Eine zweite Chance geben
Foodsharing Stade teilt Lebensmittel statt sie wegzuwerfen

Dorothée Füller (re.) und Johanna Hemp setzen sich bei Foodsharing Stade gegen die Lebensmittelverschwendung ein
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jab. Stade. Für die beiden Staderinnen Johanna Hemp (34) und Dorothée Füller (43) ist es unbegreiflich, wie viele genießbare Lebensmittel im Einzelhandel, aber auch in Privathaushalten weggeworfen werden. Daher haben sie sich der Initiative Foodsharing Stade, die seit 2019 aktiv ist, angeschlossen und setzen sich mit ihren Mitstreitern gegen diese Lebensmittelverschwendung ein.

Als Hemp nach Stade zog, war es für sie der optimale Zeitpunkt, um sich ehrenamtlich zu engagieren. Durch eine Freundin, die ihr gelegentlich Lebensmittel vom "Fair-Teiler", einem Ort in den Räumen der St. Josef-Gemeinde (Schiffertorsstraße 17 in Stade), an dem Lebensmittel kostenfrei abgegeben oder mitgenommen werden können, mitbrachte, wurde sie auf Foodsharing aufmerksam. "Das ist ein cooles Ehrenamt und lässt sich super mit Familie und Arbeit vereinbaren", so Hemp. Füller kam durch Zufall zu den Lebensmittelteilern. In einer Gruppe in den sozialen Medien erfuhr sie von einem Treffen der Initiative. "Ich wusste erst gar nicht, was das ist, aber es klang interessant", so Füller. Nach und nach brachte sie sich dann immer mehr ein und beschäftigte sich mit dem Thema Lebensmittelverschwendung.

Die Initiative Foodsharing, gegründet 2012 in Berlin, hat sich der Rettung und Weiterverteilung von nicht mehr gewollten, aber noch genießbaren oder überproduzierten Lebensmitteln verschrieben. Von kooperierenden Einzelhändlern, mit denen zuvor ein Vertrag abgeschlossen wurde, oder Privathaushalten sammeln sie Lebensmittel ein. In Lebensmittelkörben werden diese dann weitergegeben.

Wichtig zu wissen: Foodsharing ist keine Konkurrenz zu den Tafeln. "Wir kooperieren sogar mit ihnen", betonen die Staderinnen. Lebensmittel, die dort übrig geblieben sind, werden zum Fair-Teiler gebracht. Schon ein Jahr existiert der Raum in Stade. Geht es bei den Tafeln in erster Linie darum, Bedürftige zu unterstützen, geht es bei Foodsharing um die Lebensmittel an sich. "Jeder kann hierher kommen, unabhängig von seiner Bedürftigkeit oder seinem sozialen Status", so Füller. Niemand müsse sich hier als Schmarotzer fühlen oder denken, er nehme jemandem etwas weg, der es nötiger hätte.

Dass die Regale im Fair-Teiler häufig leer sind, freut die beiden Frauen, heißt es doch, dass nichts verkommt, sondern verwertet wurde. Dabei setzen die Ehrenamtlichen auf die Eigenverantwortung und die Sinne der Fair-Teiler-Besucher. Wer Lebensmittel spenden möchte, muss allerdings einiges beachten: Unter anderem darf zwar das Mindesthaltbarkeitsdatum überschritten sein, nicht aber das Verbrauchsdatum. Kühlketten dürfen nicht unterbrochen worden sein. Zudem dürfen keine Waren mit Roh-Ei, -Fleisch oder -Milch angeboten werden.

Ein weiterer wichtiger Punkt ihrer Arbeit ist die Bewusstseinsbildung in der Bevölkerung, erklärt Füller. Bei Veranstaltungen wie den Klimawochen im Landkreis Stade nehmen sie mit interessanten Aktionen teil. Diesmal hatten sie sich ein Smoothie-Bike geliehen. Mit der eigenen Muskelkraft wurden aus Obst und Gemüse des Fair-Teilers Getränke gezaubert. Solche Aktionen sollen dazu beitragen, dass die Menschen in ihrem Privathaushalt mehr darauf achten, was sie noch aus Lebensmitteln machen können, statt diese einfach wegzuwerfen.

Sowohl die Inititative Food-sharing Stade als auch Buxtehude freuen sich über neue Mitstreiter im Kampf gegen Lebensmittelverschwendung. Mehr Informationen gibt es auf der Internetseite www.foodsharing.de, bei Facebook unter "Foodsharing Stade" und Instagram unter "foodsharingstade".

Autor:

Jaana Bollmann aus Stade

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