Bürger wollen Baggerstopp
Tangendorfer fühlen sich bei Kiesabbau-Plänen ungenügend einbezogen

Vor dem an einer Hauswand in Tangendorf prangenden XXL-Logo der Baustopp-Bürgerinitiative (v. li.): die BI-Mitglieder Johannes Bünger, Dr. Linda Holste und Nele Braas
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  • Vor dem an einer Hauswand in Tangendorf prangenden XXL-Logo der Baustopp-Bürgerinitiative (v. li.): die BI-Mitglieder Johannes Bünger, Dr. Linda Holste und Nele Braas
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ce. Tangendorf. Der vom Garstedter Kieswerk Lütchens über einen Zeitraum von etwa 30 Jahren geplante Kiesabbau im Bereich zwischen den Gemeinden Garstedt, Wulfsen und Toppenstedt solle "von einer verlässlichen, kontinuierlichen und transparenten Kommunikation zwischen Bürgern, Politik und Verwaltung begleitet werden", hatten das Unternehmen sowie die Verwaltungschefs der beteiligten Kommunen kürzlich gemeinsam erklärt (das WOCHENBLATT berichtete). "Von dieser Transparenz ist derzeit für uns wenig zu spüren", ärgern sich Johannes Bünger (43) aus Tangendorf und weitere in dem Toppenstedter Ortsteil lebende Mitglieder der "Bürgerinitiative Auetal - Baggerstopp in Tangendorf!". Sie befürchten, dass der Kiesabbau vor ihrer Haustür schon "beschlossene Sache" und das große Waldgebiet im Auetal damit bald Geschichte ist.
Die angedachte Erweiterung der bestehenden, etwa 44 Hektar großen Kiesabbaufläche bei Tangendorf um weitere 45 Hektar hatte auch in der jüngsten Sitzung des Toppenstedter Gemeinderates zur Debatte gestanden. Dort erklärten einige anwesende Bürger, dass sie sich von den Plänen überrumpelt fühlten. Bürgermeister Heinrich Nottorf kündigte an, die Dimensionen des Vorhabens und offene Fragen sollten unter anderem unter Einbeziehung der Bürger in einer moderierten Dorfentwicklungsplanung im Rahmen des Projektes "Zukunftswerkstatt" erörtert werden.
"Die Bürgerbeteiligung ist nur vorgesehen bei der Frage, wie die Nachnutzung der Abbaufläche aussehen könnte, nicht aber bei der Frage, ob die Erweiterung des Abbaus überhaupt stattfinden soll", mutmaßt Johannes Bünger gegenüber dem WOCHENBLATT. "Unsere BI würde ein Gespräch mit allen beteiligten Bürgermeistern begrüßen, um sich direkt über das Thema auszutauschen."
"Wir sind nicht grundsätzlich gegen einen Kiesabbau", stellt BI-Mitglied Dr. Linda Holste (43) klar. "Aber warum soll die Kuhle bei uns erweitert werden, obwohl sie an ein Naturschutzgebiet grenzt, dass bei einem etwaigen Nassabbau trockenfallen würde? Warum schöpft man vor einem Ausbau nicht erstmal die Ressourcen auf dem bestehenden Gelände aus, die noch für Jahrzehnte reichen dürften", fragt sich Holste. Das Regionale Raumordnungsprogramm (RROP) des Landkreises Harburg gebe darauf unbefriedigende, weil widersprüchliche Antworten. Dort heißt es, die Fläche bei Tangendorf besitze ein "hochwertiges Landschaftsbild", die Eignung als Erholungsgebiet sei "hoch", und ohne einen weiteren Abbau könnte die Fläche "zu einem früheren Zeitpunkt rekultiviert" werden. Gleichzeitig wird festgestellt, dass das Areal "durch die bestehende Abgrabung vorgeprägt" sei und daher "erhebliche nachteilige Umweltauswirkungen überwiegend bereits eingetreten" seien.
"Wir halten es für fatal, die bereits entstandenen Schäden als Grund zu nehmen, weshalb vor Ort noch mehr Kies abgebaut werden soll", so Linda Holste.
Die ebenfalls zur BI gehörende Nele Braas (67) erinnert sich an den Beginn des Kiesabbaus in Tangendorf vor rund 30 Jahren. "Damals wurde versprochen, dass nur ein Teil des Kiefernwaldes vom Abbau betroffen und der größte Teil nicht gefährdet sei. Nun heißt es im RROP, dass durch das geplante Vorhaben mit einem langfristigen Verlust des ganzen Waldes zu rechnen ist", macht Braas ihrem Unmut Luft. "Da muss doch geprüft werden, ob sich die Pläne in Tangendorf mit dem Naturschutz vertragen."
Unterdessen hat die "Baggerstopp"-BI rund tausend Mitglieder aus Tangendorf, Toppenstedt, Garstedt und Wulfsen. "Bei so einem großen Projekt müssen rechtzeitig klare Fakten geschaffen und alle Betroffenen einbezogen werden", mahnt schließlich Johannes Bünger. "Sonst wird die schon bestehende Politikverdrossenheit vieler Bürger und das Misstrauen gegenüber den Mandatsträgern immer größer."
• Mehr Infos zur Bürgerinitiative unter www.dieaue.de.

Das sagen die Gemeinde Toppenstedt und der Landkreis

- (ce).  "Das Verfahren zum Kiesabbau wird vom Landkreis Harburg gesteuert. Hierbei werden Bürger und Gemeinde gleichermaßen beteiligt. Es ist falsch, zu behaupten, die Gemeinde würde Bürger hier lediglich zu Teilbereichen beteiligen", nimmt Toppenstedts Bürgermeister Heinrich Nottorf auf WOCHENBLATT-Anfrage Stellung zum von der Bürgerinitiative erhobenen Vorwurf der mangelnden Einbeziehung der Tangendorfer. Die ursprünglich für den 25. Mai anberaumte Sitzung des Gemeinderates solle voraussichtlich auf Mitte Juni verlegt werden und sich erneut mit dem Kiesabbau befassen. "Ich hoffe, im Zuge weiter rückläufiger Inzidenzwerte in einer Präsenzsitzung mit mehr Bürgern ins konstruktive Gespräch zu kommen, als das in der Pandemie-Zeiten der Fall ist", so das Gemeindeoberhaupt. Mit Blick auf die vorige Ratssitzung ergänzt er: "Auf der Tagesordnung war zu keinem Zeitpunkt - wie fälschlicherweise behauptet wird - das Thema Beschlussfassung zum Kiesabbau angesetzt."
Nottorf betont, er habe den "Wunsch, dass mit Bürgern und BI ein konstruktives, respektvolles Miteinander dazu führt, ein gutes Ergebnis für Tangendorf und unsere Nachbargemeinden zu erarbeiten".
"Der Landkreis wird im Zuge des Planverfahrens eine Vorprüfung vornehmen, ob es durch den erweiterten Kiesabbau in Tangendorf Beeinträchtigungen für die Natur geben könnte", erklärt Landkreis-Pressesprecherin Katja Bendig gegenüber dem WOCHENBLATT. "Sofern Beeinträchtigungen nicht ausgeschlossen werden können, wird es in dem Bereich eine genaue Fauna-und-Flora-Habitat(FFH)-Verträglichkeitsprüfung geben." Das sagen die Gemeinde Toppenstedt und der Landkreis

Vor dem an einer Hauswand in Tangendorf prangenden XXL-Logo der Baustopp-Bürgerinitiative (v. li.): die BI-Mitglieder Johannes Bünger, Dr. Linda Holste und Nele Braas
Autor:

Christoph Ehlermann aus Salzhausen

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