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"Jeder kann etwas tun"

Kieran Joseph Modlock (23) hat auf seiner Wanderung bereits über 116 Kilogramm Müll gesammelt (Foto: as)
 
Kieran Joseph Modlock (23) aus Dänemark hat eine Mission: Er wandert durch Europa und sammelt achtlos weggeworfenen Müll ein. Über 116 Kilogramm an Plastik-Abfällen hat er bereits an Wegesrändern und Waldstücken gefunden. Die Reise führte ihn auch durch den Landkreis Harburg. Seine Botschaft: "Jeder kann etwas tun."
Kieran Joseph Modlock wandert durch Deutschland und sammelt unterwegs Plastikmüll ein

as. Vahrendorf. Die Umwelt von soviel Müll wie möglich zu befreien, das ist das Ziel des Dänen Kieran Joseph Modlock (23). Er wandert derzeit von Billund (Dänemark) nach München und sammelt dabei Plastikabfälle ein, die andere Menschen achtlos in die Natur geworfen haben. Seine Reise führte ihn unter anderem nach Vahrendorf (Gemeinde Rosengarten), wo er einen Zwischenstopp im Spargelhof Schröder einlegte.
Den Anstoß hat ihm vor etwa anderthalb Jahren eine Reise in den Himalaya gegeben. "Die Natur war atemberaubend schön, aber es war erschreckend, wieviel Plastikmüll überall herumlag. Da wusste ich, ich muss etwas tun", erinnert sich der Umwelt-Aktivist. Er beschloss, damit vor der eigenen Haustür zu beginnen. Er nahm sein Erspartes, ließ Familie, Freunde und seinen Job als Promoter für eine Umweltorgansation hinter sich und marschierte los.
Die Idee ist simpel: Ausgerüstet mit einem Rucksack, Zelt und Bollerwagen ist Kieran vor 40 Tagen in Billund gestartet. Sieht er an Wegesrändern oder in Wäldern Müll, hebt er ihn auf und entsorgt ihn später in Recycling-Anlagen oder in Müllcontainern. Über 116 Kilogramm hat er auf seiner Wanderung so bereits aufgelesen. Trauriger Rekord: In Dänemark hat er an einem einzigen Tag fast 20 Kilogramm Müll gesammelt. "Das Recycling funktioniert in Deutschland besser", ist Kieran überzeugt. Aber auch in Deutschland findet sich einiges in Wäldern und Feldern. Zu den Spitzenreitern gehören Kondom- und Tablettenverpackungen. Am häufigsten sammelt er Fastfood-Verpackungen ein. "Die Leute scheinen zu glauben, dass sich in ihrem Auto ein magisches Fenster befindet und alles, was sie hinauswerfen, verschwindet. Das ist aber nicht der Fall, Strohhalme, Burgerverpackungen und Becher bleiben in der Natur liegen."
Mittlerweile legt der Umweltfreund 30 bis 40 Kilometer am Tag zurück. Er hofft, in etwa einem Monat in Blumenthal (bei München) zu sein. Dort will er sich bei Freunden von der ersten Etappe seiner Reise erholen, danach soll es über die Alpen nach Italien und weiter nach Griechenland gehen. Einen festen Zeitplan hat Kieran Modlock nicht, er geht die Wanderung ganz entspannt an und folgt keiner festgelegten Route. Mit Kompass und Smartphone wandert er in Richtung Süden. Wann immer er an eine Weggabelung kommt, lässt er eine Münze entscheiden, wie es weitergeht. So ist er auch nach Vahrendorf gekommen. "Kieran hat uns von seinem Projekt erzählt und gefragt, ob er in unserem Garten zelten darf. Da er uns sofort sympathisch war, haben wir eingewilligt", erzählt Heiko Schröder, Inhaber des gleichnamigen Spargelhofs. "Ich selbst muss auch immer wieder Abfälle, die auf meine Felder geweht wurden, einsammeln. Insbesondere in der Nähe von Bushaltestellen landet viel Müll auf dem Acker. Dabei gibt es dort ja schon extra Mülleimer", ärgert sich der Landwirt.
Viele Menschen sind neugierig, wenn sie Kieran mit seinem Bollerwagen begegnen. "Ich erzähle ihnen von meiner Wanderung und dem Müll. Bisher wurde ich von allen unterstützt." Die meisten wissen schon über das Problem mit dem Plastikmüll Bescheid, so der Eindruck von Kieran. "Aber sie sind noch nicht soweit, auch etwas dagegen zu tun."
Wenn er irgendwann nach Dänemark zurückkehrt, möchte er den Menschen von seiner Reise und seinen Erfahrungen berichten. Er hofft, seine Mitmenschen durch seine Geschichte motivieren zu können, umherliegenden Müll aufzusammeln.
"Man muss ja nicht gleich so wie ich eine große Wanderung unternehmen. Es ist keine Reise nötig. Aber wenn jeder einfach beim nächsten Spaziergang, Joggen oder Fahrradfahren ein bisschen Abfall aufsammelt und im nächsten Mülleimer entsorgt, ist der Umwelt schon viel geholfen", sagt Kieran Modlock. "Die Leute sagen immer, einer allein kann nichts erreichen. Aber wenn keiner etwas macht, verändert sich auch nichts!"