gewaltfreie Kommunikation. Kontakt unter Tel. 0175-35383294.
• Josephina Janzen (26), Mutter von zwei Kindern, ist ab Juli Kindertagespflegestelle in Todtglüsingen und bietet von Montag bis Mittwoch sowie nach Absprache Betreuung an. „Kinder sollten sich in jedem Alter ernst genommen fühlen, sodass sie sich mit ihren Bedürfnissen, Grenzen, Stärken und Schwächen gut einschätzen können. Alle Gefühle sind erlaubt und akzeptiert. Ich möchte sie dabei begleiten und unterstützen“, erklärt sie. Kontakt per E-Mail an: nestwaerme.tostedt@gmail.com.
• Alenka Lürtzing (33) arbeitet seit Mai 2019 als Kindertagespflegeperson in einem Zusammenschluss und hat damit ihre Berufung gefunden. „In diesem Zeitraum habe ich gelernt, wie ich die Kinder durch meine Werte, Stärken und Erfahrungen bei der Entwicklung verantwortungsvoll unterstützen kann“, sagt sie. Alenka Lürtzing nimmt ab Mitte 2022 fünf Kinder im Alter von ein bis fünf Jahren auf. Kontakt unter Tel. 0176- 32943742.
• Aktuell gibt es im Landkreis Harburg 143 Kindertagespflegepersonen.
Informationen über Tageseltern, die mit der Bekanntgabe ihrer Daten einverstanden sind, finden Sie hier

Autor:

Bianca Marquardt aus Tostedt

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