Erntedank - Wo bleibt die Wertschätzung?
Millionen Tonnen von Nahrungsmitteln landen jährlich im Müll - das verschwendet wertvolle Ressourcen

Jeder Deutsche schmeißt im Jahr 75 Kilogramm an Lebensmitteln ungenutzt in den Müll
Foto: Adobe Stock / highwaystarz
  • Jeder Deutsche schmeißt im Jahr 75 Kilogramm an Lebensmitteln ungenutzt in den Müll
    Foto: Adobe Stock / highwaystarz
  • hochgeladen von Anke Settekorn

Getreide, Obst und Gemüse - dank fruchtbarer Böden sind unsere Tische immer reich gedeckt. Am Sonntag feiern wir Erntedank. Doch das Brauchtum erfährt einen Wandel. In Zeiten immer gefüllter Supermarktregale drückt sich die Wertschätzung für Lebensmittel anders aus: Verwenden statt verschwenden.

Das wächst in Niedersachsen auf dem Acker

(as). 1,3 Millionen Tonnen - so viel Lebensmittel landen weltweit pro Jahr im Müll statt auf dem Teller. Allein in Deutschland sind es laut Bundesministerium für Ernährung und Landwirtschaft (BMEL) zwölf Millionen Tonnen an Nahrungsmitteln pro Jahr, die wir nicht verzehren, sondern wegschmeißen. Das entspricht fast einem Drittel des Nahrungsmittelverbrauchs in Deutschland.

Rund 800 Millionen Menschen weltweit haben nicht genug zu essen - und wir werfen allein in privaten Haushalten in Deutschland jedes Jahr 6,1 Millionen Tonnen an Lebensmitteln weg. Das ist eine unglaubliche Verschwendung. Der Joghurt, dessen Mindesthaltbarkeitsdatum gestern abgelaufen ist, die Banane, die sich braun verfärbt hat, oder die große Pizza, die man bestellt hat und die doch nicht aufgegessen wurde: Insgesamt 52 Prozent der Lebensmittelabfälle entstehen in privaten Haushalten. Jeder Verbraucher und jede Verbraucherin wirft laut BMEL 75 Kilogramm an Lebensmitteln (Wert ca. 190 Euro) im Jahr ungenutzt weg. Obst und Gemüse machen davon etwa ein Drittel aus. Es folgen Gekochtes/Zubereitetes, Brot und Backwaren, Getränke, Milchprodukte, Fertigprodukte sowie Fisch und Fleisch.

In jedes Lebensmittel, das wir entsorgen, sind zuvor wertvolle Ressourcen geflossen. Ackerboden, Wasser und Dünger sowie Energie für Ernte, Verarbeitung, Transport und Entsorgung. Laut Verbraucherzentrale Deutschland wird knapp ein Drittel der weltweit verfügbaren Anbauflächen unnötig genutzt für Lebensmittel, die einfach weggeworfen werden - Wertschätzung sieht anders aus.

Die Ernte hat ihren Zauber zwar verloren - das Brauchtum gewinnt wieder an Bedeutung

Das muss nicht sein. Das BMEL hat für Verbraucher und Verbraucherinnen Tipps, um die Verschwendung von Lebensmitteln zu vermeiden:

