Vom Kiez nach Neu-Eckel: Floristin Ilse Engelcke hat ein Paradies für Pflanzenliebhaber geschaffen
Unbändige Liebe zur Natur

Floristin Ilse Engelcke empfiehlt: Blumen immer schräg 
anschneiden, bevor sie ins Wasser gestellt werden Fotos: as
3Bilder
  • Floristin Ilse Engelcke empfiehlt: Blumen immer schräg
    anschneiden, bevor sie ins Wasser gestellt werden Fotos: as
  • hochgeladen von Anke Settekorn

as. Neu-Eckel. Alle wollten ihre Blumen, von feinen Damen bis zu leichten Mädchen: Floristin Ilse Engelcke hat jahrelang ein Blumengeschäft in St. Pauli geführt, bevor sie sich in Neu-Eckel ihren Traum von einer Floristik-Kunstwerkstatt erfüllt hat.
"Floristin war immer mein Traumberuf", sagt Ilse Engelcke. "Schon als Kind habe ich eine unbändige Liebe zur Natur gehabt, konnte an keiner schönen Blume vorbeigehen." Mit gerade einmal zwanzig Jahren kaufte sich die gelernte Floristin ein Blumengeschäft in St. Pauli. "Da habe ich viel erlebt", sagt Engelcke. Ihre feinen Blumenarrangements waren begehrt. Bei Ilse Engelcke haben alle eingekauft. Sie hat das Hotel Atlantic mit Blumen ausgestattet, ihre Sträuße standen in den Blankeneser Villen der feinen Gesellschaft ebenso wie in den Wohnwagen der Domschausteller. Sie hat Touristen und Travestiekünstler bedient. In der für Frauen gesperrten Herbertstraße hatte sie als eine der wenigen Frauen Zugang. "Da hieß es dann immer, 'Lasst die durch, das ist unsere Blumenfrau!'", schmunzelt Engelcke. 10 Jahre lang war sie auf St. Pauli. "Das war wie 10 Jahre Psychologiestudium!" Heute besucht sie das Viertel manchmal, schaut, wie sich der Stadteil entwickelt hat - und wird wiedererkannt. "Ich habe mit einer Freundin eine Travestieshow besucht, da hieß es gleich: 'Guck mal, das ist die mit den Leuchtgestecken' - denn ich habe damals für die Künstler Blumenarrangements mit Lichterketten ausgestattet", berichtet Engelcke.
Als ihre Tochter geboren wurde, war damit Schluss. "Ich wollte nicht, dass meine Tochter in St. Pauli aufwächst", sagt Ilse Engelcke. Sie verkaufte das Geschäft und zog nach Neu-Eckel. Dort habe sie zunächst aus dem Keller gearbeitet, berichtet Engelcke. Nach und nach ist der Laden gewachsen, bis zur jetzigen Floristik-Kunstwerkstatt mit einem 1.000 Quadratmeter großen Außenbereich, der unzählige liebevoll arrangierte Dekorationen beherbergt. "Dieser Standort hat etwas Magisches. Danke Neu-Eckel, du hast mir Glück gebracht", sagt die Floristin. Hier bietet sie neben hochwertigen Pflanzen und filigranen Blumenarrangements auch Kunsthandwerk an und organisiert Veranstaltungen. Neben den Lesungen im Garten ist ihre jährliche Adventsausstellung ein Höhepunkt.
Möhren als Blumentöpfe für die Dekoration eines Buffets, Autos aus Rettich für einen Kindergeburstag - bei ihrer Arbeit setzt Engelcke ihrer Fantasie keine Grenzen. Dabei legt sie viel Wert auf Nachhaltigkeit, verzichtet z. B. auf Plastikfolien. "Ich möchte weiter fein arbeiten können, keine Massenproduktion starten. Jedes Teil bei mir ist ein Unikat", sagt Engelcke.
Zurzeit sind Wald- und Wiesensträuße angesagt. "Man bindet die Sträuße nicht mehr so eng, sondern großzügiger. Alte Blumensorten wie Nelken sind wieder gefragt. Sie werden neu interpretiert und arrangiert", berichtet die Floristin. In ihre Arrangements arbeitet Ilse Engelcke auch viele Pflanzen aus ihrem Garten ein. Z.B. Christrosen, Blauregen oder Spindelstrauch. "Alles, was hier wächst, verwende ich auch - und ich kann mir sicher sein, dass es nicht gespritzt wurde", so Engelcke.
Auf dem Großmarkt Pflanzen aus der Region zu erhalten, werde immer schwieriger. "Alle sprechen von Nachhaltigkeit, aber lassen sich dann Blumen aus dem Ausland, z.B. aus Afrika, einfliegen. Teilweise unter menschenunwürdigen Bedingungen angebaut, belastet mit Pflanzenschutzmitteln. Heute findet sich auf dem Großmarkt fast nur noch Massenproduktion und Einheitsbrei. Und die Blumen aus der Region verschwinden, weil die hiesigen Gärtnereien mit den Kampfpreisen nicht mithalten können."

Tipps der Floristin
Zum Valentinstag hat Engelcke einen Tipp: Rosen aus den Vierlanden, nicht als Strauß, sondern als Herz gesteckt. "Toll wirkt auch eine einzelne Rose im Reagenzglas zum Hinhängen", so die Floristin. Damit lange Freude am bunten Blumenstrauß herrscht, rät die Blumenhändlerin: Bevor die Blumen ins Wasser kommen, mit einem scharfen Messer anschneiden. "Das wird oft falsch gemacht. Man muss die Blumen nicht flach, sondern schräg anschneiden, so dass die Pflanze auf der Spitze steht." Am wichtigsten: Das Wasser täglich wechseln.
• Am Freitag, 14. Februar, 10 bis 18 Uhr, lädt Ilse Engelcke ein zum Tag der offenen Tür in ihrer Floristik Kunstwerkstatt (Rotdornweg 1a) in Neu-Eckel.
https://engelcke.jimdo.com

Autor:

Anke Settekorn aus Rosengarten

Diskussion schließen

Hinweis: Der Autor wird vom System benachrichtigt

add_content

Sie möchten selbst beitragen?

Melden Sie sich jetzt kostenlos an, um selbst mit eigenen Inhalten beizutragen.

Karte einbetten

Abbrechen

Video einbetten

Es können nur einzelne Videos der jeweiligen Plattformen eingebunden werden, nicht jedoch Playlists, Streams oder Übersichtsseiten.

Abbrechen

Social-Media Link einfügen

Es können nur einzelne Beiträge der jeweiligen Plattformen eingebunden werden, nicht jedoch Übersichtsseiten.

Abbrechen

Beitrag oder Bildergalerie einbetten

Abbrechen

Schnappschuss einbetten

Abbrechen

Veranstaltung oder Bildergalerie einbetten

Abbrechen