Wie setzen sich die Kosten für Kraftstoff zusammen? Das WOCHENBLATT fragt nach
Sprit wird immer teurer

Am Donnerstagmittag lag der Benzinpreis bei 1,76 Euro pro Liter. Laut ADAC ist das Tanken zwischen 20 und 22 Uhr am günstigsten
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  • Am Donnerstagmittag lag der Benzinpreis bei 1,76 Euro pro Liter. Laut ADAC ist das Tanken zwischen 20 und 22 Uhr am günstigsten
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(as). Seit Monaten steigen die Benzinpreise, am Montag war es so weit: Die A7- Tankstelle Hildesheimer Börde Ost hat die Zwei-Euro-Marke geknackt. 2,06 Euro pro Liter Superbenzin wurden dort berechnet. Auch für Diesel wurde mit 1,88 Euro pro Liter die Höchstmarke überschritten. Im Landkreis Harburg lag der Preis zwischenzeitlich bei 1,78 Euro pro Liter Superbenzin.

Preissteigerung
Wie sich die Spritpreise entwickeln, kann man u.a. beim Mineralölwirtschaftsverband (MWV, www.mwv.de) verfolgen. 2012 gab es schon einmal eine Spitze bei den Benzinkosten: Durchschnittlich 164,60 Cent Pro Liter waren damals fällig. Danach sank der Kraftstoffpreis wieder. 2016 musste man für einen Liter Superbenzin im Schnitt nur rund 129,60 Cent pro Liter bezahlen. Seither steigt der Preis jedes Jahr an.
Aufgrund der Corona-Pandemie mussten Verbraucher von April bis Dezember 2020 nur 16 statt 19 Prozent Mehrwertsteuer auf Benzin bezahlen, das sorgte kurzfristig für günstigere Preise. Seit diesem Jahr ist zudem eine zusätzliche CO₂-Abgabe fällig.

Was kostet Benzin?
Einer, der es wissen muss, ist Alexander von Gersdorff, Pressesprecher des Mineralölwirtschaftsverbandes. Das WOCHENBLATT hat bei ihm nachgefragt. "Sowohl bei Benzin als auch bei Diesel macht der staatliche Anteil mehr als die Hälfte der Tankrechnung aus", sagt Alexander von Gersdorff.

Bei einem durchschnittlichen Preis von 1,62 Euro pro Liter Superbenzin (Stand September 2021) liegen die Nettokosten lediglich bei 71,34 Cent. An der Tankstelle setzt sich der Preis wie folgt zusammen:

  • 46,13 Cent Einkaufspreis
  • 25,21 Cent Deckungsbeitrag, also Kosten für Transport, Lagerhaltung, Verwaltung, Vertrieb etc.
  • 25,99Cent Mehrwertsteuer (19 Prozent)
  • 65,45Cent Energiesteuer

Ursachen für steigende Preise
"Hier steht vor allem der deutlich gestiegene Ölpreis im Vordergrund", sagt der MWV-Pressesprecher. Der Ölpreis hat sich, bezogen auf die Nordsee-Sorte Brent, in einem Jahr von 43 auf 84 Euro je Barrel (159 Liter) annähernd verdoppelt. Ursache für die gestiegenen Ölpreise wiederum sei die mit dem Abebben der Corona-Pandemie gestiegene globale Rohöl-Nachfrage bei gleichzeitig begrenztem Angebot. So deckele die OPEC zusammen mit weiteren Ölförderstaaten die Fördermengen beziehungsweise deren Anstieg. "Außerdem wurde zu Jahresbeginn in Deutschland ein CO₂-Aufschlag von rund sieben Cent je Liter auf Benzin und Diesel eingeführt", berichtet Gersdorff.

CO₂-Aufschlag steigt weiter
Wie sieht es in den kommenden Monaten aus - wird sich die Preisspirale immer weiter nach oben drehen? Der MWV-Pressesprecher möchte sich nicht festlegen. "Der Weltölmarkt ist immer wieder für Überraschungen gut – in beide Richtungen", sagt Alexander von Gersdorff. "Allerdings hat der Gesetzgeber schon geregelt, dass der CO₂-Aufschlag auf Benzin und Diesel Jahr für Jahr weiter steigen wird. Zum 1. Januar 2022 steigt er um weitere ein bis zwei Cent je Liter."

Pendler müssen entlastet werden
Mit Blick auf die Rekord-Spritpreise sagt Niedersachsens Wirtschaftsminister Dr. Bernd Althusmann (CDU): „CO2-Abgabe und Rohöl-Nachfrage treiben den Spritpreis derzeit in die Höhe und belasten Privathaushalte und Unternehmen. Mobilität darf aber kein Luxus werden – gerade auf dem Land gibt es zum Pkw mit Verbrennungsmotor bisher kaum Alternativen. Bei weiterhin rasant steigenden Spritpreisen muss die Bundespolitik handeln und an anderer Stelle für Entlastung sorgen: Etwa durch eine höhere Pendlerpauschale. Da über 60 Prozent des Spritpreises Steuern und Abgaben ausmachen, muss auch eine wenigstens temporäre Senkung der Mineralölsteuer erwogen werden.“

Abends ist Tanken günstiger
Sämtliche Preisbewegungen an rund 14.000Tankstellen in Deutschland im Mai 2021 hat der ADAC ausgewertet. Das Ergebnis: Tanken ist morgens teuer, am Abend günstig.
Gegen 7 Uhr morgens erreicht der Kraftstoffpreis seinen Höhepunkt. Weitere Preisspitzen sind laut ADAC gegen 9 Uhr, 10 Uhr, 13 Uhr, 16 Uhr, vor 18 Uhr, vor 20 Uhr und vor 22 Uhr. Regelmäßig am günstigsten ist das Tanken zwischen 18 und 19 Uhr sowie zwischen 20 und 22 Uhr.
Der ADAC bietet einen Tankstellenfinder an, der den jeweils günstigsten Benzinpreis in der Umgebung anzeigt: www.adac.de/verkehr/tanken-kraftstoff-antrieb/kraftstoffpreise.

Sprit sparen
Der ADAC hat folgende Tipps zum Sprit sparen:

  • Fahrweise optimieren: früh hochschalten, mit niedriger Drehzahl fahren
  • Vorausschauend fahren: frühzeitig vom Gas gehen statt Vollbremsung
  • Kurzstrecken vermeiden
  • Im Leerlauf den Motor ausschalten
  • Unnötige elektrische Verbraucher ausschalten, z.B. Klimaanlage, Sitzheizung
  • Gesamtladung reduzieren: Mehr Gewicht verbraucht mehr Kraftstoff
  • Regelmäßig Luftdruck kontrollieren: verminderter Luftdruck führt zu höherem Benzinverbrauch 
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Am Donnerstagmittag lag der Benzinpreis bei 1,76 Euro pro Liter. Laut ADAC ist das Tanken zwischen 20 und 22 Uhr am günstigsten
Autor:

Anke Settekorn aus Jesteburg

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