Kreativ-Quell am Rand der Welt

Großformatige Textilkunst: Schauspielerin Angelika Achinger arbeitet mitunter mehrere Jahre an einem Stück
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Schauspielerin und Textilkünstlerin Angelika Achinger schöpft Inspiration am schroff-schönen Oste-Deich

tp. Kranenburg. Über den mit kargem Gras bewachsenen Deich der Oste pfeift eiskalter Wind. Hinter dem Wall: ein altes Bauernhaus, auf dessen Reetdach sich kristalliner Schnee legt wie eine Prise Zucker. Außer dem Rauschen der Brise und dem fernen Ruf einer Krähe hört man am abgeschiedenen Ufer des Flusses in Kranenburg keinen Ton. Dieser verwunschene Ort spendet der Schauspielerin und Textilkünstlerin Monika Achinger Ruhe und Inspiration für ihre zahlreichen Projekte vom Theater bis zum Edel-Patchwork.

Vor zwei Jahrzehnten zog Achinger mit ihrer Familie auf das Anwesen. Damals waren die drei Kinder noch klein. Heute wohnt nur noch eine Tochter im Haus und nebenan, in einem ehemaligen Schöpfwerk, Achingers Lebensgefährte Christian Girardet, Kameramann im Ruhestand.

"Dies ist mein Zuhause, hier möchte ich auch begraben werden", sagt Angelika Achinger, die nach vielen Lebensstationen im beschaulichen Kranenburg den Anker warf. Die gebürtige Österreicherin studierte in Salzburg Bühnenbild und Kostümentwurf. Dann zog sie zum Schauspielstudium nach Hamburg. Später lebte sie in Hof in Bayern und in Kiel, wo sie Theater spielte. Die Familienzeit verlebte sie in Osten im Kreis Cuxhaven, wo sie Freundschaft mit der schroff-schönen Flusslandschaft schloss.

Angelikas Achingers jetziges Heim steht auf historischem Grund. Der ehemalige Bauernhof mit Fähr-Gaststätte wurde auf den Fundamenten der ehemaligen Kranenburg errichtet, die dem Dorf seinen Namen verlieh.

Wie ihre Wohnstätte, hat auch Angelika Achingers Kunst tiefe geschichtliche Wurzeln. Mit ihrem Lebenspartner drehte sie 2007 den Film "Wege nach Horneburg", der an menschlichen Schicksalen die Rolle Horneburgs als Außenlager des KZ Neuengamme im Zweiten Weltkrieg beleuchtet. Den Film führte sie kürzlich mit einer szenischen Lesung in der Marienkirche in Himmelpforten auf. Die "Nixe im Teich", ein Theaterabend nach dem Märchen der Brüder Grimm mit Gedichten von Else Lasker-Schüler, gehört ebenfalls zu dem Repertoire der vielseitigen Schauspielerin.

Viel Geschichte und ein Hauch Poesie stecken auch in Angelika Achingers Kunsthandwerken unter dem Motto "Die Kleider meiner Mutter": In einem wuchtigen Bauernschrank stapeln sich Stoffe vom getragenen Rock bis zum abgenutzten Tischtuch aus dem Besitz von Menschen, die vielleicht schon verstorben sind. Angelika Achinger trennt die ausgedienten Textilien auf, fügt sie zu großformatigen Kunstwerken neu zusammen, färbt und bestickt sie mit filigranen Motiven wie Schmetterlingen und Gesichtern. "Die Arbeit verlangt viel Geduld. Es kann Jahre dauern, bis ein Stück fertig ist", sagt Angelika Achinger und blickt dabei aus ihrem Atelier auf den menschenleeren Oste-Deich. Wo sonst könnte man das Gefühl mehr auskosten, für alles scheinbar ewig Zeit zu haben?

www.die-kleider-meiner-mutter.de, www.angelika-achinger.de.

Autor:

Thorsten Penz aus Stade

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