  • Einkaufszettel benutzen: Die beste Vorsorge ist eine gute Planung und ein regelmäßiger Blick in Kühlschrank und Vorratsregale. Isst man außer Haus? Kommt Besuch? Fehlen Lebensmittel? Alles, was benötigt wird, kommt auf einen Einkaufszettel.
  • Zeit nehmen: Die Auswahl an Lebensmitteln ist verführerisch. Sonderangebote, Probierstände und überbordende Regale verlocken zum Zugreifen, gerade wenn man hungrig und gehetzt einkauft. Stattdessen: Zeit nehmen, Preise und Qualität in Ruhe vergleichen.
  • Packungsgrößen beachten: XXL-Angebote locken mit günstigen Preisen, kommen uns und die Umwelt aber teuer zu stehen, wenn die Hälfte in den Müll wandert.
  • Bewusst auswählen: Auch wir können dazu beitragen, die Abfallmengen im Handel zu reduzieren. Milchprodukte, die wir bald verbrauchen, müssen kein Mindesthaltbarkeitsdatum tragen, das weit in der Zukunft liegt. Gemüse und Obst mit kleinen Macken schmeckt nicht schlechter. Ein Brot vom Vortag kann auch übermorgen noch lecker sein. Wer das beherzigt, kann zudem sparen: Manche Märkte bieten Waren, die bald aussortiert werden, günstiger an.
  • Richtig kühlen: Im Kühlschrank ist eine richtige Lagerung wichtig. Obst und Gemüse ganz unten ins Gemüsefach, Fisch und Fleisch auf die unterste Ablage, Milchprodukte auf die mittlere, Käse und Speisereste auf die oberste. Eier, Butter und Getränke haben ihren Platz in der Tür.
  • Gut lagern: Nicht in den Kühlschrank gehören Brot, Speiseöle, Kartoffeln, Auberginen, Avocados, Tomaten und die meisten Südfrüchte. Kartoffeln und Zwiebeln brauchen einen trockenen, dunklen Ort. Brot bleibt in einer Brotbox oder einem Steinguttopf länger frisch. Käse am besten am Stück kaufen und in ein Wachstuch einschlagen. Äpfel und Tomaten separat lagern. Angebrochene Packungen – Mehl, Reis oder Nüsse – in dicht schließende Behälter umfüllen, das schützt vor Schädlingsbefall. Geöffnete Konserven umfüllen und schnell verbrauchen.
  • Haltbarkeit beachten: Auf vielen Produkten ist ein Mindesthaltbarkeitsdatum (MHD) angegeben. Das MHD zeigt lediglich an, wie lange ein Produkt mindestens seine typischen Eigenschaften behält, etwa Farbe und Konsistenz. Danach kann das Produkt noch lange genießbar sein. Grundsätzlich gilt: Was gut schmeckt, gut riecht und gut aussieht, ist in aller Regel noch gut. Anders ist es bei leicht verderblichen Produkten wie rohem Fisch, Hackfleisch oder Frischgeflügel. Ist das Verbrauchsdatum überschritten, sollte das Produkt nicht mehr verzehrt werden.
  • Regelmäßig kontrollieren: Auch wenn alles perfekt gelagert ist, bedarf es regelmäßiger Kontrolle. Denn Schimmel oder Schädlinge wie Lebensmittelmotten können Vorräte vernichten.
  • Reste verwerten: Nicht immer lassen sich beim Kochen Reste vermeiden. Der halbe Topf Suppe lässt sich aber einfrieren oder am nächsten Tag aufwärmen. Die restlichen Nudeln vom Abendessen kommen gut verpackt in den Kühlschrank. Mit zwei, drei weiteren Zutaten wird am nächsten Tag eine leckere neue Mahlzeit daraus.
  • Maßvoll bestellen: Untersuchungen haben gezeigt: Bei Veranstaltungen und in Restaurants fallen deutlich weniger Abfälle an, wenn auf ein Buffet verzichtet und à la carte bestellt wird. Wenn etwas übrig bleibt: darum bitten, die Reste einzupacken.

Mehr Infos zum Thema unter www.zugutfuerdietonne.dewww.bmel.de, www.welthungerhilfe.de, www.verbraucherzentrale.de oder www.wwf.de.

Verwenden statt verschwenden
Es gibt einige Organisationen, die sich gegen die Verschwendung von Lebensmitteln engagieren:

  • Die Tafel: Die Tafel ist eine gemeinnützige Hilfsorganisation. Sie rettet überschüssige, qualitativ einwandfreie Lebensmittel, zum Beispiel vom Supermarkt, und verteilt diese an Menschen, die in Not sind. • www.tafel.de
  • Foodsharing: Die 2012 entstandene Initiative Foodsharing rettet ebenfalls überproduzierte und nicht gewollte Lebensmittel vor der Tonne und verteilt sie unentgeltlich an Interessierte. • https://foodsharing.de
  • To Good To Go: Die App verbindet ihre Nutzer und Nutzerinnen mit Betrieben, die überschüssige Lebensmittel haben, damit das Essen dort landet, wo es hingehört: Auf dem Teller. Die Nutzer erhalten köstliches Essen zu einem super Preis. • https://toogoodtogo.de 
Autor:

Anke Settekorn aus Jesteburg

following

Sie möchten diesem Profil folgen?

Verpassen Sie nicht die neuesten Inhalte von diesem Profil: Melden Sie sich an, um neuen Inhalten von Profilen und Orten in Ihrem persönlichen Feed zu folgen.

3 folgen diesem Profil

Kommentare

online discussion

Sie möchten kommentieren?

Sie möchten zur Diskussion beitragen? Melden Sie sich an, um Kommentare zu verfassen.

add_content

Sie möchten selbst beitragen?

Melden Sie sich jetzt kostenlos an, um selbst mit eigenen Inhalten beizutragen.