Gebt Flüchtlingen eine Chance - mit bezahlbaren Wohnungen

as. Klecken. „Gebt Flüchtlingen eine Chance - mit bezahlbaren Wohnungen.“ So lautet der Appell, den Pastorin Dorothea Blaffert (v. li.), Kirchengemeinde Rosengarten, Flüchtlingshelferin Scholeh Razani, Rosengartens Bürgermeister Dirk Seidler, Tötensens Ortsbürgermeisterin und Flüchtlingskoordinatorin Regina Lutz sowie Eckels Ortsbürgermeister Marco Stöver an Vermieter im Landkreis richten. Konkret geht es um neun anerkannte Flüchtlinge, die in Kürze ihre Unterkunft in Klecken verlassen müssen
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as. Klecken. „Gebt den Flüchtlingen eine Chance!“ Die Gemeinde Rosengarten, die Kirchengemeinde Rosengarten, die Ortsbürgermeister Regina Lutz (Tötensen) und Marco Stöver (Eckel) sowie Flüchtlingshelfer rufen jetzt dazu auf, Wohnungen an anerkannte Flüchtlinge zu vermieten.
Die Zeit drängt: Nach den Flüchtlingsunterkünften in Jesteburg schließt der Landkreis jetzt die nächste Unterkunft, bereits zwischen dem 12. und dem 28. Februar müssen die 15 im „Souma-Haus“ in Klecken untergebrachten Flüchtlinge ihre Zimmer räumen. Sie werden auf die bestehenden Unterkünfte des Landkreises aufgeteilt. Besonders hart trifft die Schließung die anerkannten Flüchtlinge. Sie leben seit vier Jahren in Klecken, haben Deutsch gelernt, einen Arbeitsplatz gefunden, verdienen Geld und sind integriert. Diese Flüchtlinge sollten zwar eigentlich die Unterkunft verlassen und in eigene Wohnung ziehen - bloß haben sie bis jetzt keine bezahlbare Wohnung gefunden. Sie befürchten, dass sich ihre Situation nach dem Umzug verschlechtert. „Die Kurzfristigkeit der Kündigung verschärft die Lage zusätzlich“, sagt Pastorin Dorothea Blaffert.
Hintergrund: Um Kosten für leerstehende Unterkünfte zu vermeiden, schließt der Landkreis Einrichtungen, bei denen der Mietvertrag ausläuft, und verteilt ihre Bewohner auf andere Unterkünfte (das WOCHENBLATT berichtete). „Dabei steht der Landkreis unter enormem Zeitdruck“, so Kreissprecher Bernhard Frosdorfer. „Wir tun aber alles, um die Verlegung der Flüchtlinge in andere Unterkünfte so sozialverträglich wie möglich zu gestalten.“ Das gilt auch für die anerkannten Flüchtlinge, für die der Landkreis eigentlich nicht zuständig ist. „Wir werden keinen auf der Straße sitzen lassen!“
Mohammed Jadeen Fadelmwala (33) stammt aus dem Sudan und ist 2014 nach Klecken gekommen. Seit zwei Jahren sucht er eine Wohnung. „Es ist schwierig. Die Leute vermieten nicht gern an Flüchtlinge“, erzählt Mohammed. Häufig erhält er noch nicht einmal eine Antwort auf seine Anfrage. Große Ansprüche hat er nicht: Ein eigenes Zimmer, Küche und Bad. „Die angespannte Lage auf Wohnungsmarkt ist ein allgemeines Problem. Die Flüchtlinge trifft es aber besonders hart, da einige Vermieter Profit mit ihnen machen wollen“, berichtet Rosengartens Bürgermeister Dirk Seidler. Ein Flüchtling sollte 50 Euro pro Quadratmeter zahlen. „Das ist Wucher! Es kann nicht sein, dass die Notlage der Menschen ausgenutzt wird“, sagt Seidler.
Mohammed ist als Verkäufer bei Edeka in Nenndorf angestellt. Er ist stolz auf seinen Job, jetzt hat er Angst um seine Stelle. „Was passiert, wenn es keinen Platz in der Unterkunft für mich in Eckel oder Tötensen gibt? Werde ich meine Arbeit dann verlieren?“ So wie Mohammed gehen viele seiner Mitbewohner einer geregelten Erwerbstätigkeit nach. Sie arbeiten bei Amazon in Winsen, bei Rewe in Klecken oder bei Edeka in Nenndorf, haben feste Verträge und verdienen gut. Mohammed könnte im Monat bis zu 450 Euro für eine Wohnung bezahlen, findet aber nichts. Seine größte Angst ist es, wieder in einem Container zu landen. „Es ist dort schwierig für die, die am nächsten Morgen zur Arbeit müssen, zur Ruhe zu kommen“, sagt Mohammed.
Mohammed sowie neun weitere Flüchtlinge aus dem „Souma-Haus“ suchen deshalb Wohnungen für eine Person oder WG-taugliche Wohnungen in Rosengarten, aber auch in Seevetal oder Winsen. Optimal wäre ab sofort, aber auch ein Mietbeginn in ein bis zwei Monaten würde ihnen helfen. „Die anerkannten Flüchtlinge, die in Lohn und Brot stehen, können selbst ihre Miete zahlen und sind keinen Einschränkungen unterworfen, sie sind ganz normale Mieter“, betont Dirk Seidler. Zudem werden sie von Ehrenamtlichen betreut und unterstützt, die gegebenenfalls vermitteln können. Bei denen, bei denen das Gehalt nicht reicht oder die gerade noch eine Anstellung suchen, springt wie bei anderen Sozialhilfebedürftigen auch das Amt ein - allerdings muss die Miete angemessen sein, also den Mietstufen entsprechen. Für eine Person wird z.B. eine bis zu 50 Quadratmeter große Wohnung für bis zu 434 Euro in Rosengarten übernommen, bis zu 482 Euro werden in Seevetal und Winsen gezahlt und bis zu 522 Euro in Buchholz.
„Wer anerkannt ist, darf hierbleiben. Da ist es sinnvoll, diese Personen in die Gesellschaft zu integrieren und zu unterstützen, dass sie eine Wohnung bekommen und nicht in einer Notunterkunft leben müssen“, sagt Bürgermeister Seidler.
• Wer eine Wohnung vermitteln kann, meldet sich bei Pastorin Dorothea Blaffert per E-Mail an kg.rosengarten-klecken@evlka.de. Wer fragen zur Vermietung an einen Flüchtling hat, erhält Infos auch bei Erk Jessen, AWO-Integrationsberater, dienstags von 10 bis 12 Uhr unter Tel. 04105-585441.

Autor:

Anke Settekorn aus Jesteburg

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