So viel Luftfahrt steckt in den Landkreisen Stade und Harburg

Diese Collage der syrphus GmbH zeigt, wie die Drohne der Feuerwehr bei einem Brand einen Überblick verschaffen könnte
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Die Luftfahrtunternehmen der ganzen Welt präsentieren sich nächste Woche in Berlin. In der Region Stade/Harburg spielt die Luftfahrt eine bedeutende Rolle. Airbus und viele mittelständische Unternehmen sorgen für Innovationen

(ts). Bei der Internationalen Luft- und Raumfahrtausstellung (ILA) vom 25. bis 29. April in Berlin zeigen mehr als 1000 Aussteller ihre neuesten Technologien. 30.000 Menschen arbeiten in Niedersachsen in der Luftfahrtbranche. Das Bundesland bildet zusammen mit Hamburg und Bremen den drittgrößten zivilen Luftfahrtstandort der Welt. Die Landkreise Stade und Harburg sind ein wichtiger Bestandteil dieser Luftfahrt-Gemeinschaft. Seitenleitwerke für alle Airbus-Flugzeugtypen, Testgeräte für Lufthansa und Drohnen, die Dächer inspizieren: Dafür und viel mehr steht der Luftfahrtstandort Stade/Harburg.
Um die Airbus-Werke in Stade und Buxtehude haben sich Unternehmen auf verschiedene Technologien spezialisiert. Zusätzlich zu diesem industriellen Komplex haben sich kleine und mittelständische Unternehmen in der Allgemeinen Luftfahrt (Fachjargon: General Aviation) etabliert. Sie entwickeln kleine Flugzeuge oder sind Dienstleister für verschiedene Luftfahrtunternehmen.

Die kleinen Unternehmen bringen Innovation in den Markt

"Diese kleinen Unternehmen bringen schnell Innovation in den Markt", beschreibt Norbert Steinkemper ihre Bedeutung. Der Projektmanager der Landesinitiative Niedersachsen Aviation, der in Winsen lebt, vermittelt Kontakte, bringt die Unternehmen der Branche zusammen und fördert den Wissenstransfer. Niedersachsen Aviation ist die Initiative des Landes Niedersachsen zur Unterstützung der Luft- und Raumfahrtindustrie.
Diese Beispiele zeigen, wie viel Luftfahrt in den Landkreisen Stade und Harburg steckt:
Mit annähernd 2.000 Mitarbeitern ist Airbus der größte Arbeitgeber im Landkreis Stade. Dazu kommen 500 Beschäftigte in den Zulieferbetrieben. Stade gilt als das Kompetenzzentrum für ultraleichte Kohlenstoffaser-Verbundwerkstoffe (CFK) und fertigt Seitenleitwerke, die Heckflossen eines Flugzeugs, für alle Airbus-Modelle.
Um das Airbus-Werk in Stade herum haben sich viele Unternehmen angesiedelt, die im Flugzeugbau tätig sind. Ihre Bedeutung gilt als immens. So beschäftigt allein der spanische Maschinenbauer M Torres in seiner Stader Niederlassung etwa 80 Mitarbeiter. Er baut Maschinen zum Ablegen von Kohlefasern.
Welche Innovationskraft in der Luftfahrtbranche steckt, zeigt das Beispiel der Oellerich GmbH. Im Umfeld des Stader Airbus-Werkes hat sich der Malerbetrieb entwickelt und ist heute ein Spezialist für die Oberflächenbearbeitung von CFK-Bauteilen.

Das Airbus-Werk in Buxtehude gilt als Kronjuwel

Mit 350 bis 400 Mitarbeitern bildet das Airbus-Werk in Buxtehude zwar den kleinsten Standort des Flugzeugbauers, gilt aber als "Kronjuwel". In Buxtehude produziert Airbus Kabinenmanagementsysteme. Sie sorgen zum Beispiel dafür, dass Fluggäste Licht zum Lesen haben oder Filme schauen können.
Die KID Systeme GmbH in Buxtehude ist eine hundertprozentige Airbus-Tochter, entwickelt aber auch Produkte und Software, unter anderem für den großen Konkurrenten Boeing und andere Flugzeugbauer. Experten erwarten, dass KID Systeme die Zukunft des Fliegens prägen wird. "KID entwickelt Systeme für die Kabinenelektronik, Streaming-Dienste an Bord sowie Systeme für die Sicherheit im Flugzeug - allesamt Zukunftsfelder für die Luftfahrt", sagt Norbert Steinkemper.
Airbus-Zulieferer in Buxtehude sind die ProTec GmbH, die an der Programmierung verschiedener Integralbauteile von Flugzeugen der Airbus-Flotte beteiligt ist, und die Claudius Peters Projects GmbH, die Bauteile produziert, die für Stabilität und Aerodynamik sorgen.

