Auffallen und aufklären
Erster Christopher Street Day in Stade setzt Zeichen für Toleranz und sexuelle Selbstbestimmung

Tyson Thiele mit Hund Kiwi und Fabian Kleine unterstützten den Christopher Street Day in Stade Foto: jab
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jab. Stade. Sie möchten Aufmerksamkeit erregen, Aufklärungsarbeit leisten und für gesellschaftliche Toleranz werben - die Demonstranten des Christopher Street Days (CSD). Die Veranstalter in Stade legten sich beim Auftakt mächtig ins Zeug und wurden selbst von den vielen Teilnehmern beim ersten CSD in der Hansestadt überrascht.

Regenbogenfarben leuchteten in der Stader Innenstadt an allen Ecken - auf T-Shirts, Krawatten oder als Flaggen. Um den Stand des CSD tummelten sich die Unterstützer und Neugierige. "Unsere gesetzten Ziele wurden übertroffen", sagt Liam Guci von der AIDS Hilfe in Hamburg. Der Organisator wurde bereits mehrfach angesprochen, dass es "auch mal Zeit wurde", dass der CSD in Stade stattfindet. Mitorganisator Lothar Kleinschmidt von Pro Familia Stade ist ebenfalls der Meinung, dass es wichtig für die Hansestadt ist, dass so eine Aktion durchgeführt wird. Denn auch in kleineren Städten ist Sexualität und Partnerschaft, egal, wie sie gelebt werden, ein großes Thema.

Auch Tyson Thiele (26) mit Hund Kiwi und Fabian Kleine (22) kamen nach Stade, um die weltweit bekannte Protestaktion zu unterstützen. Beide sind Transmänner und haben sich in der Selbsthilfegruppe für Eltern von transsexuellen Kindern "Transparents" kennengelernt. Sie gehen offen mit ihrer Sexualität um - und sorgen so für Aufklärung in der Gesellschaft.

Für die Extraportion Aufmerksamkeit sorgte die Dragqueen Sina Valentina. Bereits in Hamburg hat sie neun Jahre lang den CSD unterstützt. "Wir Dragqueens haben eine Message." Sie seien "Freaks" und überzeichnete Frauen, schrill und bunt. Aber sie fallen eben auf und polarisieren, regen zum Nachdenken an und tragen zur Aufklärung bei. Sie selbst möchte mehr auf die Transsexuellen aufmerksam machen. Häufig ginge es bei Veranstaltungen um die Ehe für alle, also vermehrt um die Beziehung von Schwulen und Lesben, so Sina Valentina, aber es gehörten alle dazu.
Zudem ist ihr Ziel, mit Klischees der Menschen aufzuräumen, die Hemmschwelle und Berührungsängste zu nehmen und zu zeigen, dass jeder normal ist. Dabei ist es ihr besonders wichtig, immer nahbar und authentisch zu sein. Und das kommt auch bei den Passanten in der Stader Innenstadt an. Viele befürworten den Christopher Street Day und stehen dem Ganzen offen gegenüber. Eine Gruppe Senioren aus Frankfurt am Main ist froh, dass sich die Zeiten so sehr geändert haben. "Früher war es verboten, heute darf jeder seine Vorlieben ausleben."

Auch wenn der erste CSD in Stade nicht mit den großen Umzügen in Hamburg und Berlin mithalten kann, war er dennoch ein großer Erfolg. Zwar hatten sich bereits jetzt schon einige Besucher mehr vom Stader CSD erhofft, aber der Organisator Liam Guci kündigte für das kommende Jahr eine Vergrößerung der Veranstaltung an.

"Ich bin ein Mensch wie du"
Auffallend, bunt und dabei immer ladylike - das ist Sina Valentina. Doch hinter der Dragqueen aus Hamburg steckt mehr als nur eine schrille Fassade.

Als Sina Valentina ist sie nie arrogant und überheblich. "Das passt nicht zu mir", sagt sie. Denn hinter der Kunstfigur steckt ein ganz normaler Mensch. Sie möchte, dass andere immer das Gefühl haben, mit allen Fragen zu ihr kommen zu können, die sie auch immer offen beantwortet. Ihr Motto: "Ich bin ein Mensch wie du und ich habe auch so unterschiedliche Facetten wie du." Sina Valentina ist selbst transsexuell und befindet sich zurzeit in einer Hormontherapie.

Dieser Weg der Transformation vom Mann zur Frau sei enorm schwierig und es gebe auch Momente, in denen sie sich selbst hinterfrage. "Aber wenn man sich einmal dafür entschieden hat, dann zieht man das auch durch", so Sina Valentina. Schließlich führe sie dieser Weg mit allen Höhen und Tiefen immer mehr zu ihr selbst.  Auch wenn es eine große Herausforderung ist - sie kämpft sich durch.

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