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So versuchen Betrüger, am Telefon Geld zu ergaunern

WOCHENBLATT-Leser Ernst B. durchschaute den Betrug und ließ eine Enkeltrick-Betrügerin abblitzen

Der Enkeltrick kennt mittlerweile viele Varianten / Die Zahl der Betrugsfälle hat in Niedersachsen zugenommen / Wie ein 89 Jahre alter WOCHENBLATT-Leser eine Trickbetrügerin alt aussehen ließ

(ts). Der Enkeltrick ist eine perfide Form des Betrugs. Als Opfer hatte sich eine Unbekannte Ernst B. ausgesucht. Doch der 89 Jahre alte WOCHENBLATT-Leser fiel nicht darauf herein, sondern informierte die Polizei.
Wie raffiniert Trickbetrüger am Telefon vorgehen, zeigt der Anruf zur Mittagszeit bei dem 89-Jährigen. Sie erwischt damit einen günstigen Augenblick. Denn Ernst B. hatte einen Tag zuvor bei einer Geburtstagsfeier neue Menschen kennengelernt. Sie gibt sich übermäßig vertraulich. Er geht davon aus, die Anruferin sei jemand von der Feier.
Die Trickbetrügerin duzt Ernst B. sofort, spielt ihm die gute Freundin vor. Wie es ihm gehe und was er gerade koche, will sie wissen. "Sie sprach mit angenehmer weicher Stimme im akzentfreien Deutsch", erinnert sich Ernst B., ein früherer Zollbeamter. Schließlich kommt die Anruferin zur Sache: Sie sei bei einer Versteigerung und könne günstig einen BMW erwerben. Eine einmalige Chance. Sie müsse Geld bei der Auktion hinterlegen. Ob er ihr sofort 3.000 Euro Bargeld leihen könne, fragt sie.
Bei Ernst B. schrillen die Alarmglocken. Er gibt sich reserviert. Wie viel Geld er auf dem Konto habe, will sie wissen. Die Frau versucht, ihm ein schlechtes Gewissen zu machen: "Dann geht mir der schöne BMW flöten", bettelt sie. Aber Ernst B. beendet das Gespräch und ruft die Polizei an. Eine Stunde später sind die Beamten bei ihm. "Sie war raffiniert, aber so einfach geht das nicht, mich auszunehmen", sagt er.
Die Zahl der Betrugsfälle mit dem sogenannten Enkeltrick und seinen Varianten hat in Niedersachsen zugenommen: von 3.697 in 2017 auf 4.654 in den ersten elf Monaten des Jahres 2018. Das geht aus der Antwort des Niedersächsischen Innenministeriums auf eine Kleine Anfrage des Abgeordneten Jan-Christoph Oetjen (FDP) im Niedersächsischen Landtag hervor.
Im Landkreis Harburg ist das Phänomen rückläufig: 134 Fälle hat die Polizei laut Innenministerium in den ersten elf Monaten 2018 erfasst, 173 waren es im gesamten Jahr 2017. Im Landkreis Stade dagegen stieg die Zahl der Fälle von 50 auf 129.
Der klassische Enkeltrick, bei dem sich Täter am Telefon als Verwandte ausgeben und um Bargeld bitten, tritt nur noch selten auf. Konjunktur hat zurzeit die Variante des sogenannten Polizistentricks. "Anrufer geben sich als Polizeibeamte aus und behaupten, den Namen des Betroffenen bei Ermittlungen auf einer Liste entdeckt zu haben", erklärt Rainer Bohmbach, Sprecher der Polizeiinspektion Stade, die Masche. Die Opfer, nahezu immer Senioren, sollen deshalb einem angeblichen Polizeibeamten zur Sicherheit Bargeld und Schmuck aushändigen.
"Wir hatten zum Glück noch keinen Fall, bei dem ein Vermögensschaden eingetreten ist", sagt Bohmbach. Aber: Die Dunkelziffer ist hoch. Und die Polizeistatistik erfasst längst nicht alle Enkeltrick-Betrugsfälle.
