Wir müssen testen, testen, testen
Tatkräftige Unternehmer richten Corona-Teststationen im Landkreis Harburg ein

Haben unbürokratisch und schnell das Testzentrum auf die Beine gestellt: Apothekerin Jeannette Bernstein und Hollenstedts Samtgemeinde-Bürgermeister Heiner Albers
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as/bim/thl. Seit dem 8. März haben alle Bürger Anspruch auf einen kostenlosen Corona-Schnelltest pro Woche. Das hat Bundesgesundheitsminister Jens Spahn angekündigt. Während Bund und Länder bislang wenig Konkretes zur Umsetzung hervorgebracht haben, gibt es im Landkreis Harburg tatkräftige Unternehmer, die schon einige Schritte weiter sind.

Der Ambulante Hauspflege Dienst (AHD, Allerbeekskehre 1, www.ahd-pflege.de) in Jesteburg oder einige Apotheken bieten bereits seit längerem Antigen-Schnelltests auf SARS-CoV-2 über einen Nasenabstrich an, seit Montag ein Mal pro Woche kostenlos. Dabei ist noch vieles ungeklärt. Zum Beispiel die Erstattung der Kosten. Bislang gehen die Unternehmer für die kostenlosen Tests in Vorkasse. Sie tragen die Kosten für die Tests, Personal, Datenerfassung, Schutzkleidung und Hygienemaßnahmen. Während bei den Apotheken die Kosten von der Krankenkasse übernommen werden sollen, müssen Unternehmer wie Ole Bernatzki darauf vertrauen, dass ihnen der finanzielle Aufwand für die kostenlosen Tests ebenfalls erstattet wird. Auch für welchen Zeitraum die Gratis-Tests angeboten werden dürfen, ist noch unklar.

"Das ist ein hoher personeller und finanzieller Aufwand. Aber wir sind das Fachpersonal für diese Aufgabe. Wir sind prädestiniert. Jeder, der pharmazeutisch, medizinisch oder pflegerisch ausgebildet ist, ist aufgerufen, jetzt mit zu testen. Gern unterstützen wir die Fachkräfte mit unserem Know-how", sagt Katharina Jahn, Inhaberin der Markt Apotheke Maschen (Schulstraße 44, markt-apotheke-maschen.de). "Wir wollen alle unser normales Leben zurück. Das geht am schnellsten, wenn wir neben der Impfstrategie auch großflächig testen", ergänzt Ole Bernatzki.

Damit sich möglichst viele Menschen testen lassen, sollte der Zugang zu den Schnelltests so niedrigschwellig wie möglich sein, sind die beiden überzeugt. Deshalb haben sie ein Internetportal entwickelt, das ab Samstag unter www.coronatest-wl.de landkreisweit zur Terminvergabe eingesetzt werden kann. Wer einen Schnelltest machen möchte, kann auf der Homepage eine Kommune oder einen Zeitraum auswählen, in dem er getestet werden möchte, und einen Termin vereinbaren. Das Portal bietet Termine bis zu zehn Tage im Voraus an. Ist der Test gemacht, erhält man das Ergebnis verschlüsselt per E-Mail. Das Testergebnis ist bis zu 36 Stunden gültig. Bei positiven Schnelltests wird das Gesundheitsamt informiert. Natürlich sind auch weiterhin spontane Schnelltests möglich.

"Je mehr Teststationen und Gemeinden sich an dem Portal beteiligen, desto größer ist der Nutzen für alle", sagt Katharina Jahn. Das Ziel: wohnortnahe Testung für jeden, zur Not auch ohne Termin. Denkbar sei zum Beispiel, dass mobile Testzentren kleinere Ortschaften zu festen Terminen wöchentlich anfahren. Der AHD setzt das in Jesteburg bereits um. Ab nächster Woche wird in der Lisa-Kate ein mobiles Testzentrum aufgebaut, in dem sich die Besucher des Wochenmarktes mittwochs spontan testen lassen können.

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In der Samtgemeinde Hollenstedt hat das erste kommunale Testzentrum im Landkreis geöffnet. Die Mitarbeiter der Kindertagesstätten und die der Verwaltung, die Kundenkontakt haben, würden seit drei Wochen einmal pro Woche getestet, berichtet Samtgemeinde-Bürgermeister Heiner Albers. In der Neuen Apotheke würde das seit Anfang Januar angeboten, sagt Apothekerin und Inhaberin Jeannette Bernstein. Auf kurzem Dienstwege haben die beiden sich verständigt, das Testzentrum in Hollenstedt einzurichten.
Möglich sei das, weil derzeit die Räume ihres Kosmetikstudios in der Hauptstraße 23 ohnehin verfügbar und die Hygieneregeln dort einzuhalten seien. Manche Apotheken hätten weder das Personal noch die Räumlichkeiten, weiß Jeannette Bernstein.

Ganz wichtig: Termine für Tests können nur online gebucht werden unter www.neue-apotheke-hollenstedt.de. Jeannette Bernstein hat eigens für die Tests auf eigene Rechnung eine PTA eingestellt, die Arzthelferin ist, und eine spezielle Software angeschafft. Mit Letzterer werden auch Symptome abgefragt und die Zertifikate mit den Resultaten verschickt. Die Tests selbst rechne sie mit der Kassenärztlichen Vereinigung ab. "Wir gehen in dieser Krise seit einem Jahr laufend in Vorkasse", sagt die Apothekerin. "Das wird aber belohnt durch die Dankbarkeit der Menschen."

Wegen der von Bund und Ländern von Donnerstag auf den folgenden Montag, 8. März, angekündigten wöchentlich kostenlosen Testpflicht seien die Bürgermeister und der Landkreis täglich in Videokonferenzen im Gespräch, um die Testmöglichkeiten vor Ort umzusetzen. Zuständig sei zwar der Landkreis. "Aber wie soll der Kreis das von Winsen aus in den Kommunen regeln?", meint Heiner Albers. Er kritisiert das "schlechte Krisenmanagement des Landes" sowie die mangelnde Kommunikation auf Landes- und Bundesebene.

Auch in den "wir leben"-Apotheken wird kostenlos getestet. Hier haben gleich drei Stationen geöffnet, an denen sich Bürger einmal pro Woche kostenlos auf Corona testen lassen können. Die Stationen sind in der Apotheke im Luhe Park in Winsen, in der Sporthalle in Marschacht und in der an sieben Tagen in der Woche geöffneten Apotheke in Lüneburg. Wichtig: Getestet werden nur Personen, die keine Symptome haben und nicht mit Infizierten im Kontakt standen. Terminbuchungen können unter www.wirleben.de durchgeführt werden.

Einen Überblick über die Testzentren in den Kommunen soll auch das Internetportal des Landkreises Harburg geben. Unter www.schnelltest.landkreis-harburg.de sollen ab dem heutigen Samstag die Informationen zu den einzelnen Testzentren bereitstehen.

Autor:

Anke Settekorn aus Jesteburg

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