Psychisch Kranke und Lockdown
"Krankenalltag ist auf den Kopf gestellt"

"Einige Bewohner fühlen ausgegrenzt, zumal sie lange Zeit gar keinen Besuch haben durften": Henrich van der Veen-Liese, Leiter der Therapeutischen Wohngemeinschaft II von "HiPsy", auf deren Gelände
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Wie psychisch kranke Menschen in einer "HiPsy"-Wohngemeinschaft den Corona-Lockdown erleben ce. Salzhausen. Seit dem Ausbruch der Corona-Pandemie sollen unter anderem Menschen mit Behinderungen, die in Wohneinrichtungen leben, diese nicht mehr verlassen. Zudem besteht ein weitreichendes Besuchsverbot. Wie Gehandicapte mit dem seit Mitte März andauernden Lockdown umgehen, erlebt Diplom-Sozialarbeiter Henrich van der Veen-Liese (56) täglich. Er leitet die Therapeutische Wohngemeinschaft II der gemeinnützigen "HiPsy" GmbH (Hilfe für psychisch kranke Menschen) im Salzhäuser Ortsteil Putensen. Dort leben 24 Männer und Frauen zwischen 20 und 60 Jahren mit seelischen Beeinträchtigungen.
"Zu unserem Konzept gehört die Förderung der Selbstständigkeit der Bewohner ebenso wie das Zusammenbringen der Menschen innerhalb und außerhalb der WG", erklärt van der Veen-Liese. "Die Bewohner werden angehalten, einkaufen zu gehen, ihre Bankgeschäfte eigenständig zu erledigen und am Leben draußen teilzuhaben." Seit sieben Wochen sei der Alltag in der WG Corona-bedingt jedoch "auf den Kopf gestellt" und Schutzmaßnahmen ein Dauerthema. "Bewohner und Mitarbeiter müssen vor einer möglichen Infektion geschützt werden. Beim Essen, bei der Arbeit, in Gruppen, Therapien und in der Freizeit heißt es 'Abstand halten'", so der WG-Leiter. "Im eigenen Haus fühlen sich einige Bewohner daher manchmal wie Aussätzige und von der Gesellschaft ausgegrenzt. Selbst ein Spaziergang in der Feldmark ist nicht erlaubt. Zudem ist der Spielraum, die Bewohner bei der Gestaltung der neuen Regeln einzubinden, sehr klein. Die Situation verunsichert viele, niemand möchte etwas falsch machen", so van der Veen-Liese.
Die meisten Bewohner würden auch unter den veränderten Umständen die Mitarbeiter unterstützen. "Eines von vielen tollen Beispielen ist Christian, der die Türklinken im gesamten Haus zweimal täglich reinigt." Eine Mitarbeiterin biete zudem ein Händewaschtraining für die Bewohner an.
Der Dank an alle Beteiligten liegt van der Veen-Liese besonders am Herzen. Da niemand auf die Pandemie und ihre Folgen vorbereitet gewesen sei, wäre "ohne die Hilfe der Bewohner sowie die hohe Flexibilität und Bereitschaft der Mitarbeiter ein Chaos ausgebrochen".
Die "HiPsy" GmbH sei erleichtert, dass bislang keine Corona-Infektion in ihren verschiedenen Einrichtungen gemeldet worden sei. Für den notwendigen Lockdown hätten die meisten Bewohner und auch er selbst - so der WG-Leiter - Verständnis gehabt. Im Rahmen der jüngsten Corona-Lockerungen wurde jetzt von Bund und Land beschlossen, dass Menschen in Behinderteneinrichtungen vorerst regelmäßigen Besuch von einer zu bestimmenden Person erhalten dürfen. "Für pflegebedürftige Menschen ist dies ein erster Schritt", erklärt Henrich van der Veen-Liese dazu. "Für die WG-Bewohner wäre eine Lockerung der Ausgangsbeschränkungen - beispielsweise für notwendige Einkäufe oder auch Spaziergänge - angezeigt. Diesbezüglich laufen Gespräche mit dem Landkreis Harburg als zuständiger Behörde."

"Einige Bewohner fühlen ausgegrenzt, zumal sie lange Zeit gar keinen Besuch haben durften": Henrich van der Veen-Liese, Leiter der Therapeutischen Wohngemeinschaft II von "HiPsy", auf deren Gelände
"Eine große Hilfe": WG-Bewohner Christian reinigt zweimal täglich alle Türklinken im Haus
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Christoph Ehlermann aus Salzhausen

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