QR-Code statt Zettelkram
Digitale Helfer in Corona-Zeiten: Was bieten die Apps zur Kontaktnachverfolgung?

Außengastronomie ist wieder erlaubt. Eine Kontaktnachverfolgungs-App  wie hier die Luca-App kann zum Ein- und Auschecken genutzt werden
  • Außengastronomie ist wieder erlaubt. Eine Kontaktnachverfolgungs-App wie hier die Luca-App kann zum Ein- und Auschecken genutzt werden
  • Foto: tp/Culture for Life (Fotomontage)
  • hochgeladen von Jörg Dammann

(jd). Die sinkenden Inzidenzwerte machen es möglich: Die Außengastronomie durfte wieder öffnen. Seit Anfang der Woche ist die Testpflicht für den Einzelhandel im Landkreis Harburg aufgehoben, am Donnerstag zog auch der Landkreis Stade nach. Die Gäste müssen aber nach wie vor in den Lokalen ihre Kontaktdaten zwecks Nachverfolgung hinterlassen. Wer keine Lust auf "Zettelwirtschaft" hat, greift zum Handy: Smartphone-Apps ermöglichen eine Hinterlegung von Namen und Adresse in digitaler Form. Der QR-Code auf dem Tisch oder an der Eingangstür dient als virtuelle Eintrittskarte. Das WOCHENBLATT gibt einen Überblick, welche Apps angeboten werden.

In der Ausgabe vom vergangenen Samstag wurden die verschiedenen Schnelltest-Apps vorgestellt. Diesmal geht es um die reinen Kontakterfassungs-Apps bzw. Allrounder-Apps mit entsprechender Funktion, die von den Gastronomen und Geschäftsleuten in der Region tatsächlich genutzt werden.

Schnelltest-Ergebnisse auf dem Handy: Das ist in den Landkreisen Stade und Harburg möglich

Das ist bei der Corona-Warn-App trotz "Runderneuerung" eher selten der Fall. Auch wenn Anfang Mai die Check-in-Funktion implementiert wurde, bietet sich die offizielle App des Bundes in erster Linie eher für private Treffen, Seminare oder Bildungsveranstaltungen an. Dank der neu hinzugefügten Kontakterfassung per QR-Code werden andere Teilnehmer später direkt durch die App gewarnt, wenn ein Besucher im Nachhinein positiv auf Corona getestet wird. Wann ein Warnhinweis an wen erfolgt, wird anhand einer speziellen Risikoberechnung ermittelt.

Luca-App wird "Allrounder"

Neu in den Club der Corona-Allrounder-Apps kann die Luca-App aufgenommen werden. Die viel gescholtene App, die trotz aller Kritik wegen unzureichenden Datenschutzes und schlecht zusammenkopierter Quellcodes bundesweit wohl am häufigsten verwendet wird, bietet jetzt in der Version 2.0 ebenfalls ein Schnelltest-Modul an - allerdings bisher nur für iPhones. Eine Android-Variante soll in Kürze verfügbar sein.

An dieser Stelle interessiert aber nur die "Ur-Funktion" von Luca: die Kontaktnachverfolgung. Diese erfolgt anders als bei der Corona-Warn-App, die direkt den Nutzer über die Risikobegegnung informiert, über das jeweilige Gesundheitsamt. Die Ämter kontaktieren die einzelnen Nutzer, wenn sich später herausstellt, dass diese mit einem Infizierten in demselben Lokal saßen, zeitgleich in einem bestimmten Laden shoppen gingen oder zur selben Zeit eine Veranstaltung besuchten.

Auch in der Region ist die Luca-App bereits mancherorts im Einsatz - vor allem im Landkreis Harburg. So bieten Buchholz und Winsen seit Anfang bzw. Mitte Mai sogar sogenannte Luca-Schlüsselanhänger an. Die Anhänger können als analoge Variante zur Luca-App von denjenigen genutzt werden, die kein Smartphone besitzen oder die App nicht installieren wollen. Die Registrierung erfolgt über das Internet (app.luca-app.de/registerBadge/).

Smartphone-App schafft Öffnungsperspektiven für Handel, Gastronomie und Veranstalter

In Winsen sind die Luca-Schlüsselanhänger für 50 Cent bei der Tourist-Info erhältlich, in Buchholz war Ordnungsamtsleiter Werner Schnier mit einem Azubi in der Stadt unterwegs, um rund 1.600 Schlüsselanhänger an Läden und Lokale zwecks Weitergabe an die Kunden zu verteilen. Die Anhänger sind auch im Buchholzer Rathaus kostenlos erhältlich.

Inzwischen setzen auch verschiedene Einzelhandelsketten die Luca-App ein. Bekanntestes Beispiel ist wohl das schwedische Möbelhaus mit den vier gelben Buchstaben. Außer in Winsen und Buchholz wird die Luca-App aber nur vereinzelt genutzt. Eigentlich sollte die App landesweit Verwendung finden - im Rahmen des letztlich nicht zustande gekommenen Testlaufs mit landesweit 14 Modellkommunen. Dafür hatte das Land Niedersachsen im März eine drei Millionen Euro teure Ein-Jahres-Lizenz erworben.

"e-guest" als künftiges Scan-Talent?

Auch Stade hatte sich als Modellkommune beworben. Dort favorisieren die örtliche Gastronomie aber eine andere Registrierungs-App für die Kunden. In der Schwingestadt ersetzt die App "e-guest" Zettel und Kuli. Von der Funktionsweise unterscheidet sich diese App kaum von Luca. Der Datenschutz soll aber bei "e-guest" deutlich besser sein. Außerdem müssen die Behörden im Gegensatz zur Luca-App keine Gebühren für die Einrichtung einer Schnittstelle zu den Gesundheitsämtern zahlen. "Länder und Kommunen können sich den Einkauf teurer Lizenzen für eine App sparen, die technische Fehler aufweist und zudem stark in der Kritik steht", erklärt "e-guest"-Geschäftsführer Oliver Diederichs mit einem Seitenhieb auf die Konkurrenz.

Zudem versprechen die Entwickler von "e-guest", die inzwischen mit den Anbietern der ebenfalls in Stade eingesetzten Schnelltest-App "ePassGo" fusioniert haben, dass ihre App künftig fast alle QR-Codes anderer Apps scannen kann, die zur Kontaktnachverfolgung eingesetzt werden. Sollte das klappen und "e-guest" sich als Scan-Talent etablieren, bliebe den Nutzern ein Mehrfachdownload von Apps erspart.

Wieder eine Sicherheitslücke?

In der vergangenen Woche ist eine neue Sicherheitslücke bei der Luca-App aufgedeckt worden. Hackern soll es möglich sein, mittels der App über einen bestimmten Code in die Systeme der Gesundheitsämter einzudringen. Offenbar könnten auf diese Weise persönliche Daten eingesehen werden. Darüber berichten mehrere Medien, darunter das Nachrichtenmagazine "Spiegel".

Laut "Spiegel" soll das Problem den Anbietern der Luca-App seit Wochen bekannt sein. Der illegale Zugang zu den Daten soll über das Microsoft-Programm Excel erfolgen. Der Programmierfehler soll aber nicht bei Microsoft, sondern bei der Luca-App liegen. Die Betreiber der Luca-App erklärten, dass sie erst jetzt auf das Problem aufmerksam gemacht worden seien.

Autor:

Jörg Dammann aus Stade

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