Hebammen-Kreissprecherin befürchtet hochdramatische Entwicklung
Hälfte der Hebammen verlässt die Elbe Kliniken

Hebammen wollen den Babys einen bestmöglichen Start ins Leben ermöglichen
  • Hebammen wollen den Babys einen bestmöglichen Start ins Leben ermöglichen
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mke. Landkreis Stade. Ein Paukenschlag in der Gesundheitsvorsorge: Neun Hebammen und damit die Hälfte des Stammpersonals der Geburtshelferinnen haben die Elbe Kliniken in Stade verlassen. Die meisten von ihnen waren seit Jahrzehnten dort tätig, doch die Arbeitsbedingungen waren für sie nicht mehr länger tragbar. Der Weggang könnte Auswirkungen auf die gesamte Region haben.

"Es fehlte an Wertschätzung"

"In den letzten Jahren hat sich das Arbeitsverhältnis geändert, es war kein Arbeiten auf Augenhöhe mehr", bedauert Hebamme Ilka Delzer. Gerne hätten die Stader Hebammen ein ähnliches Modell wie in Buxtehude gehabt, wo sie die Leitung über den Kreißsaal haben. Doch obwohl es sich um den selben Klinikträger handelt, wurde diese Forderung seitens der Geschäftsführung nicht akzeptiert. "Wir hatten das Gefühl, dass alle unsere Vorschläge nicht ernst genommen wurden und es uns gegenüber grundsätzlich an Wertschätzung fehlte." Hinzu kam die untertarifliche Bezahlung, sodass die Hebammen letztlich keinen Ausweg mehr sahen, als ihre Kündigung einzureichen. "Das Elbe Klinikum Stade bietet seinen Hebammen mittlerweile grundsätzlich die freie Entscheidung an, ob eine Festanstellung oder Freiberuflichkeit gewünscht ist. Somit kann jede Hebamme die für sich geeignete Anstellungsart wählen", entgegnet der Pressesprecher der Elbe Kliniken, Daniel Hajduk, auf den Vorwurf der schlechten Bezahlung. Dadurch würde aber ein Zwei-Klassen-System entstehen, befürchten die wiederum die Hebammen. "Studien belegen, wie wichtig eine gut betreute Geburt für die Gesundheit der Mutter und des Kindes ist", erklärt Manuela Raydt, Kreissprecherin der Hebammen, die sich große Sorgen um die Entwicklung an den Elbe Kliniken in Stade macht. "Die Kündigungen waren der Klinik seit letztem Jahr bekannt, doch sie hat einfach nicht gehandelt."

Medizinische Fachangestellte statt Hebammen

Statt zwei Hebammen auf der Station sollen nun medizinische Fachangestellte einer Hebamme im Kreißsaal zur Seite stehen, die gleichzeitig auch administrative Aufgaben übernehmen sollen. "Damit erhalten die Hebammen noch mehr Zeit für die mutternahen Tätigkeiten", heißt es von Seiten der Elbe Kliniken. Bis man neue Hebammen eingestellt habe, wolle man nun vorübergehend mit Leiharbeiter-Hebammen zusammenarbeiten.

"Man muss sich nur mal vorstellen, dass zwei Frauen gleichzeitig kurz vor der Geburt stehen und bei einer gibt es plötzlich Komplikationen. Die fremde Hebamme kann sich nicht teilen, kennt aber auch die Ärzte nicht. Wir stehen hier vor einer hochdramatischen Entwicklung", warnt Raydt eindringlich. Ihre Befürchtung ist zudem, dass durch den Personalmangel der Kreißsaal nicht mehr rund um die Uhr besetzt werden kann, sodass man vermehrt auf Kaiserschnitte in der Woche setze und der Kreißsaal am Wochenende geschlossen bleibe. Es sei deswegen wichtig, dass die Bevölkerung klar Stellung beziehe und sich für eine Geburtshilfe an der Elbe Klinik ausspreche.

Auswirkungen auf die Versorgung der gesamten Region

Manuela Raydt gibt außerdem zu bedenken, dass das Herunterfahren der Geburtsstation oder sogar die Schließung auch Auswirkungen auf die Kinderklinik und damit auf die Versorgung der gesamten Region hätten. "Deshalb hat das Thema eine so hohe Brisanz", erläutert Manuela Raydt. Schon jetzt erhalte sie Anrufe von Schwangeren, ob sie überhaupt noch in der Elbe Klinik entbinden könnten.

Chefarzt versichert, Geburtshilfestation wird rundum die Uhr besetzt

Der Chefarzt der Klinik für Gynäkologie und Geburtshilfe, Dr. Thorsten Kokott, versucht zu beruhigen und versichert, dass ein Fachärzteteam mit den festangestellten und den temporären externen Hebammen an 24 Stunden sieben Tage die Woche zur Versorgung von Schwangeren auf der Geburtshilfestation sei. Ergänzt werde dieses Team bei Risikoschwangerschaften um einen Neontologen, einen spezialisierten Kinderarzt für Neugeborene. "Bei Risikoschwangerschaften oder Beeinträchtigungen bei Neugeborenen betreut dieses interdisziplinäre Team Mutter und Kind gemeinsam, um keine Trennung vornehmen zu müssen. Die Einheit von Mutter und Kind wird hierbei laufend intensiviert und optimiert, um dem hohen Gut der Betreuung von Mutter und Kind stets gerecht zu werden.“

17 Jahre hat Ilka Delzer im Elbe Klinikum gearbeitet. Sie bedauert, dass es auch danach keine Gespräche gab oder Versuche sie zu halten. "Es ist nach wie vor unser aller Traum, in Stade eine schöne Geburtshilfe anzubieten", beteuert sie. Würde die Elbe Klinik zu Gesprächen bereit sein und ihren Forderungen nachkommen, wäre das ganze Team wieder mit Leib und Seele dabei, ist Delzer überzeugt.

Autor:

Mareike Kerouche aus Stade

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