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Demokratische Schule eröffnet im Landkreis

Überzeugt von dem Konzept der Demokratischen Schule: Kerstin Koryciak (v. li.), Marie Krüger und Nadja Thies (Foto: ts)

Trägerverein "Entfaltungsräume" startet den Betrieb seiner privaten Schule im September in Egestorf und zieht ein Jahr später dauerhaft nach Seevetal um um

ts. Seevetal/Egestorf. Freie oder demokratische Schulen sind ein Gegenentwurf zur deutschen Regelschule - und für viele Eltern attraktiv. Wie berichtet, gibt es eine Initiative zur Gründung einer "Freien Schule Nordheide" des gemeinnützigen Vereins „Lebensnahes Lernen“. Einen Schritt weiter ist der Trägerverein "Entfaltungsräume" mit Sitz in Bispingen, der im September eine "Demokratische Schule" eröffnen und damit die Schullandschaft im Landkreis Harburg erweitern wird - zunächst auf ein Jahr befristet in Egestorf, anschließend mit Dauersitz in Seevetal.
Wissenschaftliche Erkenntnisse würden zeigen, dass Menschen, die von innen heraus motiviert seien, effektiver und nachhaltiger lernten und dabei zufriedener seien, heißt es in dem Konzept des Trägervereins "Entfaltungsräume".
Der Schulbetrieb soll zum Schuljahresstart im September 2018 mit mindestens zwölf und maximal 20 Schülern starten. Die Kinder sind sechs bis neun Jahre alt und lernen gemeinsam. Die Eltern stammen aus Seevetal und Rosengarten. Die Ausnahme bilden der Vereinsvorsitzende Torsten Krüger und seine Frau Marie, die 3. Vorsitzende, die in Bispingen leben. "Entfaltungsräume" plant, pro Jahr fünf bis 15 Schüler zusätzlich aufzunehmen, bis die Grundschule 60 Kinder umfasst.
Interimssitz der Demokratischen Schule wird im ersten Schuljahr die zurzeit leerstehende Alte Schule an der Schätzendorfer Straße in Egestorf sein. Anschließend will die Samtgemeinde Hanstedt das Gebäude anders nutzen - wie ist noch offen. Nach den Sommerferien wird sie Bürger aufrufen, in Workshops Nutzungskonzepte zu entwickeln.
Der Verein "Entfaltungsräume" indes plant, im nächsten Jahr den Schulsitz dauerhaft in die Gemeinde Seevetal zu verlegen. In der Seevetaler Ortschaft Emmelndorf ist der Trägerverein seit seiner Gründung im März öffentlich in Erscheinung getreten, alle zwei Wochen bei einem Info-Café im Hofladen Overmeyer. Der Verein werde voraussichtlich in wenigen Wochen einen Mietvertrag unterzeichnen, sagt die 2. Vorsitzende Kerstin Koryciak.
Der Nachweis eines dauerhaften Schulsitzes für mindestens drei Jahre ist Voraussetzung dafür, dass die Landesschulbehörde den Betrieb der Demokratischen Schule genehmigt. Der Vorstand ist davon überzeugt, dass das gelingt: "Wir stehen ganz nah vor der Eröffnung", sagt Kerstin Koryciak.
Die private Schule finanziert sich aus Elternbeiträgen (200 Euro pro Kind im Monat), Spenden und staatlichen Zuschüssen. Die ersten drei Jahre muss der Trägerverein sich selbst finanzieren, ab dem vierten Jahr trägt das Land zwei Drittel des Geldes bei, das eine öffentliche Schule erhält. Der Verein "Entfaltungsräume" finanziert die Startzeit teilweise mit einem zinsgünstigen Kredit, der sich mit Hilfe der staatlichen Zuschüsse ab dem vierten Jahr refinanzieren lässt. "Eine Schule kann man gründen, ohne Kapital mitzubringen", sagt Marie Krüger.
Außenstehenden dürfte es schwer fallen, das Konzept der Demokratischen Schule zu verstehen. Wie im demokratischen Staatswesen ist Freiheit reglementiert und findet ihre Grenzen in den Rechten der anderen. Eine Schulversammlung setzt die Regeln fest. Die Schüler bestimmen hier auf Augenhöhe mit.
Nach Anarchie klingt trotzdem nicht, wie sich der Trägerverein "Entfaltungsträume" den Tagesverlauf an seiner Schule vorstellt: Schulzeit ist zwischen 8 und 13 Uhr. Die Unterrichtsangebote werden eine Mischung aus Kursen und Projekten sein. Unterrichtsfächer sind Deutsch, Mathematik, Sachunterricht, Englisch, Kunst, Musik und Sport. In Projekten, zum Beispiel der Anbau von Lebensmitteln, würden die Kinder Grundlagen der Mathematik oder des Schreibens spielerisch nebenbei lernen. Der Stundenplan, den die Schulversammlung aufstellt, entsteht jede Woche neu.
Nadja Thies aus Maschen ist eine Mutter, die sich für die Demokratische Schule entschieden hat. "Lernen ist hier nicht Pflichterfüllung", sagt sie, "die Motivation des Kindes kommt von innen heraus."