Wie das Pferd neue Marktpotenziale erschließt

Tigerschecke "Großer Onkel" zieht Kutschen in der Lüneburger Heide Fotos: ts
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Niedersachsen drohe Trends im Pferdetourismus zu verschlafen: Experten raten deshalb zu mehr Erlebnisausritten - aber passt das in unsere Region?

(ts). Niedersachsen ist das beliebteste Reiturlaubsziel der Deutschen. Dennoch schöpfe das Land sein Potenzial im Pferdetourismus nicht aus. Bei den aktuellen Trends zu Erlebnisausritten oder Führungskräftetrainings mit dem Pferd sei noch Luft nach oben - davon ist die Bundesarbeitsgemeinschaft (BAG) Deutschland zu Pferd überzeugt.

Die Industrie- und Handelskammer Niedersachsen hat in der aktuellen Ausgabe ihrer Tourismusnachrichten den Pferdetourismus zum Schwerpunktthema gemacht. Der Grund dafür dürfte sein, dass Mecklenburg-Vorpommern Niedersachsen als Reiterurlaubsland Nummer eins abzulösen droht. Die BAG Deutschland zu Pferd nennt darin Trends, wie das Pferd neue Marktpotenziale erschließen könnte.

10.567 Pferde leben im Landkreis Harburg

Doch nicht jeder Vorschlag lasse sich in der Nordheide umsetzen, sagen Hotelbetreiber aus der Region, die Erlebnisse mit dem Pferd bieten. Einschränkungen in einem Naturschutzgebiet und versicherungsrechtliche Bedenken könnten mancher Idee entgegenstehen. Der Landkreis Harburg ist eine Pferderegion. 10.567 Pferde leben laut der Kreisverwaltung hier.

Der Reiturlauber von heute gilt demnach als erlebnishungrig. Er sucht sichere Abenteuer. Der einfache Ausritt in die Umgebung mit anschließendem Grillabend gegen Aufpreis gilt als hausbacken und überholt. Dagegen spreche der Ritt mit Lesung im Fackelschein und anschließendem Gänsebraten und Rotwein am Hof den Drang des Reiturlaubers nach Erlebnissen an. Dafür sei er bereit, tiefer in die Tasche zu greifen.

Den zunehmenden Wunsch der Gäste nach vollständig geplanten, inszenierten Erlebnisritten nimmt zwar auch der auf Reittourismus spezialisierte Hof Sudermühlen in Egestorf wahr. Gedeckte Tische für Gruppen und möglicherweise noch Bespaßung mit Showeinlage widerspreche dem Gedanken eines Naturschutzgebiets, sagt Ulrike Rabeler. Das Hotel Hof Sudermühlen bietet 65 Pferdeboxen, sodass seine Gäste mit dem eigenen Pferd Urlaub machen können. 30 eigene Pferde hält der Betrieb.

Im Naturschutzgebit sind Picknicks nicht erlaubt

Gäste des Hotels Undeloher Hof im Süden des Landkreises Harburg fragten zunehmend nach erlebnisorientierten Angeboten, sagt auch die leitende Angestellte Heike Brunkhorst. Das Problem aber: "Im Naturschutzgebiet sind organisierte Picknicks nicht zulässig", erklärt die Expertin, "die Stärke unsere Region ist die Landschaft", sagt Heike Brunkhorst.

Der Undeloher Hof bietet Kutschfahrten in die Lüneburger Heide an. In der Hochsaison im August und September befördert der Betrieb bis zu 150 Gäste pro Tag. 24 eigene Pferde hält das Hotel. Der Betrieb plant, einen neuen Stall mit 40 Plätzen zu bauen.

Mit dem Verleih von Pferden an Gäste tun sich viele hiesige Höfe schwer. "Wer ein Pferd besitzt, trägt auch die Verantwortung dafür", nennt Heike Brunkhorst den Grund. Niemand könne gewährleisten, dass ein Reiturlauber nicht die zulässigen Reitwege verlasse oder etwas zerstöre. Versicherungstechnisch sei der Pferdverleih an Gäste heikel.

Pferdetourismusexperten schlagen Erlebnisübernachtungen im Nomadenzelt oder im Zirkuswagen vor. Eine Nachfrage danach kann Heike Brunkhorst aber nicht bestätigen. "Gäste suchen nach einem schönen Hotel und einem schönen Stall", sagt sie.
Potenzial sieht die BAG Deutschland zu Pferd noch in Managertrainings mit dem Partner Pferd. Solche Kurse sollen dazu beitragen, die Führungsfähigkeiten leitender Angestellter zu fördern. "Wir haben die Erfahrung gemacht, dass die Teilnehmer nicht davon
überzeugt waren", sagt dagegen Ulrike Rabeler.

Der Markt für Pferdetourismus in Deutschland gilt als unübersichtlich: Zu kleinstrukturiert ist er. Umsätze, Einkommens- und Beschäftigungseffekte sind deshalb nicht bekannt. Der hiesige Tourismusdachverband, die Lüneburger Heide GmbH, hat keine Strategie für den Pferdetourismus. "Wir haben es versucht. Aber der Markt hat sich als zu kleinteilig erwiesen, um darauf eine Gesamtstrategie aufzubauen", sagt Geschäftsführer Ulrich von dem Bruch.

Vier Millionen Reiter gibt es in Deutschland

Dennoch ist das Marktpotenzial unbestritten: 14 Millionen Menschen in Deutschland gelten als an Pferden interessiert. Vier Millionen Reiter gibt es. Jeweils drei Viertel dieser Zielgruppen seien an touristischen Angeboten mit Pferden im Tagesformat interessiert, hat die Marktforschung der Gesellschaft BTE Tourismus- und Regionalberatung ermittelt. Tagestouristen, also Teilnehmer von Tagesritten und Lehrgängen, geben im Durchschnitt jeweils 85 Euro aus. (ts). Der durchschnittliche Pferdeurlauber in Niedersachsen ist weiblich, 43 Jahre alt und verheiratet.

Tigerschecke "Großer Onkel" zieht Kutschen in der Lüneburger Heide Fotos: ts
Heike Brunkhorst vor dem Hotel Undeloher Hof
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Thomas Sulzyc aus Seevetal

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