JH Aircraft entwickelt ultraleichtes Flugzeug für den Mittelstand

Die JH Aircraft GmbH in Buxtehude lässt die Idee des fliegenden Individualverkehrs für den Mittelstand Gestalt annehmen. Der Luft- und Raumfahrttechniker Jörg Hollmann entwickelt mit Förderung des Landes Niedersachsen einen nur 120 Kilo leichten Hochleistungsflieger, der mit voraussichtlich bis zu 60.000 Euro weniger kosten wird als ein Auto der Oberklasse. Die "Corsair" mit 7,50 Meter Spannweite kommt in Gestalt ihres legendären historischen Vorbilds dahor: das gleichnamige berühmte Jagdflugzeug mit dem markanten Knickflügel aus dem Zweiten Weltkrieg. Die neue, zivile Corsair ist um 40 Prozent kleiner.
Die Herbert Dammann GmbH in Buxtehude, eigentlich ein Pflanzenschutztechnik-Unternehmen, produziert eine Maschine, die Rollfelder und Parkplätze auf Flughäfen enteist und ist damit von großer Bedeutung für den Luftverkehr. Zum Einsatz kommt sie auch am Hamburg Airport.
Im Gegensatz zu Stade und Buxtehude fehlen im Landkreis Harburg zwar die auffälligen großen Produktionsstätten. Aber einige Dienstleister und Entwickler haben sich hier angesiedelt, deren Innovationskraft beachtlich ist. Das österreichische Unternehmen Test-Fuchs baut Geräte, mit denen Flugzeugsysteme geprüft werden. Einen Wartungsbetrieb mit 13 Mitarbeitern betreibt das internationale Luftfahrtunternehmen in Neu Wulmstorf. Zu den Kunden zählen Airbus, Lufthansa Technik, MTU oder Rolls-Royce. Im vergangenen Jahr ist Test-Fuchs in Österreich mit einem Innovationspreis ausgezeichnet worden. Das Unternehmen entwickelte ein neues Gerät zur Entfeuchtung der Hydraulikflüssigkeit in Verkehrsflugzeugen.

Start-up aus Buchholz entwickelt eine Drohne

Das Start-up Syrphus GmbH mit Standorten im ISI-Zentrum in Buchholz sowie in München entwickelt unbemannte Luftfahrzeuge. Die robuste Drohne Syrphus Airframe kann nach Angaben des Unternehmens 45 Minuten in der Luft bleiben. Ihre Anwendung sieht Firmenchef Andreas Voss im Katastrophenschutz, zum Beispiel bei der Bekämpfung von Bränden, oder bei der Inspektion von Windkraftanlagen und Hochspannungsleitungen. Syrphus berät zudem bei Genehmigungen für professionelle Drohneneinsätze. Acht Mitarbeiter hat das Unternehmen - Tendenz steigend. Der Standort im ISI Zentrum in Buchholz werde bald zu klein sein, sagt Andreas Voss, ein Elektrotechniker mit Affinität zur Luftfahrt.
Der Ingenieurdienstleister QRelation in Jesteburg berät Unternehmen aus den Branchen Luftfahrt, Energie, Eisenbahn und Transport bei Projekten. Das Beraternetzwerk der Jesteburger sei bei vielen großen Zulieferern der Luftfahrt mit im Boot, sagt Norbert Steinkemper.
Die S & D Spezialstahl mit Hauptsitz in Stelle und weiteren Standorten in Frankreich, England, Italien und China handelt mit Spezialwerkstoffen - auch für die Luftfahrt.
Der Landkreis Harburg hat vor allem noch aus einem Grund eine erhebliche Bedeutung für die Luftfahrt: "Etwa 60 Prozent der 13.000 Mitarbeiter bei Airbus in Hamburg-Finkenwerder wohnen in Niedersachsen, ein Großteil davon im Landkreis Harburg", sagt Norbert Steinkemper.

Info: Die Luftfahrt in Niedersachsen

(ts). 30.000 Menschen arbeiten in Niedersachsen in der Luftfahrtbranche. Niedersachsen, Hamburg und Bremen bilden zusammen den drittgrößten Flugzeugbau-standort der Welt.
Mehr als 250 Unternehmen sind mit der Luftfahrt verbunden. Im Leichtbau mit Kohlenstofffaser-Verbundwerkstoffen ist der Standort Stade herausragend.
Mit 52 Forschungseinrichtungen an acht Universitäten und fünf Großforschungseinrichtungen ist Niedersachsen der führende Forschungsstandort in Deutschland.

Autor:

Thomas Sulzyc aus Seevetal

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