Management des Veranstaltungszentrums in der Kritik
Burg Seevetal: Top-Caterer hört auf

Gastronom Frank Wiechern (re.) und Veranstaltungsmanager Matthias Graf vor dem Eingang des Restaurants "Leuchtturm"
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ts. Hittfeld. Die ursprüngliche Ambition der Gemeinde Seevetal, das für 6,9 Millionen Euro sanierte Veranstaltungszentrum Burg Seevetal zu einer kulinarischen Premium-Adresse im Landkreis Harburg zu entwickeln, hat einen schweren Dämpfer erlitten. Caterer Frank Wiechern wird seinen Vertrag mit der Gemeinde Seevetal, der am 31. Oktober endet, nicht verlängern. Sein Restaurant "Leuchtturm" gilt als eine der besten Gastro-Adressen im Hamburger Süden. Davon sollte die Burg Seevetal profitieren - doch es kam anders.

Dass ein Gastronom freiwillig ein wirtschaftliches Standbein aufgibt, ist mit Blick auf die drastischen Umsatzeinbußen der Branche seit Ausbruch der Corona-Krise höchst erstaunlich. Der Umsatz im Gastgewerbe lag laut dem Statistischen Bundesamt im Zeitraum von März 2020 bis Januar 2021 um 47,1 Prozent unter dem Vorjahreszeitraum. Erholt hat sich die Branche bis heute nicht.

Dennoch verzichtet Frank Wiechern auf eine weitere Bewirtung der Burg Seevetal. So, wie die Gemeindeverwaltung das Management des kommunalen Veranstaltungszentrums betreibe, sei ein wirtschaftlicher Erfolg ausgeschlossen, sagen der Gastronom und sein Geschäftspartner Matthias Graf aus Hittfeld. Sie werfen dem Burg-Management fehlendes unternehmerisches Denken vor. Eine bürokratische Haltung verhindere, rentable Veranstaltungen durchzuführen und somit Spitzenküche aufzutischen. Das Fazit der Gastronomen: "Die Gemeinde verhindert ihren eigenen Erfolg

Die Lockdowns in der Corona-Krise hat das am Harburger Außenmühlenteich gelegene Restaurant "Leuchtturm" überstanden. "Weil wir wirtschaften können", sagt Gastronom Frank Wiechern selbstbewusst. Genau aus diesem Grund verlängert er den am 31. Oktober auslaufenden Catering-Vertrag zur Bewirtung des Veranstaltungszentrums Burg Seevetal in Hittfeld mit der Gemeinde Seevetal nicht. Mit Blick auf die mangelnde persönliche Leistungsfähigkeit der Vermarktungsabteilung für die Räumlichkeiten in der Burg Seevetal habe ein weiteres Engagement keine Aussicht auf wirtschaftlichen Erfolg, hat Frank Wiechern der Gemeindeverwaltung in einem Schreiben mitgeteilt.

Diese Begründung ist ein Donnerschlag und Weckruf zugleich. Gastronom Frank Wiechern und sein Veranstaltungsmanager Matthias Graf werfen dem Burg-Management fehlendes unternehmerisches Denken vor. "Der unternehmerische Geist liegt im Koma", sagt Matthias Graf. Frank Wiechern und er erkennen bei der Gemeinde Seevetal keine Bereitschaft, gemeinsam mit ihnen ein auf Erfolg ausgerichtetes Gesamtkonzept zu entwickeln.

Stattdessen würde an fehlendem betriebswirtschaftlichen Denken und einer bürokratischen Haltung jede Initiative scheitern, eine Spitzenküche in der Burg Seevetal zu etablieren und das gemeindeeigene Veranstaltungszentrum mit möglich wenig Verlust zu betreiben.

Das Defizit im Kalenderjahr 2019 (das letzte Geschäftsjahr vor der Corona-Krise) betrug etwa 420.000 Euro. Kommunale Veranstaltungszentren sind Zuschussgeschäfte für Städte und Gemeinden. Das Veranstaltungszentrum Empore in Buchholz benötigte vor Ausbruch der Corona-Pandemie mehr als 660.000 Euro Zuschuss pro Jahr. Kulturveranstaltungen mit ihrer Pausengastronomie sind für Caterer nicht oder kaum wirtschaftlich.

Womit ein Caterer Geld verdient, sind Veranstaltungen, bei denen Besucher mindestens zwei Stunden und länger verweilen: Kongresse, Fachtagungen, Tanzbälle. Davon habe es zu wenige gegeben. Seine Idee, eine Woche lang an jedem einzelnen Tag Abiturbälle zu veranstalten, habe er beim Burg-Management nicht durchsetzen können. "Dabei ist die Burg Seevetal ein prädestinierter Ballsaal. Wir hätten den Hamburger Markt angreifen können", sagt Matthias Graf. Zu oft seien Tage in der Burg Seevetal für das Auf- und Abbauen reserviert. "Weder die Gemeinde Seevetal noch Frank Wiechern als Caterer haben so eine realistische Chance, erfolgreich handeln zu können."

Die Gemeinde Seevetal hält dem Vorwurf, nicht unternehmerisch zu handeln entgegen: Zu bedenken sei, dass die Burg, anders als Veranstaltungshallen, die als GmbH (wie zum Beispiel die „Empore“) oder Eigengesellschaften geführt werden, Teil der öffentlichen Verwaltung ist. Hierzu gehöre unter anderem eine entsprechende Entgeltordnung, die mögliche Verhandlungsspielräume stark einenge. Das Treffen von "individuellen Lösungen“ im Sinne von „unternehmerischem Denken“ sei damit deutlich schwieriger bzw. teilweise gar nicht möglich. Eine grundsätzlich andere strategische Ausrichtung der Burg und ein möglicher Wechsel der Rechtsform würden eines politischen Beschlusses bedürfen.

Gastronom Frank Wiechern vermisst zudem den Rückhalt des Burg-Managements, Preise für Spitzengastronomie durchsetzen zu können. "Wir möchten nicht nur Wiener Würstchen und Schnittchen servieren."

Die Gemeinde Seevetal habe bei Abschluss des Vertrags vor drei Jahren nicht das Ziel verfolgt, ein kulinarisch hochwertiges und damit höherpreisiges Angebot im Veranstaltungszentrum Burg Seevetal zu schaffen, antwortete Gemeindesprecher Andreas Schmidt dem WOCHENBLATT. Allen Bewerbern sei damals deutlich gemacht worden, welche Bandbreite von Veranstaltungen abzudecken ist. Gerade bei kleineren Veranstaltungen, bei Vereinsveranstaltungen, bei politischen Gremientagungen und auch bei kulturellen Veranstaltungen bestehe wenig Bedarf für ein höherpreisiges Angebot.

"Veranstaltungsmanagement und öffentliche Verwaltung", sagt Gastronom Frank Wiechern, "das sind zwei Welten, die einfach nicht zusammenpassen."

Autor:

Thomas Sulzyc aus Seevetal

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