Lebendiges Dorf
Warum der Schützenverein Moor mehr Mitglieder als der Ort Einwohner hat

Wilfried Meyer (v. li.), Ute Goes, Olaf Schmerling und Ernst-Otto Willuhn lieben die Landschaft
und das Leben in Moor Fotos (4): ts
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  • Wilfried Meyer (v. li.), Ute Goes, Olaf Schmerling und Ernst-Otto Willuhn lieben die Landschaft
    und das Leben in Moor Fotos (4): ts
  • hochgeladen von Thomas Sulzyc

ts. Groß Moor/Klein Moor. Eigentümer auf neun Grundstücken in Klein und Groß Moor dürfen zusätzliche Wohnhäuser errichten. Das hat der Seevetaler Gemeinderat beschlossen. Die winzigen Siedlungen, zusammen haben sie gerade einmal 93 Einwohner, geraten naturgemäß selten in den Fokus der Öffentlichkeit. Zu Unrecht, wie ein Besuch in Moor zeigt.
Lediglich vier Straßen bilden das Wegenetz von Klein und Groß Moor. Mehr Wassergräben durchziehen die flache Landschaft. Moor eben. Aber der Weg lohnt sich. Allein das Schild am Straßenrand mit dem Hinweis, sich beim Eierkauf (Freilandhaltung natürlich) selbst zu bedienen, macht deutlich: Hier ist die Welt so herrlich in Ordnung.
Kurios: Groß Moor ist mit 39 Einwohnern kleiner als Klein Moor (54 Einwohner). Eine Erklärung hat auch Olaf Schmerling, als Pressewart des Schützenvereins und der freiwilligen Feuerwehr ansonsten bestens informiert, nicht. Eine Rivalität zwischen den beiden Ortschaften gibt es nicht: "Wir sehen uns als Einwohner von Moor", sagt Schmerling, der in Groß Moor lebt.
Erstaunlich ist auch eine zweite Besonderheit: 93 Einwohner zählt Moor, der Schützenverein aber hat 195 Mitglieder. "Weil wir tolle Feste ausrichten und eine gute Gemeinschaft bilden", erklärt der Vereinsvorsitzende Wilfried Meyer, warum Auswärtige sich dem Verein anschließen.
Die Feierlichkeiten in Moor sind überregional bekannt. Veranstalter sind der Schützenverein und die Freiwillige Feuerwehr (44 aktive Kameraden). Die Feiern im Dorf sind legendär, denn halbe Sachen macht der Moorer nicht. Zur Après-Ski-Party errichtete der Schützenverein auf dem flachen Land einen Rodelberg und brachte eine Schneekanone in Stellung. "Beim Frühschoppen mit Blasorchester tanzen die Gäste um 11 Uhr vormittags auf den Tischen", sagt Wilfried Meyer.
Überregional bekannt ist Moor auch für sein Oldtimer-Traktor-Pulling, dass die Feuerwehr alle zwei Jahre im Mai (das nächste Mal in 2020) auf dem sogenannten Treckerplatz ausrichtet. Bei der wohl verrücktesten Motorsportart muss ein mit Gewichten beladener Wagen mit einem Traktor möglichst weit geschleppt werden. "Im nächsten Jahr planen wir dazu ein Traktor-Kino", kündigt Olaf Schmerling an.
Fünf Kneipen zwischen Harburg und Ende des Großmoordamms habe Moor in den 1950er-Jahren gehabt, weiß Ernst-Otto Willuhn. Die letzte hätten seine Eltern betrieben und 1979 geschlossen. Eigene Wirtschaftsgüter produziert das kleine Moor: Kartoffeln, Eier, Weihnachtsgänse, Heu für Pferde. Ein früherer Landwirt betreibt eine Hochzeitskutsche. Wilfried Meyer züchtet Rinder.
Was macht das Leben in Moor zu besonders? "Die Gemeinschaft ist eine tolle Sache", antwortet Olaf Schmerling. "Ich genieße die Weite der Landschaft."

Autor:

Thomas Sulzyc aus Seevetal

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