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Ehestorfer Heuweg: "Die Vollsperrung ist für uns nicht akzeptabel"

Wollen die Vollsperrung nicht hinnehmen: Eva Herkner und Klaus Meyer-Greve von der Bürgerinitiative "VerkehrsnotSTAND Rosengarten" (Foto: as)
 
Landrat Rainer Rempe: "Die problematische Situation am Ehestorfer Heuweg hat allerhöchste Priorität" (Foto: archiv/mum)

Ehestorfer Heuweg: LSBG sieht keine Alternative zur Vollsperrung / Landkreis kündigt Widerstand an

(as). Von diesem Gespräch hatten sich die Beteiligten aus dem Landkreis Harburg mehr erhofft: Am Montag hatte der Hamburger Landesbetrieb Straßen, Brücken und Gewässer (LSBG) Anwohner sowie Vertreter aus Politik und Verwaltung, von Landkreis, Polizei, öffentlichen Einrichtungen und dem Bezirk zu einem Informationsabend eingeladen. Es ging um die Sperrung des Ehestorfer Heuwegs.

Hintergrund: Wie berichtet, führt die Stadt Hamburg auf dem Ehestorfer Heuweg bis zur Landesgrenze umfassende Umbauten durch. Dafür wurde die Straße voll gesperrt. Die Vollsperrung soll, mit einer dreimonatigen Unterbrechung, bis Ende 2019 andauern. Pendler, die weite Umwege in Kauf nehmen müssen und im Stau stehen, Pflegedienste, die ihren Kunden in Rosengarten Verträge kündigen und Ärzte, die nicht zu ihren Patienten kommen - bereits nach den ersten drei Wochen wurde deutlich: Die Sperrung bereitet den Bewohnern Rosengartens und des Landkreises erhebliche Probleme.
Viel Neues brachte das Gespräch nicht. Der LSGB hält weiter an der Notwendigkeit der Vollsperrung fest. U.a. sei die Strecke zu lang für eine Ampelschaltung und die Straße zu schmal für einen kontinuierlichen Verkehrsfluss. Diese Alternativlosigkeit wurde von den Anwohnern, den örtlich Verantwortlichen und den betroffenen Einrichtungen scharf kritisiert. Zwar wurde angeboten, Ärzten und Pflegediensten mit Passierschein sowie dem Bus eine zeitweilige Durchfahrt zu ermöglichen, allerdings sind die Passierscheine auf etwa 150 Stück limitiert. Wo die Scheine beantragt werden und wie die Straße kontrolliert werden soll, darüber lag dem WOCHENBLATT bis Redaktionsschluss keine Antwort vor. Eine Forderung der Betroffenen wurde immerhin erfüllt: Die Dauer-Sperrung wird jetzt auch bei Google angezeigt.

Landrat Rainer Rempe kündigt an, sich weiterhin für eine Alternative zur Vollsperrung einsetzen zu wollen. "Die mehr als problematische Situation am Ehestorfer Heuweg hat - ebenso wie die dringend notwendige Verbesserung der Baustellen-Koordinierung über die Landesgrenze hinweg - für den Landkreis Harburg allerhöchste Priorität. Wir stehen dazu in engem Austausch mit Wirtschaftsminister Bernd Althusmann, der unsere Bedenken teilt. Er wird sich auf höchster Ebene in Hamburg dafür einsetzen, dass unsere Belange ernst genommen und entsprechende Lösungen gefunden werden. Wir sind als Kreisverwaltung bereit, uns bei der Verbesserung der verkehrlichen Situation in Zusammenarbeit mit Hamburg intensiv einzubringen, wenn erforderlich auch durch die Bereitstellung von Personal."
Insbesondere die neunmonatige Sperrung, die 2019 vorgesehen ist, will Rempe verhindern. "Eine Vollsperrung ist für uns nicht akzeptabel und kann nicht die einzige Alternative sein. Hier wurden meiner Ansicht nach nicht alle Möglichkeiten ausgeschöpft. Es muss eine Lösung gefunden werden, die eine einseitige Passierbarkeit der Baustelle ermöglicht. Sonst ist die Maßnahme in unseren Augen nicht darstellbar." Am 19. Oktober erwartet der Landkreis unter anderem Enak Ferlemann, Parlamentarischer Staatssekretär beim Bundesverkehrsministerium, und Minister Bernd Althusmann zum Gespräch zur Verkehrssituation im Landkreis Harburg - dann soll es auch um den Ehestorfer Heuweg gehen.

Rosengartens Bürgermeister Dirk Seidler kritisiert insbesondere die mangelhafte Information seitens der Leitungsträger und der LSBG. "Fast alle Planungen und Beteiligungen hörten an der Landesgrenze auf. Niedersächsische Stellen wurden nur rudimentär eingeschaltet, obwohl die Planungen schon seit Jahren betrieben wurden", so Seidler. "Künftig müssen die Bürger, Betriebe, Einrichtungen und Verwaltungen viel früher in die Planungen einbezogen werden, damit es nicht zu solchen vermeidbaren Situationen kommt."

Enttäuscht zeigt sich nach dem Gespräch auch die Bürgerinitiative (BI) "VerkehrsnotSTAND Rosengarten". "Wir sind nicht zufrieden mit dem Ergebnis. Man hat eine Baustellenregelung kategorisch abgelehnt", sagen Eva Herkner und Klaus Meyer-Greve von der BI. Ihr Vorwurf: Die Verantwortlichen hätten sich die Gegebenheiten vor Ort nicht angeschaut. "Für den LSBG hört die Welt an der Landesgrenze auf!" Sie haben binnen zwei Wochen über 800 Unterschriften gesammelt. Ihre Forderung: Keine Vollsperrung des Ehestorfer Heuwegs. Die Verbindungsstraße soll mittels Baustellenampeln für die Bürger Rosengartens geöffnet werden - oder die Baumaßnahme verschoben werden, bis die anderen Baustellen in Richtung Norden abgeschlossen sind. "Für uns bedeutet die Vollsperrung, dass wir abgeschnitten sind von den Versorgungseinrichtungen, Ärzten, Pflegediensten und sozialen Kontakten, denn wir in den Kiekeberg-Dörfern sind in Richtung Hamburg - Hausbruch, Neuwiedenthal und Neugraben - orientiert", sagt Eva Herkner. Hinzu käme, dass weitere Baumaßnahmen den Rosengartenern den Weg nach Norden erschwerten und die Umleitungen über Harburg oder die Autobahn nicht funktionierten. Eva Herkner: "Man fühlt sich hier wie auf einer Hallig, man kommt nicht weg." Die Bürgerinitiative kündigt Widerstand an und plant jetzt ihre nächsten Aktionen.