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Bürger sind auf Katastrophe nicht vorbereitet

Mit Übungen bereiten sich die Einsatzkräfte auf den Katastrophenfall vor Foto: jd/Archiv

Wenn im Kreis Stade der Ernstfall eintritt: Dezernentin berichtet über das Thema Katastrophenschutz

jd. Stade. "Katastrophenschutz ist Denken für die Schublade", sagt Nicole Streitz. Der Dezernentin unterstehen im Landkreis Stade u.a. Brandschutz, Rettungsdienst und öffentliche Ordnung. Wenn letztere wegen einer Naturkatastrophe zusammenzubrechen droht, dann muss Streitz' Behörde die Notfallpläne aus der Schublade ziehen. Damit das Zusammenspiel zwischen den einzelnen Einsatzkräften möglichst reibungslos verläuft, hat der Landkreis sein Konzept für den Zivil- und Katastrophenschutz überarbeitet. Doch selbst wenn die staatlichen Stellen bestens vorgesorgt haben: "Die Bevölkerung wäre heutzutage auf einen Katastrophenfall nicht mehr vorbereitet", gibt Streitz zu Bedenken.

"Das Gefahrenpotenzial im Landkreis Stade ist vergleichsweise hoch", lautet gleich der erste Satz des Konzeptes. Danach werden mögliche Risiken genannt: Dazu zählen Sturmfluten, die die 80 Kilometer Hauptdeichlinie an der Elbe bedrohen, der Umschlag gefährlicher Güte am Seehafen Stade, die Gefahrstofftransporte auf Straße und Schiene, aber auch das nahe Atomkraftwerk Brokdorf.

"Genauso wäre ein Stromausfall dankbar, wenn auch wenig wahrscheinlich", erklärte Streitz jetzt im Kreistags-Ausschuss für Feuerschutz und Ordnungsangelegenheiten auf Nachfrage aus der Politik.

Die Dezernentin nahm dennoch einen Strom-"Blackout" als Beispiel, um aufzuzeigen, welche gravierenden Folgen solche Katastrophenfälle für die Bevölkerung haben können: So könnten keine Lebensmittel mehr gekauft werden, weil keine Kartenzahlung möglich wäre und auch die Geldautomaten kein Bargeld "ausspucken". "Wir haben nicht mehr wie unsere Großeltern massenhaft Vorräte in Weckgläsern und zentnerweise Kartoffeln eingekellert."

Auch die Benzinversorgung würde im Ernstfall zusammenbrechen. Doch wie hat der Landkreis für diesen Fall vorgesorgt? "Wir haben zuerst vorgehabt, einen Vertrag mit einer bestimmten Tankstelle über eine Notversorgung abzuschließen", erklärt Streitz. Doch die einzig funktionierende Tankstelle hätte wahrscheinlich ungebetene Gäste angelockt, meint die Dezernentin: "Wir haben uns jetzt für mobile 1.000-Liter-Tanks entschieden, an denen Sprit per Handpumpe gezapft werden kann."

Bei einem Katastrophenalarm, den der Landrat auslösen muss, wird laut Konzept eine genau festgelegte Einsatzroutine abgespult. Eingebunden sind nicht nur Feuerwehr und THW, die zu den sogenannten Regieeinheiten des Landkreises zählen, sondern auch die Hilfsorganisationen DRK, Johanniter, Malteser und DLRG. Sie stellen das ehrenamtliche Personal für die Einsatzzüge Sanitätsdienst, Betreuung, Wasserrettung und Logistik. Von diesen Kräften wird bei Bedarf ein mobiler Behandlungsplatz eingerichtet, der auf die medizinische Versorgung von 50 Patienten pro Stunde ausgelegt ist. Außerdem sieht das Konzept einen Betreuungsplatz vor, der 500 Personen für mindestens 48 Stunden Unterkunft und Verpflegung bietet.

Für den Einsatz der Behörden gibt es laut Streitz eine klare Rangfolge: Zuerst komme der Mensch an die Reihe, dann die Tiere, danach die Umwelt und als Letztes folge der Schutz von Sachwerten. "Menschenleben haben Priorität, wenn 100 Rindviecher umkommen, wäre das egal."

Bei allem staatlichen Engagement sei aber eines klar, so Streitz: Der einzelne Bürger ist weitgehend auf sich gestellt. Das sieht auch das Katastrophenschutz-Konzept ausdrücklich so vor: "Die staatliche Hilfe ist grundsätzlich nachrangig zur Selbsthilfe der Bürger", heißt es in dem Papier. Jedem sollte bewusst sein, dass weder Handy noch Internet funktionieren, macht Streitz deutlich: "Es wäre durchaus sinnvoll, sich noch einmal mit den Sirenensignalen vertraut zu machen."