Bürgermeister sieht Totenruhe gewahrt
Kritik am Mini-Baugebiet in Heinbockel

Johann Hinrichs (v.li.), Stefan Meier, Hans Erich Schomacker und Wolfgang Heidemann stehen an der Stelle, wo die Stichstraße verlaufen und enden soll
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sb. Heinbockel. Gar nicht einverstanden sind mehrere Bürger des Geestdorfes Heinbockel mit einer Entscheidung des Gemeinderats, direkt neben dem örtlichen Friedhof vier Baugrundstücke auszuweisen. Auf ihrer Sitzung Ende November hatten die Lokalpolitiker beschlossen, eine rund 3.000 Quadratmeter große, parkähnliche Fläche neben dem Gottesacker für eine Einfamilienhaus-Bebauung freizugeben.

"Von dem Beschluss sind viele im Dorf nicht begeistert", sagen Wolfgang Heidemann, Johann Hinrichs, Hans Erich Schomacker und Stefan Meier. Dabei geht es ihnen nicht nur um die Erhaltung des kleinen Parks, in dem viele Kleintiere und Vögel Schutz finden, sondern auch um die Totenruhe. Denn für das Mini-Neubaugebiet soll eine Stichstraße seitlich über jetziges Friedhofsgebiet führen. Insbesondere Wolfgang Heidemann trifft das emotional hart. Denn dann würde das Grab seines Sohnes, der vor zwei Jahren verstarb, in der Nähe dieser Straße liegen. "Wenn ich das gewusst hätte, hätte ich mich für eine Ruhestätte auf der anderen Seite des Friedhofs entschieden", sagt er. "Das wäre pietätlos", finden auch seine Mitstreiter.

"Die Totenruhe wird weder durch die Bebauung noch durch die Stichstraße gestört", sagt hingegen Heinbockels Bürgermeister Andreas Haack. Man habe sich im Gemeinderat ganz bewusst für die zweite Planungsvariante entschieden, bei der Friedhof und Häuser durch die Stichstraße räumlich getrennt werden. Bei der anderen Variante wäre die Stichstraße ganz außen verlaufen und die Gebäude wären wesentlich dichter an den Friedhof gerückt. Geplant sei zudem, zwischen Stichstraße und Friedhof sowohl eine hohe Hecke als als auch Bäume zu pflanzen. "Der Friedhof wird durch diese Lösung sogar optisch gewinnen", ist Haack sicher.

Nach Haacks Aussage beschäftigt sich der Gemeinderat schon seit vielen Jahren mit der Idee, das gemeindeeigene Grundstück mit dem von der Öffentlichkeit kaum genutzten Friedhofspark als Bauland zu verkaufen. Da sei jetzt eine Grundsatzentscheidung gefallen. Aktuell lägen ihm vier Anfragen von jungen Leuten aus dem Dorf vor, die gern bauen möchten. "Wenn wir denen keine Möglichkeiten bieten, wandern die in Nachbargemeinden ab und unser Dorf wird immer älter", sagt der Bürgermeister. Das Neubaugebiet mit elf Parzellen an der Feldstraße sei ausverkauft. Die Gemeinde bemühe sich um neues Bauland, das zu bekommen sei allerdings nicht so leicht.

Mit einem zügigen Verkauf und anschließender Bebauung ist neben dem Friedhof allerdings nicht zu rechnen. Denn der Landkreis hat seine ehemalige Zusage, dass die Fläche neben dem Friedhof bebaubar wäre, kurzfristig zurückgezogen. "Das kam für mich überraschend", sagt Haack. Über die Gründe ließe sich nur spekulieren. Von den geplanten vier Grundstücken sei aus Sicht des Landkreises nur das eine neben der Friedhofskapelle mit Zufahrt von der Sunder Straße aus bebaubar, die anderen drei mit Zufahrt von der geplanten Stichstraße nicht. Das bedeutet, dass die Gemeinde jetzt einen Bebauungsplan aufstellen muss. "Zurzeit lassen wir von einem Landschaftsplaner untersuchen, ob im Friedhofspark seltene Tiere leben", sagt Andreas Haack. "Im gleichen Zug wird der Planer Vorschläge für eine optisch ansprechende Gestaltung des Friedhofs ausarbeiten."

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Stephanie Bargmann aus Stade

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