"Vieles könnte einfacher sein": SPD-Bundestagsabgeordnete Svenja Stadler im WOCHENBLATT-Interview

Würde sich in Berlin oft weniger Bürokratie und einfachere Abläufe wünschen: Svenja Stadler
  • Würde sich in Berlin oft weniger Bürokratie und einfachere Abläufe wünschen: Svenja Stadler
  • hochgeladen von Katja Bendig

(kb). Seit 20 Wochen schnuppert Svenja Stadler Berliner Luft: Die 37-Jährige wurde bei der Wahl im vergangenen September für die SPD in den Bundestag gewählt, ist seit Kurzem im Ausschuss für Familie, Senioren, Frauen und Jugend. Mit ihrer Familie lebt sie in Glüsingen - und jetzt auch jede zweite Woche in Berlin. Ein Spagat, der nicht immer leicht ist.
WOCHENBLATT: Frau Stadler, haben Sie sich inzwischen in Berlin eingelebt?
Svenja Stadler: Ja. Nachdem ich am Anfang "Asyl" im Büro einer anderen Abgeordneten bekommen habe, habe ich jetzt meine eigenen Räume und eine kleine Wohnung. Für die Einrichtung des Büros bekommt man übrigens eine Möbelberatung - das muss alles zum architektonischen Stil des Hauses passen.
WOCHENBLATT: Wie sieht Ihr Tagesablauf als Abgeordnete aus?
Svenja Stadler: Das kommt darauf an. Ich bin immer abwechselnd eine Woche in meinem Wahlkreis, wo ich u.a. an Veranstaltungen teilnehme, mich zu Gesprächen treffe und mich auf die Themen in der Region konzentriere und dann folgt eine Sitzungswoche in Berlin. Mein Bürotag fängt um 7 Uhr an. Ich nehme an Arbeitsgruppen, Fraktions-, Ausschuss- und Plenumssitzungen teil. Außerdem arbeite ich mich in meine Schwerpunktthemen ein, zu denen u.a. "bürgerschaftliches Engagement" und "Neue Medien" gehören, und bereite diese für die Sitzungen auf. Wenn man wollte, könnte man sich dann noch jeden Abend mit Interessengruppen oder anderen Abgeordneten treffen. Ich versuche dabei immer, die Informationen in den Vordergrund zu stellen und mir einen Abend in der Woche frei zu halten.
WOCHENBLATT: Kommt die Familie da nicht zu kurz?
Svenja Stadler: In den Sitzungswochen bringe ich meine Kinder montags noch in die Kita, bevor ich mich in den Zug nach Berlin setze, und freitags hole ich sie wieder ab. Außerdem sind wir jeden Abend zum Video-Telefonieren verabredet. Manchmal heißt es dann auch: "Mama, wir haben keine Zeit. Wir malen gerade..." Da muss man dann kurz schlucken.
WOCHENBLATT: Viele sprechen vom Bundestag als eine Art "Käseglocke". Ist da was dran?
Svenja Stadler: Das ist wirklich eine ganz eigene Welt. Wir haben eigene Geldautomaten, Restaurants, einen Arzt, einen Schuhservice - wer nicht will, muss die "Käseglocke" nicht verlassen. Der Verwaltungsapparat ist riesig und viele Abläufe wahnsinnig langatmig. Oft hört man dann, das sei schon immer so gewesen. Für mich ist das kein Argument. Vieles könnte einfacher und direkter geregelt werden.
WOCHENBLATT: Was sind Ihre Ziele?
Svenja Stadler: Natürlich möchte ich unsere sozialdemokratischen Anliegen voranbringen - Mindestlohn, gleiche Bezahlung von Männern und Frauen, eine größere Wertschätzung des Ehrenamtes, verbesserter Datenschutz. Ich möchte den Bürgern beweisen, dass sie mir ihr Vertrauen zu Recht ausgesprochen haben. Grundsätzlich versuche ich mir meine Ehrlichkeit und Authentizität zu bewahren. Ich habe jetzt erst einmal vier Jahre und da möchte ich möglichst viel bewegen.
WOCHENBLATT: Ihnen ist auch wichtig, den Kontakt zu den Bürgern zu halten...
Svenja Stadler: Ja. Deshalb biete ich einmal im Monat eine Bürgersprechstunde in meinem Wahlkreisbüro in Winsen an und wenn Bürger mir per E-Mail Fragen stellen, rufe ich auch gern zurück. Dann ist das Erstaunen meist groß. Ich finde im persönlichen Gespräch lässt sich vieles einfacher klären. Diesen direkten Draht will ich beibehalten.
WOCHENBLATT: Vielen Dank für das Gespräch.

• Nächste Bürgersprechstunde: Mittwoch, 5. März, in Winsen (Marktstr. 34).

Autor:

Katja Bendig aus Seevetal

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