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70 Jahre Rotes Kreuz

Lore Ebeling war als freiwillige Helferin u.a. bei der großen Flut 1962 im Einsatz (Foto: as)
Lore Ebeling (90) aus Sottorf wurde für ihre langjährige Mitgliedschaft im DRK geehrt

as. Sottorf. "Im Nachhinein hat das Spaß gemacht", blickt Lore Ebeling aus Sottorf auf ihre aktive Zeit als Freiwillige beim Deutschen Roten Kreuz (DRK) zurück. Die 90-Jährige wurde jüngst für 70 Jahre Mitgliedschaft in dem Wohlfahrtsverband ausgezeichnet.
"Heute stellt das DRK soviel auf die Beine, mit Tanzgruppen, Gymnastik und Altenkreisen, als ich angefangen habe, ging es ausschließlich ums Helfen", erinnert sich Lore Ebeling an ihre Anfangszeit.
Lore Ebeling ist auf einem kleinen Hof in Moorburg aufgewachsen. 1943 beginnt sie nach ihrem Schulabschluss eine Hauswirtschaftslehre in Alsterdorf. "Es war ja Krieg. Nach den Bombenangriffen gab es in Alsterdorf so viele Verletzte, da mussten wir mit anpacken. Da habe ich festgestellt, dass ich gern helfe", erinnert sich die Seniorin.
Offiziell hat sie mit 18 Jahren bei der DRK-Bereitschaft in Moorburg angefangen. "Ich habe dort aber schon vorher 'reingeschnuppert'." Lore Ebeling ist eine von vier Frauen, die sich nach Kriegsende in der 20-köpfigen Ortsgruppe engagieren. "Wir haben damals eine richtige Schwesterntracht getragen, mit weißer Haube und Armbinde", berichtet das DRK-Mitglied. "Lange Hosen gab es da noch nicht für Frauen. Um uns warmzuhalten hatten meine Schwester und ich lange wollene Strümpfe unter der Tracht an, darum haben uns die anderen Freiwilligen sehr beneidet."
Ihre Bereitschaftstasche mit Notbinden, Pflastern und Verbandszeug lag auf dem heimischen Hof immer griffbereit. Hörte sie "Lore, Unfall!" schnappte sie sich die Tasche und machte sich zu Fuß auf den Weg zur Unfallstelle. "Unterwegs hat man nur gedacht: 'Hoffentlich ist es diesmal nicht so schlimm!'" Ebeling war oft die Erste an der Unfallstelle. "So etwas wie die 112 gab es damals noch nicht. Wenn ein Unfall passiert ist, kamen die Leute zu mir nach Hause und haben mich geholt", erzählt Lore Ebeling.
"Es gab damals nur ganz wenig Autos, die Polizei war mit dem Fahrrad unterwegs. Das hätte oft zu lang gedauert, bis die vor Ort waren. Die Sanitäter heute sind ja viel schneller." Später hatte sie auch einen Schlauch für die Wiederbelebung dabei: "Die Wiederbelebung, wie wir sie heute kennen, kam damals ja erst auf. Den Verletzten wurde eine Klammer auf die Nase gesetzt und wir haben sie durch den Schlauch beatmet", erinnert sich die hilfsbereite Sottorferin.
Ebeling engagierte sich auf vielerlei Art: An Feiertagen war sie auf dem Hauptbahnhof in Hamburg im Einsatz, begleitete als eine von zwei Sanitäterinnen den Bordarzt auf der Fähre nach Helgoland oder stellte die medizinische Versorgung auf Schützenfesten sicher. Noch heute erinnert sie sich gut an ihren größten Einsatz: Die große Flut 1962. "Wir waren im Urlaub im Schwarzwald, als wir aus den Medien erfuhren, was in unserer Heimat los war. Wir sind sofort zurückgefahren." Lore Ebeling war tagelang im Einsatz, sie versorgte mit einem Schlauchboot die auf ihren Hausdächern gefangenen Menschen mit Mahlzeiten. "Das war nicht ungefährlich. Aber die Hilfsbereitschaft der Menschen war enorm." Später organisierte sie neue Matratzen für Bewohner, deren Häuser überflutet worden waren.
1971 zog Lore Ebeling mit ihrem Mann nach Sottorf, war dort jedoch zunächst passives Mitglied im DRL, denn sie pflegte bis in die 1980er Jahre ihre Eltern. "Da kamen mir meine Sanitätskenntnisse zugute." Mitte der 1980er Jahre wurde sie dann gefragt, ob sie den Besuchsdienst des DRK in Sottorf übernehmen würde. Einmal im Monat besuchte sie fortan ältere alleinstehende Personen, plauderte mit ihnen und half ihnen aus der Einsamkeit. "Teilweise trugen die Menschen schwere Schicksale, von Flucht und Vertreibung. Das war mitunter schon ganz schön hart, was man da gehört hat."
Lore Ebeling unterstützt weiterhin das DRK, wenn auch passiv. "Einsatz und Hilfe für andere Menschen ist mir sehr wichtig. Solange es geht, werde ich Mitglied bleiben."