NS-Vergangenheit
Große Mehrheit im Kreistag will Neustart der Kunststätte Bossard

Erste Projektskizzen zur Erweiterung der Kunststätte Bossard zeichneten dieses Bild vom Eingang
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  • Foto: Frenzel und Frenzel
  • hochgeladen von Thomas Sulzyc

(ts). Die große Mehrheit im Kreistag des Landkreises Harburg wünscht einen Neustart bei der Entwicklung der Kunststätte Bossard in Jesteburg-Lüllau zu einer "Kunsthalle der Lüneburger Heide". Das machten Sprecher von CDU und Landrat Rainer Rempe (CDU) in einer langen Debatte am Donnerstagnachmittag deutlich.
Zwar soll der geplante Ausbau, den der Landkreis Harburg mit insgesamt zwei Millionen Euro mitfinanzieren will, solange ruhen, bis Wissenschaftler die antisemitische Haltung Johann Bossards und seine Rolle in der Zeit des Nationalsozialismus neu bewertet haben. Sprecher von CDU machten aber deutlich, dass sie keine neuen Erkenntnisse erwarten, die grundsätzlich die Kunststätte infrage stellen könnten.
Kaum jemand heute könne von sich behaupten, dass er in der Zeit des Nationalsozialismus Widerstandskämpfer gewesen wäre, sagte Hans-Heinrich Aldag (CDU). Johann Bossard sei seiner Ansicht nach kein "absoluter Antisemit" gewesen. Er habe vielmehr eine Haltung gehabt wie viele Menschen zu dieser Zeit. "Wir werden erforschen müssen, was an den Vorwürfen dran ist", sagte Hans-Heinrich-Aldag.
Was ihn störe, sei das Kleinreden des künstlerischen Schaffens Johann Bossards. "Wir haben im Landkreis eines der bedeutendsten Gesamtkunstwerke Europas. Wollen wir uns das versauen lassen?", verteidigte der CDU-Politiker die geplante Entwicklung der Kunststätte Bossard.
Kritiker dagegen haben Zweifel an der Bedeutung des künstlerischen Schaffens Johann Bossards. Sein Werk mag in der Fachwelt anerkannt sein - in der Öffentlichkeit aber keine Beachtung finden. "Ist die Öffentlichkeit überhaupt an der Kunststätte interessiert?", fragte Volkmar Block (Die Grünen).
Für Klaus-Dieter Feindt (SPD) sei unstrittig, dass Johann Bossard ein Antisemit gewesen sei. Das verurteile er. Seiner Ansicht nach habe Johann Bossard aber keine "Nazi-Kunst" geschaffen. Am Ende blieben die Kritiker im Kreistag deutlich in der Minderheit und konnten keinen Grundsatzbeschluss herbeiführen, auf die geplante Erweiterung der Kunststätte Bossard zu verzichten.
Einen Neustart verteidigte Christian Horend (CDU) in einem zehn Minuten langen Plädoyer. Er halte es für falsch, ein Projekt vorzeitig zu begraben, bevor es richtig begonnen habe. Die Kunststätte Bossard sei in Verruf geraten, obwohl es seiner Meinung nach weder neue Erkenntnisse noch eine sachliche Debatte gegeben habe. Aus einem leisen Rauschen im Blätterwald sei ein Orkan geworden. "Aber ein bisschen Wind hält ein Norddeutscher aus", sagte Horend. Deshalb spreche sich die CDU für einen unbelasteten Neuanfang aus.
Wie der aussehen könnte, machte Landrat Rainer Rempe deutlich: Auf die zugesagte Förderung des Bundes in Höhe von 5,8 Millionen Euro solle der Landkreis nicht verzichten. Immerhin habe der Landkreis Harburg eine Verpflichtung, die Kunststätte Bossard zu erhalten und der Öffentlichkeit zugänglich zu machen. Über die Art des Ausbaus in Betonarchitektur oder die Größe könne man reden. Die erste Projektskizze, die in der Öffentlichkeit auf Kritik gestoßen war, wäre nie in dieser Form in allen Details verwirklicht worden.
Damit machte die Debatte im Kreistag deutlich: Die Planung zur Erweiterung der Kunststätte Bossard wird eine andere sein. 598 Corona-Verstöße angezeigt (ts). In der Bußgeldstelle des Landkreises Harburg sind bisher insgesamt 598 Anzeigen wegen Verstößen gegen die Corona-Regeln eingegangen. Davon erreichten 57 Verfahren die Staatsanwaltschaft. 121 Bußgeldbescheide seien erlassen worden, 28 Verfahren wurden eingestellt. Das berichtete Landrat Rainer Rempe am vergangenen Donnerstag im Kreistag des Landkreises Harburg.
Die Vorgaben der Landes-regierung zur Eindämmung der Coronavirus-Pandemie und die Ausnahmen zur Lockerung seien mittlerweile zu einem unübersichtlichen Katalog angewachsen, der der Kreisverwaltung Schwierigkeiten bereite. "Es ist immer schwieriger, sich durch den Wust der Verordnungstexte zu arbeiten", beschwerte sich Rainer Rempe. Er appellierte an die Landesregierung, die Verordnungskatalog deutlich zu verschlanken.

Autor:

Thomas Sulzyc aus Seevetal

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