Landwirte reagieren auf Ministerinnen-Vorschlag
Forderung nach "Systemwechsel" in Landwirtschaft sorgt für Unverständnis

"Wir tun längst etwas für den Klimaschutz": Willy Isermann, Kreislandwirt im Kreis Harburg, auf seinem Feld mit Ölrettich, der der Humusmehrung und Nitratbindung im Boden dient
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ce. Landkreis. "Was unser Berufsstand für Landwirtschaft, Verbraucher und Umwelt leistet, funktioniert seit Hunderten von Jahren und wird auch weiterhin funktionieren. Da muss das Rad nicht neu erfunden werden!" Das sagt Willy Isermann (70), Kreislandwirt des Landkreises Harburg, zu den jüngsten Forderungen von Bundesumweltministerin Svenja Schulze (SPD). Diese hatte in Medien als "Systemwechsel" in der Landwirtschaft verlangt, die finanzielle Förderung der Bauern nicht mehr an der Größe der bewirtschafteten Flächen zu bemessen, sondern am Einsatz für den Umweltschutz. "Landwirte, die etwas für Artenvielfalt, Klimaschutz und Tierwohl tun, müssen mehr Geld aus dem europäischen Agrarhaushalt bekommen als diejenigen, die das nicht tun", so Schulze.
"Grundsätzlich habe ich nichts gegen die Vorschläge der Ministerin, man darf da aber nichts überziehen", betont Willy Isermann, der seit gut 40 Jahren Landwirt ist. Für überzogen hält er etwa die Forderung, die Bauern sollten auf 30 Prozent ihrer Flächen Biolandwirtschaft betreiben. "Das geben unsere Böden in der Region gar nicht her."

"Unsägliche Diskussion über Systemwechsel": Stades Kreislandwirt Johann Knabbe
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Isermann verweist auf Wissenschaftsberichte, wonach es schon jetzt mehr Artenvielfalt als je zuvor in der Natur gebe. In der Region wachse der Nutzpflanzen-Anbau in jedem Jahr und damit der Lebens- und Nahrungsraum für Insekten. Als Letzteres dienten auch die Blühstreifen. Isermann und seine Familie bewirtschaften 15 Hektar mit Brache und Blühstreifen sowie 150 Hektar mit Zwischenfrüchten als "Überbrückung" von der Wintergerste zu den Anpflanzungen des Frühjahrs wie Mais oder Zuckerrüben. Aus EU-Mitteln bekommen sie 280 Euro für Brache und Früchteanbau pro Hektar und Jahr.
Als Zwischenfrucht setzen die Isermanns auf Ölrettich, der der Humusmehrung und Nitratbindung im Boden dient. "Damit tun wir - wie von der Umweltministerin gefordert - schon jetzt etwas für den Klimaschutz, zumal der Aufbau von Humus im Boden mehrere Generationen dauert."
"Was die Umweltministerin fordert, ist schon seit Ewigkeiten die Welt, in der wir Landwirte leben. Wir müssen jeden Tag bei unserer Arbeit ein europäisches Regelwerk umsetzen", hält der Stader Kreislandwirt Johann Knabbe (63) die Diskussion um einen "Systemwechsel" für "unsäglich". "Wir haben die Ernährungssicherung für die Verbraucher zu gewährleisten. Das wollen und müssen wir mit regionalen Produkten erreichen und nicht, indem wir Lebensmittel aus dem Ausland importieren. Das muss an erster Stelle stehen, erst dann kommt der Umweltschutz", mahnt der auf über 40 Berufsjahre zurückblickende Knabbe. In diesem Zusammenhang weist er gleichzeitig darauf hin, dass die höchste Grundwasser-Neubildung unter den Ackerböden der Landwirte geschehe. "Gleichwohl ist die Abwägung der Prioritäten bei der Forderung von Svenja Schulze aus meiner Sicht mehr als ungenügend." (ce). Eine naturverträgliche Landbewirtschaftung mithilfe von Insekten statt mit Pestiziden - das hat sich das Projekt "Gezielte Insektenförderung für die Landwirtschaft" zum Ziel gesetzt, das jetzt im Bundesprogramm Biologische Vielfalt gestartet ist. Das teilt das Bundesamt für Naturschutz (BfN) mit. "Nützlingen wie Schlupfwespen oder Blumenwanzen sollen wieder mehr Nahrung, Lebensraum und Überwinterungsmöglichkeiten in der Agrarlandschaft geboten werden", so die Behörde. Zudem sollten im Rahmen der Initiative Blühstreifen geschaffen werden. Das BfN unterstützt das Projekt mit Mitteln des Bundesumweltministeriums in Höhe von rund 1,1 Millionen Euro. Insekten aktiv für Landwirtschaft

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Christoph Ehlermann aus Salzhausen

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