Angst vor dem Brexit: Immer mehr Briten beantragen deutschen Pass

Die Zahl der Briten, die den deutschen Pass beantragen, ist seit 2016 sprunghaft angestiegen
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  • hochgeladen von Lena Stehr

(lt). Bye bye Great Britain! Seit die Mehrheit der Briten bei einem Referendum im Juni 2016 für den Austritt aus der EU gestimmt hat, ist die Stimmung auf der Insel angespannt. Offenbar so sehr, dass mehr und mehr Briten aus Angst vor negativen wirtschaftlichen Folgen des Brexit ihrem Land den Rücken kehren - und den deutschen Pass beantragen.
Laut Statistischem Bundesamt wurden 2016 insgesamt 2.865 Briten in Deutschland eingebürgert, 2015 waren es nur 622. Das entspricht einem Plus von 361 Prozent. Dieser Trend zeichnet sich ebenfalls in den Landkreisen Stade und Harburg ab. Während im Landkreis Stade 2014 und 2015 nur drei Briten eingebürgert wurden, waren es 2016 und 2017 insgesamt 25. Im Landkreis Harburg erhielten 2016 13 Briten den deutschen Pass, im vergangenen Jahr waren es 50.
Auch Adam Beard (37) hat im Januar seinen Antrag auf Einbürgerung in Deutschland eingereicht. Der Architekt und gebürtige Brite, der im Alten Land aufgewachsen ist, lebt und arbeitet seit 2013 in London. Für den Fall, dass im Zuge des Brexit alles „im Chaos endet“ und er womöglich seinen Job in der englischen Hauptstadt verliere, wolle er gewappnet sein, sagt Beard.
Die Auftragslage sei schon jetzt deutlich schlechter als vor dem Referendum. Viele ausländische Investoren zögern, zu investieren, sagt Beard. Manches große Projekt, an dem sein Büro beteiligt ist, liege derzeit auf Eis. „Ich bleibe trotzdem zuversichtlich und hoffe, dass meine Zukunft in London liegt“, sagt der Architekt. Mit der doppelten Staatsbürgerschaft wolle er aber auf Nummer sicher gehen und sich eine mögliche Rückkehr nach Deutschland leichter machen.
Adams Bruder Darren (34), der ebenfalls seit einigen Jahren in London lebt, wird definitiv zurück nach Deutschland ziehen und hat inzwischen auch den deutschen Pass beantragt. Die Entscheidung habe aber nichts mit dem Brexit zu tun, sagt der Grafik-Designer. Er habe dennoch das Gefühl, dass der EU-Austritt den Wunsch von einigen in England lebenden Ausländern verstärke, zurück ins „eigene“ Land zu gehen. Wenn die Folgen des Brexit konkreter spürbar würden, werde es sicher auch noch mehr Briten geben, die ihr Land verlassen wollen, so Darren Beard.
Auch Roger Mellor (60) zieht inzwischen ernsthaft in Erwägung, den deutschen Pass zu beantragen. Der Dachdecker aus Jork-Estebrügge kam Mitte der 1970er Jahre über die Armee nach Deutschland und hat die längste Zeit seines Lebens hier verbracht. „Den deutschen Pass habe ich bislang trotzdem nie beantragt, weil ich mich zwar als Europäer fühle, aber im Grunde meines Herzens eben doch ein Brite bin“, sagt Mellor. Der bevorstehende Brexit sei für ihn aber jetzt ausschlaggebend, sich um eine doppelte Staatsbürgerschaft zu bemühen.

• Solange der Brexit noch nicht vollzogen ist, gibt es für Briten die Möglichkeit, den britischen Pass neben dem deutschen Pass im Falle einer Einbürgerung zu behalten.
Bis der Brexit offiziell ist, genießen britische Staatsangehörige als EU-Bürger zudem das Freizügigkeitsrecht und dürfen sich in einem beliebigen Land der EU niederlassen, um dort zu arbeiten. Nach dem EU-Austritt sieht es anders aus. Dann gelten für Briten die gleichen allgemeinen aufenthaltsrechtlichen Regelungen wie z.B. auch für US-Bürger. Danach werden sie sich noch maximal 90 Tage innerhalb von sechs Monaten in Deutschland als Touristen bzw. Besucher aufhalten dürfen. Eine Erwerbstätigkeit ist dabei nicht erlaubt.

Die Zahl der Briten, die den deutschen Pass beantragen, ist seit 2016 sprunghaft angestiegen
Der Brite Adam Beard hat im Januar den deutschen Pass beantragt

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