Erste Hilfe: Leben retten zum Bee Gees-Sound

Lena Stehr übte die Wiederbelebung
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Was würde ich machen, wenn plötzlich jemand in meiner Nähe zusammenbrechen und hilflos am Boden liegen würde? Oder wenn ich Zeuge eines Autounfalls werde? Diese Fragen verfolgen mich ab und an und sofort schleicht sich ein schlechtes Gewissen ein. Meinen letzten - und einzigen - Erste Hilfe Kursus habe ich mit 17 Jahren gemacht, weil ich ihn für den Führerschein brauchte. Das ist inzwischen knapp 20 Jahre her. Höchste Zeit für eine Auffrischung.
Und so opferte ich am vergangenen Wochenende einen freien Tag, um u.a. im Takt von "Staying alive" von den Bee Gees eine Herz-Lungen-Wiederbelebung zu üben. Wahlweise hätte ich den Brustkorb der Gummipuppe ohne Beine auch zu "Atemlos durch die Nacht" von Helene Fischer oder "Highway to hell" von AC/DC bearbeiten können - alle Titel passen ja auch thematisch irgendwie ganz gut.
Nach knapp vier Minuten, in denen ich abwechselnd 30 Mal den Brustkorb nach unten gedrückt (immer so weit, bis ein grüner Pfeil am Bauch der Puppe zum Vorschein kommt) und zwei Mal Luft in den Mund des waschbaren Gummigesichts gepustet habe, bin ich ganz schön außer Atem.
"Deshalb ist es immer gut, wenn man nicht allein Erste Hilfe leisten muss", erklärt Florian Rohloff, Lehrrettungsassistent und Dozent im Rettungsdienst. Ihm ist wichtig, dass die Kurs-Teilnehmer vor allem eines behalten: Wer hilft braucht keine Angst haben, etwas falsch zu machen. Und: Nichts ist schlimmer als gar nichts zu tun.
Wer Berührungsängste mit einer hilflosen Person hat, kann zumindest einen Notruf absetzen, sich darum kümmern, dass Decken oder ein Defibrillator geholt werden oder andere Passanten zum Handeln animieren.
Ich lerne im Kursus außerdem noch, wie ich eine hilflose Person in die stabile Seitenlage bekomme, wie man einen Druckverband anlegt, woran man einen Schlaganfall erkennen kann, warum man einem verunglückten Motorradfahrer immer den Helm abnehmen sollte und noch vieles mehr.
Am Ende bekomme ich noch einen ganz besonderen Schlüsselanhänger geschenkt, der bereits an meinem Schlüsselbund baumelt. Es handelt sich um eine spezielle Beatmungsfolie, die ich im Notfall einem Menschen über das Gesicht legen kann, um ihn anschließend zu beatmen - Stichwort Berührungsängste oder Ekel vor fremden Personen. Die Folie ist mit einem Ventil ausgestattet, das die Atemluft nur in Richtung des Patienten strömen lässt.
Ich hoffe zwar, dass ich nicht in die Lage komme, die Maske benutzen zu müssen - aber ich habe davor jetzt nicht mehr so viel Angst. Spätestens in zwei Jahren werde ich meine Kenntnisse wieder auffrischen. Es lohnt sich!
Lena Stehr
• Informationen zu Erste Hilfe Kursen in der Region gibt es unter:
www.mehr-als-blaulicht.de
www.johanniter.de
www.fr-ausbildung.de

Lena Stehr übte die Wiederbelebung
Am Schlüsselbund hat WOCHENBLATT-Redakteurin Lena Stehr nun immer eine Beatmungsfolie griffbereit

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