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Wohin mit dem Abwasser?

Wie soll das Abwasser in Langenrehm zukünftig entsorgt werden, über einen zentralen Kanalanschluss oder in Kleinkläranlagen? (Foto: as)
Bürger verärgert: Umweltausschuss empfiehlt entgegen Umfrage-Ergebnis den Anschlussvariante B

as. Langenrehm. "Wir sind von dieser Entscheidung überrascht und empört", sagt Ulf Böttcher von der Interessengemeinschaft Kleinkläranlagen Langenrehm nach der jüngsten Sitzung des Umweltausschusses. Wie berichtet, ist in der Siedlung Gannaberg/Am Hamboken eine Sammelkläranlage defekt. Die Siedlung soll deshalb an die zentrale Abwasserentsorgung angeschlossen werden. Im Juni hatte der Landkreis mehrere Varianten vorgestellt, bei der die gesamte Siedlung bzw. Teilbereiche angeschlossen werden sollten.
Das Gremium empfahl jetzt Variante B, also die komplette Siedlung schrittweise an die zentrale Schmutzwasserentsorgung anzuschließen. Die CDU-Fraktion setzte sich dabei mit drei Stimmen zu zwei Enthaltungen und einer Gegenstimme durch. Der Ortsrat hatte sich zuvor einstimmig für Variante C, bei der der Bereich „Talweg“ und Hinterlieger „Am Gannaberg“ vom Anschluss ausgenommen werden und weiterhin dezentral das Abwasser entsorgen, ausgesprochen. Bei der jüngsten Befragung der Anwohner hatten 91 Prozent ebenfalls für Variante C gestimmt.
"Wieso werden erst die Bürger befragt, wenn der Ausschuss dann doch anders entscheidet?", fragt Anwohner Ulf Böttcher verärgert. Hans-Hermann Böttcher, Ortsbürgermeister von Emsen-Langenrehm, ist ebenfalls erstaunt über diese Entscheidung. In den vorangegangenen Sitzungen habe die CDU etwas ganz Anderes signalisiert, so Böttcher. "Wir sind doch sehr verwundert über diese Kehrtwende." Variante C würde großen Konsens finden. "Ich verstehe nicht, wieso den Bürgern hier nicht entgegengekommen wird." Böttcher kündigte an, das Thema im Verwaltungsausschuss und im Gemeinderat eingehend diskutieren zu wollen.
Es sei "verwunderlich für alle Beteiligten, dass der Kompromiss nicht mehrheitlich angenommen wurde", sagt auch Rosengartens Bürgermeister Dirk Seidler. Zwar konnten die befragten Bürger mehrere Varianten ankreuzen, ein Ergebnis von 91 Prozent für Variante C sei aber "mehr als repräsentativ". Allerdings habe der Ausschuss eine demokratische Entscheidung getroffen, bei der die Ratsmitglieder nicht dem Ergebnis der Umfrage, sondern ihrem Gewissen und dem Gemeinwohl verpflichtet sind, so Seidler. Andere "Zwangsangeschlossene", z.B. in Vahrendorf, hätten positive Erfahrungen mit dem Kanalanschluss gemacht, berichtet der Bürgermeister. Und betont: "Man muss auch bedenken: Wer jetzt nicht angeschlossen wird, muss bei einem späteren Anschluss die Kosten zu 100 Prozent selbst tragen."
Die CDU wird weiter an ihrem Standpunkt festhalten, kündigte Maximilian Leroux, Sprecher der CDU-Rosengarten, an. Die Abwasserentsorgung über einen zentralen Kanal sei die nachhaltigere Lösung für die Siedlung. Grundsätzlich folge man den Empfehlungen des Ortsrates, aber bei sachlicher Begründung werde auch dagegen gestimmt. "Wir müssen eine gute Regelung finden, die auch in der Zukunft Bestand hat. Dabei geht es nicht um die nächsten fünf, sondern die nächsten 50 Jahre", so Leroux.
Die Abwasserentsorgung in Langenrehm wird auch im Verwaltungsausschuss Thema sein. Bei der nächsten Gemeinderatssitzung am 25. September soll dann endgültig darüber abgestimmt werden. "Ich bin zuversichtlich, dass der Rat eine Entscheidung trifft, mit der die Mehrheit der Bevölkerung leben kann", so Bürgermeister Dirk Seidler.