Zwei Corona-Ausbrüche, 23 Pandemie-Todesopfer
Entwarnung im Stader Johannisheim: Nach knapp sechs Wochen keine Infizierten mehr

Das Stader Johannisheim traf das Coronavirus bereits im Frühjahr 2020 mit voller Wucht
  • Das Stader Johannisheim traf das Coronavirus bereits im Frühjahr 2020 mit voller Wucht
  • Foto: Archiv/jab
  • hochgeladen von Jörg Dammann

jd. Stade. Die Hiobsbotschaften zum Thema Corona reißen nicht ab. Mal geht es um die Mutationen, mal um das Impfdebakel. Zwischen all diesen unerfreulichen Meldungen gab es jetzt wenigstens eine positive Nachricht: "Im Johannisheim ist das Infektionsgeschehen beendet", vermeldete der Landkreis. Das Stader Seniorenheim gehört zu denjenigen Pflegeeinrichtung im Landkreis Stade, die am schlimmsten vom Coronavirus gebeutelt waren. Rund sieben Wochen grassierte in diesem Winter dort das Virus. Die bittere Bilanz: 18 Bewohner starben an oder mit Corona. So viele Corona-Tote hatte im Landkreis sonst nur das Buxtehuder Amarita-Pflegeheim zu beklagen. Dabei verzeichnete das Johannisheim bereits während der ersten Corona-Welle fünf Todesopfer.

Noch im Dezember zeigte sich Claus Hinrichs, Kuratoriumsvorsitzender der Johannisheim-Stiftung, zuversichtlich. Er sei froh, dass das Heim während der zweiten Pandemie-Welle bisher verschont geblieben sei. "Wir haben aus der ersten Phase gelernt und machen jetzt hoffentlich alles richtig", erklärte er Ende vergangenen Jahres gegenüber dem WOCHENBLATT. Es gebe strenge Regeln - sowohl für die Bewohner als auch für die Mitarbeiter und Besucher.

Trotz dieser strengen Regeln fand das tückische Virus doch wieder seinen Weg in das Johannisheim und hat Hinrichs' Hoffnungen zunichte gemacht. In der zweiten Januarhälfte wurde eine Corona-Infektion zunächst bei zwei Bewohnern mittels Schnelltest nachgewiesen. Was für Hinrichs ein Rätsel war: Obwohl die Bewohner auf ihren Zimmern bleiben mussten, breitete sich das Virus weiter aus. Viele der 115 Bewohner und auch zahlreiche Beschäftigte wurden infiziert.

Was für alle Betroffenen besonders frustrierend war: Es gab bereits einen Impftermin. Doch wegen des Corona-Ausbruchs musste die Heimleitung dem mobilen Impfteam wieder absagen. Inzwischen sind die Impfungen nachgeholt worden. Auch die Zweitimpfung ist bereits erfolgt. "Wer geimpft werden wollte, hat eine Impfung erhalten", sagt Hinrichs. Diejenigen, die mit Corona infiziert waren, müssen allerdings ein halbes Jahr warten, bis sie einen Piks erhalten.

"Das waren wieder schwierige Wochen", so Hinrichs' Resümee. Zwischenzeitlich sei das Heim vom Gesundheitsamt komplett unter Quarantäne gestellt worden. Zudem habe man wie beim ersten Mal wieder eine Isolierstation eingerichtet, auf der in Spitzenzeiten 30 Senioren untergebracht waren. "Unsere Mitarbeiter mussten zahlreiche Umzüge von Bewohnern innerhalb des Heimes bewerkstelligen, um Infizierte bzw. Erkrankte und Nicht-Infizierte voneinander zu trennen."

Um die mehr als 130 Schnelltests pro Tag bewerkstelligen zu können, forderte das Johannis-heim Hilfe durch die Bundeswehr an. Die "Truppe" reagierte prompt und unbürokratisch: Innerhalb weniger Tage waren zwei Soldaten vor Ort, um die Mitarbeiter bei den Tests zu entlasten. Drei Wochen taten die beiden Bundeswehrangehörigen Dienst im Altenheim, dann wurden sie von zwei Kameraden abgelöst. Untergebracht waren die Soldaten im Wohnhaus der Familie Hinrichs.

Einsatz von Soldaten ist beendet

Nach insgesamt sechs Wochen ist der Bundeswehreinsatz nun beendet. "Alle vier bekamen einen Präsentkorb überreicht", berichtet Hinrichs. "Als Dank für die große Hilfe, die sie hier im Johannisheim geleistet haben." Das Johannisheim ist nach dem Ende der Quarantäne personell wieder so aufgestellt, dass die Schnelltests wieder in Eigenregie vorgenommen werden können. Ein solcher Test ist auch Voraussetzung, dass Besucher das Heim wieder betreten dürfen - nach vorheriger Anmeldung.

Hinrichs hofft, dass mit den Tests und den erfolgten Impfungen spätestens zum Sommer hin wieder ein wenig Normalität Einzug hält, sofern man in Zeiten von Corona überhaupt das Wort "normal" verwenden kann.

Der Kuratoriumsvorsitzende denkt dabei auch an die wirtschaftlichen Folgen: "Finanziell gesehen ist die Situation äußerst schwierig, da wir bislang keine neuen Bewohner aufnehmen konnten."

Autor:

Jörg Dammann aus Stade

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