Interview
Was wird aus unserem Urlaub, Herr Althusmann?

Unter Beachtung der Corona-Abstandsregel führt Wirtschaftsminister Bernd Althusmann (li.) in seinem Wahlkreisbüro mit WOCHENBLATT-Redakteur Thomas Sulzyc ein Gespräch
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(ts). Niedersachsens Wirtschaftsminister Bernd Althusmann (CDU) erachtet es als notwendig, dem Tourismus und dem Gastgewerbe im Land eine Perspektive zu bieten. In drei behutsamen Schritten könne es bis zum Sommer möglich sein, dass Betriebe wieder Gäste empfangen dürfen, sagte Bernd Althusmann im Gespräch mit WOCHENBLATT-Redakteur Thomas Sulzyc in seinem Wahlkreisbüro in Seevetal-Fleestedt.
WOCHENBLATT: Welche Sorge ist bei den Menschen, mit denen Sie sprechen, größer: die um die eigene Gesundheit oder die um die wirtschaftliche Existenz?
Bernd Althusmann: Mich als Wirtschaftsminister erreichen vor allem Anfragen von Unternehmen und Selbstständigen. Damit verbunden sind Sorgen um die wirtschaftliche Existenz und Furcht vor Arbeitslosigkeit. In der Gastronomie und im Beherbergungsgewerbe sind diese Sorgen besonders ausgeprägt. Bund und Länder helfen mit Zuschüssen und Krediten. Mittlerweile haben 195.000 Unternehmen und Selbstständige Anträge gestellt. Wir werden aber nicht alle Betriebe, die in Existenznot geraten, retten können.
In Deutschland haben wir das beste Gesundheitssystem der Welt. Wir werden aber noch mit dem Coronavirus leben müssen. Deshalb sollten wir besonnen mit den Maßnahmen zur Lockerung der Infektionsschutzvorschriften umgehen.
WOCHENBLATT: Können Sie dem Hotel- und Gastgewerbe in Niedersachsen ein wenig Hoffnung machen, dass die Betriebe kurz- oder mittelfristig wieder öffnen dürfen?
Bernd Althusmann: Tourismus und Gastgewerbe bilden eine starke Säule der niedersächsischen Wirtschaft. 293.000 Menschen sind in den Branchen in Niedersachsen beschäftigt. Mit rund 10 Milliarden Euro im Jahr tragen sie zur Wirtschaftskraft des Landes bei. Mit der Corona-Pandemie sind sie durch behördliche Anordnung aus der Bahn geraten.
Die Wirtschaftsminister der Länder und des Bundes haben entschieden, stufenweise die Einschränkungen im Tourismus, in der Hotellerie und in der Gastronomie zu lockern. Weil die Länder unterschiedlich stark von der Pandemie betroffen sind, können die Öffnungsschritte jeweils anders ausfallen. Details dazu werden die Wirtschaftsminister bis zum 6. Mai festlegen.
In einem ersten Schritt könnten das Camping und die Vermietung von Ferienwohnungen erlaubt werden. In einem zweiten Schritt würde im Laufe des Mai oder Juni die Außengastronomie unter strengen Maßgaben des Abstandsgebots folgen. Ein dritter Schritt wäre dann der vorsichtige Einstieg in die Öffnung der Hotels. Ich halte es für zwingend notwendig, dem Tourismus und dem Gastgewerbe eine Perspektive zu geben. Ein Besuch im Biergarten zum Beispiel, wenn auch unter Auflagen des Infektionsschutzes, kann den Menschen einen Ausgleich zu den Beschränkungen des Kontaktverbots bieten.
WOCHENBLATT: Werden wir in den Sommerferien in Niedersachsen Urlaub am Strand oder im Gebirge machen dürfen?
Bernd Althusmann: Niedersachsen ist eines der schönsten Urlaubsländer der Welt. Die Zahl der Menschen in Hotels und Pensionen wird sicher beschränkt sein müssen. Aber ich hoffe sehr, dass es uns gelingt, bis zu den Sommerferien ein Stück weit zur Normalität zurückzukehren.
WOCHENBLATT: Die Fahrgastzahlen in den öffentlichen Verkehrsmitteln sind deutlich zurückgegangen. Wie kann das Vertrauen der Menschen in Busse und Bahnen wieder hergestellt werden?
Bernd Althusmann: Für viele Menschen im ländlichen Raum ist der öffentliche Personennahverkehr unverzichtbar. Indem wir Hygienestandards setzen, wie zum Beispiel das Tragen von Mund- und Nasenschutz, um Infektionen zu vermeiden, wird das Vertrauen in die Nutzung von Bussen und Bahnen zurückkehren. Ich bin davon überzeugt, dass die öffentlichen Verkehrsmittel wieder die Bedeutung erhalten, die sie vor Ausbruch der Pandemie hatten.
WOCHENBLATT: Wie erleben Sie privat die Corona-Krise?
Bernd Althusmann: Unsere Familie lebt auf Abstand. Die Kontaktsperre bedeutet eine enorme Belastung. Meine ältere Tochter studiert in Bonn, mein ältester Sohn in Emden - beide sind wegen der Infektionsschutzvorschriften zu Ostern nicht zu Besuch gekommen. Mit meiner Mutter telefoniere ich einmal am Tag.
Meine Schwiegermutter lebt in einem Altenheim. Ich lasse zurzeit prüfen, ob Niedersachsen die Altenheime mit Tablets ausstatten kann. Dann können die Menschen ihre Angehörigen zumindest wieder aus der Distanz sehen.

Autor:

Thomas Sulzyc aus Seevetal

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