Ökologisch sinnvoll: Wickeln in Mehrwegwindeln
Die Kunst des Windelfaltens: WOCHENBLATT-Redaktionsleiter zeigt, wie es geht

Stoffwindeln richtig falten: für WOCHENBLATT-Redaktionsleiter Jörg Dammann auch nach 25 Jahren kein Problem
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Ein Antrag der Linken-Fraktion im Stader Kreistag zur möglichen Bezuschussung von Mehrwegwindeln (siehe hier: Kommt im Landkreis Stade jetzt der Stoffwindel-Zuschuss) weckt Erinnerungen beim Stader WOCHENBLATT-Redaktionsleiter Jörg Dammann. Ein Zuschuss für den Kauf von Stoffwindeln: Das hätte  Jörg Dammann auch gern gehabt. In seiner Zeit als Hausmann gehörte für ihn das Wickeln des Nachwuchses zum Alltag. Schon damals griff er zu Stoffwindeln. Das war Mitte der neunziger Jahre, als es mit dem ökologischen Bewusstsein in der Bevölkerung noch nicht weit her war und die Grünen bei jeder Bundes- und Landtagswahl bangen mussten, überhaupt die Fünf-Prozent-Hürde zu überspringen.
Hier sein kleiner Rückblick auf seine Zeit als Windelwechsler:

"Wer heute zur Mehrwegwindel greifen will, muss sich erst einmal informieren. Das Angebot ist geradezu verwirrend. Es tummeln sich hunderte Anbieter mit den unterschiedlichsten Systemen auf dem Markt. Diese Qual der Wahl hatte ich damals nicht. Auf dem platten Land waren nur die Klassiker erhältlich: die weißen Mulltücher aus Baumwolle, in denen schon meine Mutter meinen Hintern verpackt hat. Die einzige Neuerung waren die naturbelassenen Wollhöschen, die eine Händlerin in Buxtehude aus ihrem Wohnzimmer heraus vertrieb.

Das Ganze war eine Art Baukastensystem: Das Wollhöschen diente sozusagen als 'Umverpackung' und blieb im Idealfall sauber. Lediglich bei einem größeren Malheur wurde es sanft mit Wollwaschmittel per Handwäsche gereinigt. Innen kam neben der Windel zwecks besserer Saugfähigkeit noch eine Moltoneinlage zum Einsatz - ebenfalls waschbar und damit wiederverwendbar.

Die hohe Kunst des Windelwechselns bestand für mich aber in der Wickeltechnik. Und die beherrschte ich bis zur Perfektion. Die Windel musste auf spezielle Weise asynchron gefaltet werden, sodass am Ende ein Dreieck mit einer dickeren Partie in der Mitte herauskam. Für diese sogenannte Stegtechnik waren sieben Arbeitsschritte erforderlich. Das erledigte ich aber nicht erst am Wickeltisch. Ich hatte immer einen Stapel gefalteter Windeln bereitliegen. Wie das Windelfalten genau funktioniert, sehen Sie in diesem Video:

Über die Entsorgung des Windelinhaltes muss ich wohl keine weiteren Worte verlieren. Die gebrauchten Windeln kamen mitsamt den Moltoneinlagen zur Zwischenlagerung in einen eigenen Eimer. Schließlich hat man nicht täglich gewaschen. Das wäre weder ökonomisch noch ökologisch. Erst wenn der Eimer mit rund 30 Windeln gefüllt war, kam die Waschmaschine zum Einsatz. Getrocknet haben wir die Windeln an der frischen Luft. Damals wie heute besitzen wir keinen Trockner. Damit Wäscheleine-Kapazitäten für die große Windelwäsche ausreichten, habe ich extra drei zusätzliche Pfähle im Garten aufgestellt.

Andere Eltern erklärten mir damals, die Umweltbilanz unterscheide sich bei Stoff- und Einwegwindeln kaum. So wollten sie vor mir offenbar die Benutzung von Wegwerfwindeln rechtfertigen. Das brauchten sie gar nicht. Ich war nie ein dogmatischer 'Öko', der seine Wickelmethode als die einzig wahre Lehre vertrat.
Ich denke mir aber: Wenn ich nur mit voller Waschmaschine wasche, wenn ich meine Wäsche stets nach draußen zum Trocknen hänge und wenn ich die Stoffwindeln auch beim zweiten oder dritten Kind verwende, dann muss die Ökobilanz für die Stoffwindel doch eigentlich besser als bei der Wegwerfwindel ausfallen."

Jörg Dammann

Kommt im Landkreis Stade jetzt der Stoffwindel-Zuschuss?

Stoffwindeln richtig falten: für WOCHENBLATT-Redaktionsleiter Jörg Dammann auch nach 25 Jahren kein Problem
In sieben Arbeitsschritten zur perfekten Windel: Mit der Stegfaltung sitzt  sie optimal
Autor:

Jörg Dammann aus Stade

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