Elektromobilität
Warum E-Auto-Besitzer in Seevetal noch auf öffentliche Stromladestationen warten müssen

Seltenes Bild in der Gemeinde Seevetal: eine Ladestation für E-Autos auf dem Parkplatz bei Lidl in Fleestedt
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ts. Seevetal. Eine Million öffentliche Ladepunkte für strombetriebene Fahrzeuge (E-Autos) will die Bundesregierung bis 2030 in Deutschland sehen. Dieses Ziel hat das Bundesverkehrsministerium vergangene Woche nach einem Spitzengespräch mit Autobauern und Stromlieferanten formuliert. Davon ist die Realität noch weit entfernt: Nur 30.000 öffentliche Stromladesäulen sind es laut "ARD-Tagesschau" zurzeit. Auf dem Gebiet der Gemeinde Seevetal finden E-Auto-Besitzer nicht einmal eine Handvoll.
Die Bundesregierung beabsichtigt also, den Ausbau der Ladeinfrastruktur für E-Autos zu beschleunigen. Ohne Mitwirkung der Länder, Städte und Gemeinden funktioniert das nicht. Für Irritation sorgte deshalb die Antwort aus dem Seevetaler Bauamt an die On Charge GmbH. Geschäftsidee des Kölner Unternehmens ist, auf Anfrage von Bürgern, Ladesäulen auch im öffentlichen Raum zu errichten. Einwohner aus Meckelfeld hatten sich an die Firma gewandt, mit der Hoffnung auf die Installation einer öffentlichen E-Ladesäule in dem Seevetaler Ortsteil.
Die Mobilitätswende hat in der Gemeinde Seevetal offenbar noch nicht höchste Priorität: "Die Gemeinde Seevetal stellt derzeit grundsätzlich keine öffentlichen Parkplätze für die Einrichtung von Ladestationen für E-Autos zur Verfügung. Wir halten es für sinnvoller, wenn dies auf privaten Flächen untergebracht wird. Zudem ist es erforderlich, dass die wenigen öffentlichen Parkflächen jederzeit und für jeden nutzbar erhalten bleiben", teilte das Bauamt dem Unternehmen in einer E-Mail, die dem WOCHENBLATT vorliegt, mit.
Dabei will das Bundesverkehrsministerium in den kommenden Jahr in den Ausbau der Ladeinfrastruktur investieren. Dafür stehen mehr als vier Milliarden Euro bereit. Ladestationen soll es an den Autobahnen, am Arbeitsplatz oder beim Einkaufen geben.
Auf Nachfrage hat die Gemeinde Seevetal ihre Aussage teilweise korrigiert. Es sei nicht richtig, dass die Gemeinde Seevetal die Strategie verfolge, keine öffentlichen Parkplätze für die Installation von Ladestationen für Elektrofahrzeuge zur Verfügung zu stellen, antwortete Bürgermeisterin Martina Oertzen (CDU) dem WOCHENBLATT. "Richtig ist die Aussage, dass die Gemeinde Seevetal derzeit keine öffentlichen Plätze in Wohngebieten zur Verfügung stellt. Die Gemeinde haben in den vergangenen zwei Jahren gut fünf entsprechende Anträge erreicht. Teilweise, wie an der großen Ampelkreuzung in Meckelfeld, waren diese Wünsche aus rein praktischen Gründen nicht umsetzbar."
Die Bürgermeisterin verweist auf das fehlende politische Mandat, das der Gemeinderat erteilen müsste. "Bisher gibt es in der Gemeinde Seevetal noch keine politische Beschlusslage, keine Grundsatzentscheidung, die eine grundsätzliche Bereitstellung öffentlicher Parkplätze für Ladesäulen ermöglicht", sagt Martina Oertzen. Auch wenn die Bundesregierung die Infrastruktur nach ihren Möglichkeiten fördern möchte, so seien doch die politischen Gemeinden für sich selbst hoheitlich tätig.
Die Gemeindeverwaltung könnte sich vorstellen, Ladesäulen, auch in größeren Einheiten, an zentralen Orten, zum Beispiel auf Pendlerparkplätzen an den Autobahnen oder an Bahnhöfen im Gemeindegebiet zu errichten. Ein solches Konzept wäre mit den kommunalpolitischen Gremien abzustimmen. "Ich bin mir sicher", sagt Martina Oertzen, "dass wir dieses Thema im kommenden Jahr auf kommunalpolitischer Ebene bewegen werden müssen."

Autor:

Thomas Sulzyc aus Seevetal

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