Häusliche Gewalt: Hilfe für betroffene Flüchtlingsfrauen gestaltet sich oft schwierig

Von häuslicher Gewalt betroffene Frauen mit Migrationshintergrund finden meist nur schwer Zugang zu Hilfsangeboten
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lt. Stade. Jede vierte Frau in Deutschland wird laut einer Studie mindestens einmal im Leben Opfer häuslicher Gewalt. Die Dunkelziffer ist hoch, das Thema komplex und darüber zu sprechen oder Hilfe anzunehmen fällt den meisten Betroffenen sehr schwer. Im Zuge der Flüchtlingswelle, die viele ausländische Familien in die Dörfer unserer Region gebracht hat, bekommt das Thema noch einmal eine ganz neue Dimension.
Denn auch Frauen mit Migrationshintergrund sind von häuslicher Gewalt betroffen, tendenziell sogar häufiger als Deutsche, sagt Anne Behrends, Gleichstellungsbeauftragte des Landkreises Stade. Gleichzeitig finden sie aber aufgrund sprachlicher und kultureller Barrieren oft gar keinen oder nur sehr schwer Zugang zu bestehenden Hilfsangeboten.

Als ein "Fass ohne Boden" und echtes "Niemandsland" bezeichnet Behrends das Thema häusliche Gewalt in Flüchtlingsfamilien. Zum einen sei das Familienverständnis in den stark von Männern dominierten muslimischen Kulturen ein ganz anderes.
Anstelle von Kleinstfamilien habe man es z.B. meist gleich mit ganzen Clans zu tun, in denen die Familienehre eine große Rolle spiele. Von Gewalt betroffene Frauen hätten häufig schlimme Sanktionen zu fürchten und seien schlimmen Bedrohungen ausgesetzt, wenn sie sich gegen ihren Ehemann stellen, so Anne Behrends.
Zum anderen wüssten die betroffenen ausländischen Frauen zunächst gar nicht, dass es in Deutschland verschiedenste kostenlose Beratungs- und Hilfsangebote für Gewaltopfer gebe. Sie müssten erst einmal begreifen, dass sie der Polizei oder anderen Institutionen vertrauen können und sich bestimmten Personen auch anvertrauen können, ohne dass ein Dritter davon erfährt.

Auch für die vielen Ehrenamtlichen, die sich in der Flüchtlingsarbeit engagieren, ist das Thema Neuland. "Viele haben ein falsches Hilfeverständnis und setzen die betroffenen Frauen unter Druck, z.B. ins Frauenhaus zu gehen", sagt Anne Behrends. Ihnen sei nicht klar, dass die Frauen in ganz anderen Strukturen denken und leben und häufig z.B. aufgrund der Residenzpflicht nicht so einfach ihren Aufenthaltsort wechseln können. Umso wichtiger sei es, dass diejenigen, die mit potenziellen Gewaltopfern in Kontakt sind, genau wissen, wie sie auf die Problematik reagieren sollten und wie es zu schaffen ist, dass die Opfer gestärkt werden und Hilfe erhalten.
Wie viele Frauen mit Migrationshintergrund Opfer von häuslicher Gewalt sind, ist nicht bekannt. Fest stehe aber, dass es auch im Landkreis Stade Betroffene gebe, so Behrends. Nun gelte es zu überlegen, wie man das Vertrauen der Frauen gewinnen und ihnen Hilfe zukommen lassen könne. 

• Unter dem Motto: „Im Tandem gegen häusliche Gewalt – häusliche Gewalt im Migrationskontext“ laden das Netzwerk Häusliche Gewalt und die Gleichstellungsbeauftragten im Landkreis Stade in Kooperation mit dem Landespräventionsrat Niedersachsen und dem Niedersächsischen Ministerium für Soziales, Gesundheit und Gleichstellung zu einem Fachtag ein. Die Veranstaltung findet am Mittwoch, 6. September, von 10 bis 16.15 Uhr im Kreishaus (neues Verwaltungsgebäude) in Stade statt.
Der Fachtag richtet sich an Professionelle in der Gewaltberatung und in der Migrationsberatung, aber ebenfalls an ehrenamtlich Tätige in der Flüchtlingsarbeit.
• Anmeldung erwünscht bei Anne Behrends, unter gleichstellungsbeauftragte @landkreis-stade.de oder unter ( 04141 - 121005.

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