jd. Stade. Drei Tage hintereinander eine Sieben-Tage-Inzidenz jenseits der 100er-Marke: Der Landkreis Stade gilt jetzt als Hochinzidenzgebiet. Welche Konsequenzen das haben kann, ist allerdings noch offen. Am Sonntag lag der Inzidenzwert erstmals in diesem Jahr über 100. Gemeldet wurden 113,0 Fälle pro 100.000 Einwohner innerhalb von sieben Tagen. Am Montag war der Wert mit 112,0 Fällen pro 100.000 Einwohner nur unwesentlich niedriger. Für den heutigen Dienstag wird eine Inzidenz von 113,9 gemeldet.

Nach der Corona-Verordnung des Landes Niedersachsen ist ein Landkreis zu einer Hochinzidenzkommune zu erklären, wenn die Sieben-Tage-Inzidenz an drei aufeinander folgenden Tagen über 100 liegt. Das hätte weitreichende Folgen: Die Anfang März eingeführten Lockerungen müssten wieder rückgängig gemacht werden. Kitas hätten erneut zu schließen und dürften lediglich eine Notbetreuung anbieten. In den Geschäften wäre statt Click and Meet nur noch Click and Collect möglich. Auch die Schulen wären betroffen: Mit Ausnahme der Grundschul- und Abschlussklassen dürfte nur noch Distanzunterricht angeboten werden. Außerdem würden wieder strengere Kontaktbeschränkungen im privaten Bereich gelten: Treffen wären nur mit einer Person außerhalb des eigenen Haushalts zulässig.

Wert in vier Tagen verdoppelt: Höchste Sieben-Tage-Inzidenz in diesem Jahr im Kreis Stade

Doch noch steht nicht fest, ob der Landkreis überhaupt eine entsprechende Allgemeinverfügung mit den Verschärfungen der Corona-Beschränkungen erlässt. Denn nach der Corona-Verordnung des Landes besteht ein gewisser Ermessensspielraum: Ein Landkreis oder eine kreisfreie Stadt muss sich nur dann zur Hochinzidenzkommune erklären, wenn zu erwarten ist, dass der Inzidenzwert von 100 längerfristig überschritten wird.

Genau das ist laut Kreis-Dezernentin Nicole Streitz aber fraglich: Nach ihren Angaben ist das Überschreiten der 100er-Marke vor allem auf Corona-Ausbrüche in vier Betrieben im Südkreis zurückzuführen, die miteinander zusammenhängen (siehe unten). Ohne die Corona-Fälle aus diesen vier Unternehmen hätte die Sieben-Tage-Inzidenz am gestrigen Montag 90 statt 112 betragen, so Streitz.  

Nach Angaben von Streitz will der Landkreis voraussichtlich am heutigen Dienstagnachmittag darüber entscheiden, ob eine Einstufung als Hochinzidenzkommune erfolgt. Da dies einschneidende Einschränkungen im öffentlichen Leben nach sich ziehen würden, prüfe der Landkreis Stade weitere Schritte sehr sorgfältig. Sollten Beschränkungen beschlossen werden, würden diese frühestens am Donnerstag in Kraft treten. 

Corona-Ausbrüche in vier Betrieben

Der Anstieg der Fallzahlen in den vergangenen Tagen ist nach Angaben des Landkreises vor allem auf einen in der Vorwoche gemeldeten Corona-Ausbruch in einem fleischverarbeitenden Betrieb in Buxtehude zurückzuführen. Im Zuge der Kontaktnachverfolgung durch das Gesundheitsamt wurde festgestellt, dass es eine Verbindung zu einer Personalvermittlungs-Agentur in Harsefeld gibt. Die Ermittlung der Infektionsketten führte über die Agentur zu zwei weiteren Betrieben, in den Mitarbeiter jetzt positiv auf das Coronavirus getestet wurden. Es handelt sich um ein Lebensmittellogistiker mit Sitz in Apensen und ein Onlinehändler für Bekleidung aus Buxtehude.

In den vier betroffenen Unternehmen sind insgesamt rund 150 Mitarbeiter tätig. Bisher wurden 48 Beschäftigte positiv getestet. Hinzu kommen Familienangehörige mit ebenfalls positiven Testergebnissen. Die Ergebnisse von weiteren Tests stehen noch aus. Es sei mit weiteren Fällen zu rechnen, so Streitz, die in diesem Zusammenhang von einem "Groß-Cluster" spricht. Nach ihren Angaben verteilen sich die Wohnorte der Betroffenen über das Stader Kreisgebiet. Ein Großteil von ihnen lebe allerdings in der Samtgemeinde Harsefeld.

Verschärfte Corona-Beschränkungen durch "Bundes-Notbremse" 

Es bleibt nun abzuwarten, wann die geplante "Bundes -Notbremse" in Kraft treten wird. Nach den Plänen der Bundesregierung sollen verschärfte Corona-Beschränkungen auf jeden Fall greifen, wenn die Sieben-Tage-Inzidenz über 100 liegt. Die Landkreise wären dann an diese Bestimmung, die im Infektionsschutzgesetz verankert werden soll, gebunden und hätten keine eigene Befugnis, hier Entscheidungen zu treffen. Eine entsprechende Gesetzesänderung muss aber in dieser Woche noch vom Bundestag und wahrscheinlich auch vom Bundesrat beschlossen werden. Bis die Gesetzesnovelle die parlamentarischen Gremien passiert hat, könnte der Inzidenzwert im Landkreis Stade aber wieder gesunken sein.

Laut einem Entwurf der Bundesregierung sind ab einem Inzidenzwert von 100 folgende Beschränkungen vorgesehen: 

  • Ausgangssperre von 21 bis 5 Uhr, auch Joggen und der Abendspaziergang sollen verboten werden
  • Einschränkung der privaten Kontakte: jeder Haushalt dürfte nur noch einen Gast pro Tag empfangen (maximal 5 Personen)
  • Schließung aller Geschäfte mit Ausnahme von Supermärkten, Drogerien, Apotheken, Gartencentern und Friseuren
  • Stopp sämtlicher Modellprojekte
  • Schulen dürfen nur öffnen, wenn alle Schüler mindestens zweimal wöchentlich getestet werden. Ab einem Inzidenzwert von 200 müssen Schulen schließen
  • Testpflicht für Unternehmen (zweimal in der Woche)
Impfen ist kein Wunschkonzert: Wer umstrittenen Impfstoff nicht will, muss wieder gehen
Autor:

Jörg Dammann aus Stade

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