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Aussiedlerhof aus dem Landkreis gesucht

Architektur eines Aussiedlerhofes. Gut zu erkennen: Die "Schmutzschleuse", die Wohnhaus und Viehstall miteinander verbindet Fotos: Archiv FLMK
 
Der typische Aussiedlerhof lag abseits des Dorfes
Königsberger Straße: Freilichtmuseum am Kiekeberg interessiert an Hof aus den 1950er oder 1960er Jahren

as. Ehestorf. Ein Bauernhof für den Kiekeberg: Für die neue „Königsberger Straße“ sucht das Freilichtmuseum am Kiekeberg (Am Kiekeberg 1) in Ehestorf einen Aussiedlerbauernhof aus dem Landkreis Harburg. Das Gebäude aus den 1950er oder 1960er Jahren soll am Originalstandort ab- und im Museum wieder aufgebaut werden. Dort zeigt es dann, wie Landwirte in der jungen Bundesrepublik arbeiteten.
Alexander Eggert, Leiter der Abteilung Volkskunde, erläutert: „Wir suchen einen der typischen Bauernhöfe, die ab 1956 außerhalb der Dörfer gebaut wurden. Die meisten Leser kennen die klassische Aufteilung als Kopf-Hals-Rumpf-Bau: Wohnhaus und Viehstall sind durch eine ‚Schmutzschleuse‘ getrennt. Wichtig für uns: Der Bauernhof soll allenfalls moderat modernisiert sein und aus dem Landkreis Harburg stammen.“
Die Aussiedlerhöfe sind die Keimzelle der modernen Landwirtschaft. Lagen Jahrhunderte lang alte Höfe mitten im Ort und prägten mit Viehtrieb und Misthaufen den Alltag, siedelten in den 1950er Jahren Bauern in der Feldmark. In den historisch gewachsenen Orten war oft kein Platz für Expansion, für moderne Maschinen, große Ställe und ein einzeln stehendes Wohnhaus. Die neuen Ansiedlungen wurden politisch gefördert. Besondere Programme gab es für Flüchtlinge und Vertriebene, die nach dem Krieg neu anfangen mussten. „Sie bekamen mit den bäuerlichen Flüchtlingssiedlungsstellen die Chance auf einen eigenen Hof und eine sichere Existenzgrundlage“, sagt Alexander Eggert. „Das Wirtschaftswunder wirkte sich dann kurze Zeit später massiv auf die Landwirtschaft aus: Traktoren und Landmaschinen eroberten die Felder und ersetzten die ins Gewerbe abgewanderten Arbeitskräfte. Dies bedeutete umwälzende Veränderungen des bisherigen bäuerlichen Lebens.“
Die „Königsberger Straße“ wird mit dem Aussiedlerhof zeigen, wie sich die Landwirtschaft in den Nachkriegsjahren entwickelte, wie sich Aussehen und Struktur der Dörfer veränderte. „Wir zeigen auch, wie Flüchtlinge und Vertriebene auf Siedlungsstellen den Neuanfang meisterten und wie sie und die Einheimischen die Aufbauzeit erlebten“, sagt Museumsdirektor Stefan Zimmermann. Ausstellungen, Führungen, Mitmach-Aktionen und andere Begleitprogramme geben einen Einblick in den Alltag auf dem Dorf zu der Zeit und seinen Wandel.
• Weitere Informationen gibt Alexander Eggert unter Telefonnummer 040-79017675 oder per E-Mail an eggert@kiekeberg-museum.de.


Großprojekt Königsberger Straße

Mit dem Großprojekt „Königsberger Straße“ holt das Freilichtmuseum am Kiekeberg in den kommenden Jahren die Zeit von 1949 bis 1970 ins Museum. Dazu baut es sechs Häuser auf – neben Siedlungshäusern, Geschäftszeile, Fertighaus und Tankstelle, einschließlich Gärten, Straßenlampen, Litfaßsäule und Telefonzelle, auch einen Aussiedlerhof (das WOCHENBLATT berichtete). Erstmals wird die Kulturgeschichte der Nachkriegszeit bis 1970 in der ländlichen Region erforscht und durch den Aufbau von Häusern und einer umfassenden Ausstellung gezeigt. Das Gesamtprojekt ist auf etwa 6,14 Millionen Euro angelegt.
Die „Königsberger Straße“ im Freilichtmuseum am Kiekeberg wird gefördert durch die Beauftragte der Bundesregierung für Kultur und Medien (Bund), das Land Niedersachsen, den Landkreis Harburg und den Förderfonds Hamburg/Niedersachsen der Metropolregion Hamburg, die Stiftung Niedersachsen, die Stiftung Hof Schlüter, die Niedersächsische Sparkassenstiftung, die Stiftung der Sparkasse Harburg-Buxtehude, den Lüneburgischen Landschaftsverband, die Klosterkammer Hannover, die Niedersächsische Bingo-Umweltstiftung und den Förderverein des Freilichtmuseums am Kiekeberg.