"Aufeinandertreffen mit Corona wäre Super-GAU"
Landwirte sind bedroht von Auswirkungen von Afrikanischer Schweinepest

In seinem Stall: Landwirt Stefan Isermann aus Toppenstedt
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ce. Toppenstedt. "Die Pest ist in hiesigen Regionen noch nicht angekommen. Ihre Auswirkungen könnten aber nicht nur für unseren Betrieb mittelfristig existenzbedrohend werden." Das sagt Stefan Isermann (41), der in dritter Generation in Toppenstedt (Landkreis Harburg) Landwirtschaft mit einigen tausend Schweinen betreibt, mit Blick auf die aktuelle Ausbreitung der Afrikanischen Schweinepest (ASP). Die Tierseuche, die Haus- und Wildschweine befällt, hat bislang 35 dieser Vierbeiner in Brandenburg ereilt. Während in Afrika Lederzecken das Virus übertragen, geschieht dies in Mitteleuropa unter anderem durch direkten Kontakt mit infizierten Tieren.
"Seit das erste Wildschwein mit ASP gefunden wurde, ist der Fleischmarkt komplett zusammengebrochen. Länder wie China und Südkorea, wohin deutsche Produkte importiert werden, haben die Grenzen dicht gemacht", berichtet Stefan Isermann. Diese Entwicklung habe bei ihm - wie auch bei anderen Landwirten im Hamburger Speckgürtel - zu einem Preisverfall von 20 Cent pro Kilo bei verkauften Schlachtschweinen geführt. Etwa 150 Euro an Ferkel-, Futter- und Stallkosten habe er bei jedem Schwein. Beim Verkauf bekomme er dafür aber lediglich rund 125 Euro. "Ich werde in den nächsten vier Monaten etwa 3.000 Schweine verkaufen, die derzeit im Stall sind und dabei - wenn sich am Erlös nichts ändert - ein Minus von 75.000 Euro machen", so Isermanns ernüchternde Prognose.
"Für die Defizite gibt es keine Ausgleichszahlungen vom Staat und solche Entschädigungen will ich auch gar nicht. Ich trage bei dem Betrieb mein eigenes unternehmerisches Risiko", betont der Landwirt. "Was meine Berufskollegen und ich aber von Bund und Land verlangen, ist, dass der Fleischhandel von bürokratischen Hürden befreit wird", betont Isermann. Die Schweinepest bereite der Branche zwar Kopfzerbrechen. "Der Super-GAU ist für uns jedoch das Aufeinandertreffen von ASP und Corona, denn unser größtes Problem derzeit sind die behördlichen Pandemie-Auswirkungen auf den Schlachthöfen", stellt er klar. "Einmal die Woche und öfter finden dort Corona-Tests statt und bringen die Schlachtung für einen halben Tag zum Stillstand. Zudem wird penibel darauf geachtet, dass die Mitarbeiter keine Überstunden machen. Veterinäramt und Gesundheitsamt geben den Arbeitstakt vor. Und vor den Höfen stehen die Lkw Schlange, die die Schweine anliefern. Auch ich werde meine Schlachttiere wegen dieses Produktionsstaus nicht los. Tierschutz und Arbeitsschutz passen da nicht zusammen."
"Die Politiker müssen endlich dafür sorgen, dass der Fleischmarkt reibungslos läuft, und dürfen uns - bei aller gebotenen Pandemie-Vorsicht - mit übertriebener Bürokratie keine Knüppel zwischen die Beine werfen", mahnt Stefan Isermann.

- Das sagt die Landwirtschaftskammer

(ce). "Im Landkreis Harburg gibt es noch etwa 70 landwirtschaftliche Betriebe, die auch Schweine halten. Diese sind unmittelbar vom Ausbruch der Afrikanischen Schweinepest betroffen", erklärt Ulrich Peper, Leiter der Außenstelle Buchholz der Landwirtschaftskammer Niedersachsen. "In anderen Gebieten von Niedersachsen spielt die Schweinefleischproduktion eine noch deutlich größere Rolle, und die Betroffenheit ist entsprechend stärker", so Peper weiter. Für alle Betriebe, die ihr Geld hauptsächlich mit Schweinen verdienen, bedeute die ASP eine "direkte Existenzgefährdung". Mit den derzeit geltenden Handelsbeschränkungen sei zudem von einer längeren Krise für die Schweinehaltung auszugehen. "Die Erfahrung aus anderen Ländern zeigt, dass diese Handelsbarrieren nur mit langwierigen Verhandlungen wieder wegzubekommen sind. Es bleibt zu hoffen, dass bis dahin eine Verlagerung der Handelsströme innerhalb der EU zunächst die schlimmsten Auswirkungen lindern kann", mahnt Peper.
Derzeit seien alle Augen auf die Entwicklung in Brandenburg gerichtet. Nur wenn es gelinge, den ASP-Erreger in den ausgewiesenen Restriktionsgebieten zu isolieren und das erneute Einschleppen aus Osteuropa dauerhaft zu unterbinden, könne ein weitgehender Einbruch der hiesigen Schweinehaltung verhindert werden. "Für den Menschen ist die Afrikanische Schweinepest demgegenüber absolut ungefährlich. Der Verzehr von Schweinefleisch bleibt auch zukünftig völlig unbedenklich", betont Ulrich Peper. Landwirtschaftskammer sieht "direkte Existenzgefährdung"

Autor:

Christoph Ehlermann aus Salzhausen

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