Neuordnung der Pflegeausbildung
Eine Chance für die Pflege?

Künftige Pflegefachfrauen und Pflegefachmänner erhalten eine generalistische Ausbildung
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(lt). Möchte ich lieber kranke Kinder oder alte Menschen pflegen? Diese Frage haben wohl viele angehende Pflegekräfte für sich schon beantwortet. Doch mit der neuen Ausbildung zum EU-weit anerkannten Pflegefachmann oder zur Pflegefachfrau, die ab 2020 bundesweit eingeführt wird, müssen die Fachkräfte von morgen zunächst einmal in alle Pflege-Bereiche eintauchen. Eine Umstellung und Herausforderung für Betriebe und Azubis, aber auch eine Chance der Orientierung, findet Anke Hilck, Abteilungsleitung Gesundheit-Pflege an der BBS III in Stade.
Sie berichtete jüngst im Schulausschuss des Landkreises von der neuen generalistischen Ausbildung im Pflegeberuf, durch die die bisherigen Ausbildungen in der Altenpflege und zur Gesundheit- und (Kinder-)Krankenpflegerin komplett abgelöst werden. Als Ausbildungsbetriebe für die dreijährige Ausbildung kommen entweder Seniorenheime („stationäre Langzeiteinrichtungen“), ambulante Pflegedienste („ambulante Akut-/Langzeitpflege“) oder Krankenhäuser („stationäre Akutpflege“) infrage.
In diesen drei Bereichen leisten künftig alle Auszubildenden längere Pflichteinsätze ab, so dass sie die Pflege „generalistisch“ lernen und nach Abschluss der Ausbildung entscheiden können, in welchem Bereich sie beruflich tätig werden möchten. Neben diesen Einsätzen sind auch kürzere Pflichteinsätze in der Kinderpflege (Pädiatrie) und in der Psychiatrie erforderlich.
Für die Betriebe bedeute diese neue Form der Ausbildung, dass sie "ihren" Auszubildenden nicht mehr komplett für sich hätten, da dieser vor allem im zweiten Ausbildungsjahr "durch andere Einrichtungen tingelt"; so Anke Hilck. Dafür kämen Azubis aus anderen Einrichtungen in den Betrieb. Das verlange beiden Seiten viel ab.
Beide Pflegeschulen im Landkreis Stade - die BBS III Stade (ehemals Berufsfachschule Altenpflege) oder das Elbe Klinikum (ehemals Kinder-/Krankenpflegeschule) - stellen die theoretische Ausbildung sicher. Schulgeld werde an keiner der beiden Schulen verlangt, betont Anke Hilck.
Durch die Neuordnung der Ausbildung sei zu erwarten, dass die Vergütung von Auszubildenden in der Pflege weit über den bisher festgelegten Mindestsatz steigen werde. Künftig müssen nämlich alle Pflegeeinrichtungen - egal, ob sie selbst ausbilden oder nicht - eine Umlage in einen Fonds einzahlen, aus dem dann die Ausbildungsbetriebe die Vergütung refinanziert bekommen. Bisher musste jeder Betrieb die Ausbildung selbst finanzieren.
Und was viele nicht wüssten: In der Altenpflege werde heute schon ein Einstiegsgehalt im ersten Ausbildungsjahr in Höhe von mindestens 888 Euro gezahlt. Viele Einrichtungen würden sogar mehr als 1.100 Euro zahlen.
Die Abfrage von 13 stationären Altenpflegeeinrichtungen im Landkreis Stade hätte zudem ergeben, dass die Vergütung im ersten Jahr nach der Ausbildung zwischen 2.300 und 2.600 Euro liege, zuzüglich Schicht-, Wochenend- und Nachtzuschlägen, so Anke Hilck.
Sie weist auch darauf hin, dass sich die beiden Pflegeschulen im Landkreis gerade gemeinsam mit den Betrieben um die Bildung eines Lernortverbundes mit einer zentralen Einsatzkoordinierungsstelle bemühen. Derzeit würden in jeder Schule jährlich mehr als 70 Auszubildende neu aufgenommen, die Altersspanne der angehenden Pflegefachleute liege zwischen 17 und 52 Jahren.
• www.bbs3stade.de

Im Jahr 2020 startet die neue generalistische Pflegeausbildung. Es werden die bisherigen Berufsausbildungen der
Altenpflege, der Gesundheits- und Krankenpflege und der
Gesundheits- und Kinderkrankenpflege zu einer generalistischen Ausbildung mit dem Berufsabschluss „Pflegefachfrau“
bzw. „Pflegefachmann“ zusammengeführt. Damit werden die Auszubildenden zur Pflege von Menschen aller Altersstufen in allen Versorgungsbereichen (im Krankenhaus, im Pflegeheim und ambulant in der eigenen Wohnung) befähigt. Nach dem Abschluss der generalistischen Ausbildung ist ein Wechsel innerhalb der pflegerischen Versorgungsbereiche jederzeit möglich. Zudem ermöglichen zahlreiche Fort- und Weiterbildungen sowie verschiedene Pflegestudiengänge, die zum Teil auch ohne Abitur absolviert werden können, eine kontinuierliche Karriereentwicklung. Aufgrund der automatischen Anerkennung des generalistischen Berufsabschlusses gilt dieser auch in anderen Mitgliedsstaaten der EU

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