Die tatsächliche Zahl der Betrugsfälle liegt höher. Der sogenannte Enkeltrick und seine Varianten werden in der nach bundesweit einheitlichen Kriterien erstellten Polizeilichen Kriminalstatistik bisher noch nicht explizit erfasst. Das Niedersächsische Innenministerium hat die Delikte im polizeilichen Vorgangsbearbeitungssystem "Nivadis" manuell recherchiert. Ohnehin geht die Polizei davon aus, dass in Niedersachsen nur jede vierte Betrugsstraftat angezeigt wird. 
Mit den Worten "Rate mal, wer hier spricht" oder ähnlichen Formulierungen rufen Betrüger bei meist älteren Menschen an, geben sich als Enkel oder Verwandte aus und bitten um Bargeld. Sie täuschen vor, in einer Notlage zu sein oder gerade in diesem Moment besonders günstig ein Auto oder einen Computer kaufen zu können.
Sobald das Opfer zahlen will, wird ein Bote angekündigt, der das Geld abholt. Oder die Betroffenen werden gebeten, zur Bank zu gehen. Täter rufen dazu sogar ein Taxi.
Mit diesen Varianten versuchen Täter, sich Bargeld zu ergaunern:
Bei dem klassischen Enkeltrick täuscht der Anrufer eine verwandtschaftliche Beziehung (Enkel, Neffe und anderes) vor.
Zurzeit besonders häufig: Betrug durch falsche Polizeibeamte. Trickbetrüger geben sich am Telefon als Polizisten aus. Zur Steigerung der Glaubwürdigkeit manipulieren sie die Rufnummeranzeige (die Technik wird Spoofing genannt) und generieren eine seriöse Telefonnummer, etwa die der örtlichen Polizeidienststelle oder den Notruf 110.
Schockanrufe sind eine weitere Variante. Betroffen sind laut Innenministerium vor allem ältere Menschen aus der früheren Sowjetunion. Trickbetrüger melden sich sehr häufig in russischer Sprache und behaupten, dass ein Enkel in polizeilichem Gewahrsam sei und sie sich gegen Zahlung einer hohen Bargeldsumme einer weiteren Strafverfolgung entziehen können.
Um dem Phänomen Enkeltrick entgegenzuwirken, arbeitet die Polizei laut Innenministerium eng mit den Kreditinstituten zusammen. Die Idee dabei: Aufmerksame Mitarbeiter von Banken und Sparkassen können Trickbetrug verhindern, wenn ein ihnen bekannter älterer Kunde plötzlich viel Bargeld vom Konto abheben möchte.
Polizeisprecher Rainer Bohmbach (Polizeiinspektion Stade) appelliert an alle Betroffenen, Anrufe von Trickbetrügern bei der Polizei anzuzeigen. Er gibt zu, dass die Ermittlungen bei dem sogenannten Enkeltrick schwierig seien. Aber: "Wenn wir einen Täter erwischt haben, können wir mit Hilfe aller angezeigten Betrugsfälle Verbindungen zu Altfällen herstellen", sagt der Polizeihauptkommissar.

Neue Betrugsmasche: Erpresser-Mails
(ts). Mit Erpresser-Mails versuchen Täter an das Geld von Computernutzern zu kommen. Dazu behaupten Unbekannte, die Computer der Betroffenen gehackt und sie mit Hilfe einer Webcam heimlich beim Masturbieren gefilmt zu haben. Sie drohen, die intimem Aufnahmen im Internet zu veröffentlichen, sollten nicht mehrere hundert oder tausend Euro an eine Bitcoin-Adresse gezahlt werden.
Die Erpresser-Mails würden nach Erkenntnissen der Polizei massenhaft aus dem Ausland verschickt, berichtete die Hannoversche Allgemeine. Wie N-Joy Radio vor Kurzem berichtete, sei dem Landeskriminalamt Niedersachsen kein Fall bekannt, in dem die Erpresser solche Videos tatsächlich besessen hätten.
Jeder, der Erpresser-Mails erhält, sollte Anzeige bei der Polizei erstatten. Erpresser-Mails sind neue Masche