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Nach dem Tod eines Anglers: Warum die Elbe selbst für erfahrene Schwimmer tückisch ist

Das Gewässer in der Nähe von Buhnen kann tückisch sein, weil sich Strudel bilden können
 
Das Elbufer in Höhe des Dorfes Over ist bei Anglern beliebt Fotos: ts

Die DLRG erklärt, wie sich Menschen im Wasser verhalten sollen, die außenbords gehen. Und wie Spaziergänger am Deich helfen können,wenn sie eine hilflose Person im Wasser treiben sehen.

(ts). Der seit dem vergangenen Wochenende vermisste 64 Jahre alte Angler ist tot. Spaziergänger am Elbufer haben seinen leblosen Körper am Mittwochnachmittag in Höhe des Schöpfwerkes Bullenhausen (Gemeinde Seevetal) entdeckt. Die Polizei geht davon aus, dass der Mann beim Angeln von der Spitze eines Buhnenkopfes in Höhe des Dorfes Over in die Elbe gefallen und ertrunken ist.
Der Elbstrom entlang des Landkreises Harburg ist ein beliebtes Naherholungsgebiet - an und auf dem Wasser. Der tragische Tod des Anglers durch Ertrinken wirft den Fokus auf die gefährliche Seite des Flusses. Was macht das Gewässer selbst für erfahrene Schwimmer eigentlich so tückisch? Und wie sollten sich Spaziergänger am Ufer verhalten, die einen hilflosen Menschen im Wasser bemerken?
Das WOCHENBLATT sprach darüber mit dem Vorsitzenden der Deutschen Lebens-Rettungs-Gesellschaft (DLRG) in Seevetal, Markus Wölfel, und dem Technischen Einsatzleiter, Sebastian Zelck. Die DLRG ist nach eigenen Angaben die größte freiwillige Wasserrettungsorganisation der Welt. 36.000 Mitglieder sind ehrenamtlich im Wasserrettungsdienst tätig, davon 15 Aktive in der Gemeinde Seevetal.
Badeurlauber kennen das Phänomen: Wer zum Beispiel im Meer schwimmt, findet sich schnell weit entfernt von der Stelle wieder, an der er ins Wasser gestiegen ist. "Beim Freiwasserschwimmen geht die Orientierung verloren. Man schätzt die Entfernungen sehr schlecht ein", erklärt Markus Wölfel. Das Schwimmen in der Elbe ist also deutlich anspruchsvoller als im Frei- oder Hallenbad.
Die starke Strömung setzt selbst erfahrenen Schwimmern zu. In Höhe des Elbdorfes Over sei die Strömung bis zu vier Stundenkilometer schnell. Ein guter Schwimmer schaffe zweieinhalb bis drei Kilometer in der Stunde. Die Chance, in der Strömung umzukehren, sei beinahe null, sagt Wölfel. Wer ins Wasser gefallen ist, sollte nie gegen die Strömung schwimmen.
Die Strömung in der Elbe habe in den vergangenen 40 Jahren extrem stark zugenommen, sagt Sebastian Zelck. Die Gründe seien die Begradigung des Flusses und Wettereinflüsse.
Die Polizei geht davon aus, dass der ertrunkene Angler bei einer Buhne ins Wasser geraten ist. Buhnen sind Wasserbauwerke, die dem Küstenschutz dienen. Das Gewässer in ihrer Nähe kann gelegentlich tückisch sein. "Bei Buhnen können sich Strudel bilden", sagt der Seevetaler DLRG-Vorsitzende.
Das kalte Wasser setzt ins Wasser Gefallenen zusätzlich zu. Das prächtige Sonnenwetter in diesem Mai erweckt einen falschen Eindruck. Die Wassertemperatur in der Elbe liege derzeit bei nur acht bis zehn Grad. "Der Körper kühlt sehr schnell aus", sagt Markus Wölfel.
Wer einen Menschen hilflos im Wasser treiben sieht, kann helfen, in dem er dem Ertrinkenden einen Rettungsring zuwirft. Am Elbufer stehen deshalb einige Rettungsringe bereit. Ist keiner vorhanden, können Helfer dem im Wasser Treibenden ein Seil zuwerfen, einen Stock oder anderen Gegenstand mit sicherem Abstand zum Opfer reichen.
Helfer rufen so schnell wie möglich die Notrufnummer 112 an. "Auf keinen Fall sollte man sich mit dem Gesicht zum Deich abwenden, sondern das Opfer im Auge behalten und möglichst am Ufer mitlaufen, um auf Höhe zu bleiben", sagt Wölfel. Das sei wichtig, damit die Retter von Feuerwehr und DLRG den Hilflosen schnell im Wasser entdecken können. Eine zweite Person sollte an der Straße warten, und die eintreffenden Rettungsfahrzeuge auf die Unfallstelle aufmerksam machen, damit keine Zeit verloren geht. Das alles erhöht die Chancen, einen Menschen vor dem Ertrinken zu retten. Wer in den Elbstrom gefallen ist, sollte
- sich in Rückenlage begeben
- seine Rettungsweste auslösen
- die Füße in Strömungsrichtung nach vorne halten
- mit der Strömung schwimmen
- die Rettungsweste anbehalten, auch wenn sie die Bewegung behindert
- nie versuchen, gegen die Rettungsweste in Bauchlage zu kommen
Quelle: DLRG So verhalte ich mich richtig